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Thema: Selbstverteidigung verstehen

  1. #1
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    Standard Selbstverteidigung verstehen

    Viele, viele Techniken, viele, viele Kräftigungsübungen, viel, viel Sparring und schon... trainiert man möglicherweise am Problem vorbei. Sich mit der Materie der Gewalt auseinanderzusetzen bedeutet, viele Faktoren gewalttätiger und krimineller Konfrontationen zu berücksichtigen.

    Dazu gehören beispielsweise auch die sogenannten Pre Contact Cues, ein Begriff, den Tony Blauer geprägt hat und der ein wesentlicher Baustein seines S.P.E.A.R. Systems und P.D.R. Programms ist. Pre Contact Cues kann man übersetzen mit Vor-Kontakt-Hinweisen, also solchen Verhaltensweisen, die eine Übergriffswahrscheinlichkeit ankündigen und diese Übergriffe voraussagbarer machen. Lernt man diese Hinweise wahrzunehmen und in ihrer Bedeutung einzuschätzen, ist man bereits in Aktion, wenn die eigentliche Übergriffshandlung noch gar nicht begonnen hat. Aktion ist schneller als Reaktion gilt dann nur noch bedingt. Ein echter Vorteil, oder? Dazu hab ich hier mal ein kleines Video gebastelt.


  2. #2
    PaiLoung Gast

    Standard

    super video ... das ist auf jeden fall etwas auf das man eingehen sollte..

    ich finde es allerdings schwer so etwas zu trainieren, da man so ein verhalten in erster linie nur erkennt wenn man erfahrung damit gemacht hat, sprich sich gezielt auch in diese menschen hineinversetzten kann... was denke ich für den 0-8-15 bürger recht schwer werden sollte...

    wie würdet ihr die sache im training angehen? mal nen vid zeigen und problematik ansprechen?

    es ist halt immer grenzwertig zu sagen jetzt geht raus gewalt erleben !!

    aber ist 100% was drann... denn so läufts nunmal

    mfg

  3. #3
    Willi von der Heide Gast

    Standard

    Tja, ein Problem das leider nur allzu bekannt ist. Für so etwas muß man einen
    " Blick " bzw. " Sinn " entwickeln.
    DAS ist die Aufgabe eines guten Trainings ! Wie denken " Schläger " und
    " Kriminelle ".
    Ein absolut überzeugendes Konzept, habe ich für mich persönlich noch nicht gefunden ohne paranoid zu werden. Nicht jeder der mich nach der Uhrzeit fragt, will mir ans Leder.
    Trotzdem gibt es bestimmte Situationen und Signale die man richtig deuten lernen muß.

    Ein praktisches Beispiel.

    Die Israelis, wissen das Flugzeugentführungen - sind in diesem Teil der Welt nicht völlig aus der Luft gegriffen - von einer bestimmten Personengruppe begangen werden. Darum konzentrieren sie sich mit ihren Sicherheitsmaßnahmen eben auf jene Gruppe. Sie fahren mit dieser Sicherheitsmaßnahme sehr gut.

    Mir gefällt das Video und die Gedanken, die ihr euch zu dem Thema macht. Sieht wirklich sehr interessant aus !

    P.S.:

    Müßte es nicht " Clues " heißen

  4. #4
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    Standard

    Habs bei Facebook schon gesagt und sag´s hier gern wieder: Tolles Video!!

    Mir fällt jetzt spontan kein Video / keine Erklärung ein, die den Unterschied zwischen Kampfsport und Selbtschutz prägnanter vor Augen führt.


  5. #5
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    Standard

    Müßte es nicht " Clues " heißen
    Nee, das stimmt schon so. Ein "cue" bezeichnet in der Psychologie einen Hinweisreiz. Mag man von der zwanghaften Verwendung englischer Begriffe halten, was man will: Aber sie verwenden sie wenigstens richtig.

    da man so ein verhalten in erster linie nur erkennt wenn man erfahrung damit gemacht hat, sprich sich gezielt auch in diese menschen hineinversetzten kann... was denke ich für den 0-8-15 bürger recht schwer werden sollte...
    Also, bei so "rationalen" Verbrechen wie einem Raub mit anschließender Flucht find ich das so schwierig nicht. Schwer wirds doch erst bei den wirklich "irrationalen" Verbreche(r)n.
    Und letztlich rechtfertigt doch die Sicherheitslage überhaupt keine dauerhafte volle Aufmerksamkeit. Ich hab mich schon vor langer Zeit damit abgefunden: Wer mich wirklich killen will und es geschickt anstellt, der wird das auch schaffen. Statistisch hab ich mir bis dahin aber schon 20mal auf der Treppe den Hals gebrochen.
    Trotzdem, kein schlechtes Video.

    Die Israelis, wissen das Flugzeugentführungen - sind in diesem Teil der Welt nicht völlig aus der Luft gegriffen - von einer bestimmten Personengruppe begangen werden. Darum konzentrieren sie sich mit ihren Sicherheitsmaßnahmen eben auf jene Gruppe. Sie fahren mit dieser Sicherheitsmaßnahme sehr gut.
    So ne Art "Rasterfahndung"? Mag sich in bürgerkriegsähnlichen Situationen zwischen mehr oder weniger klar identifizierbaren (Volks-)Gruppen ja als ganz brauchbar erweisen. Hat sich hierzulande aber nie bewährt.
    Du sollst am Sabbat keine Fledermäuse rasieren.

  6. #6
    Willi von der Heide Gast

    Standard

    @terao

    Cues ... mmmH kannte ich jetzt nicht. Ich schreibe morgen etwas zu den Israelis. Muß jetzt los, die " Kinderchen " machen schon wieder Blödsinn ...
    Wenn ich nicht ständig aufpassen würde .

  7. #7
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    wow, der clip ist echt super geworden!!
    "Self defense, martial arts and fighting are as similar\different to each other as tennis, badminton and ping pong are." Rich Dimitri

  8. #8
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    Och, vielen lieben Dank für das Feedback. Ich freu mich.

    Zitat Zitat von PaiLoung Beitrag anzeigen
    ich finde es allerdings schwer so etwas zu trainieren, da man so ein verhalten in erster linie nur erkennt wenn man erfahrung damit gemacht hat...
    Da gebe ich dir völlig Recht. Auch ein sehr gutes SV Training kann bestenfalls nur ein "sehr guter Betrug" sein, da es reale Erfahrungen natürlich nicht ersetzen kann. Insofern werbe ich tatsächlich mit einem sehr, sehr guten Betrug... whaaaaat??

    Was man durch ein sorgfältig geplantes Training, und dazu bedarf es schon etwas Geschick, aber machen kann, sind künstliche Erfahrungen bzw. das, was man im SPEAR System "mental blueprints" nennt - also mentale Blaupausen. Bisschen Erklärung dazu:

    Zeugen realer Gewalt sind nur in den seltensten Fällen unmittelbar nach dem Übergriff dazu in der Lage, eine kohärente Aussage zu machen. Regelmäßig merkt man schon bei den Erstgesprächen, dass mit jeder Antwort ein wenig nach Zusammenhängen gesucht wird bzw. das "Erlebte rekonstruiert" wird. Im Kopf sind das nach vielen Aussagen Betroffener eher Blitzgewitter von Eindrücken, Gefühlen und Bildern, Geräuschen, sogar Gerüchen usw. Und diese Phänomene kann man im Training "bekannt" machen, natürlich nicht lediglich über Stress. Tatsächlich verhindert in manchen Trainingsdesigns die hohe Geschwindigkeit oder Erregung das Kennenlernen und Analysieren dieser Eindrücke und es entstehen eben keine mentalen Blaupausen, sondern nur eine stolz geschwellte Brust, weil man wieder ordentlich ins Mett gehauen hat oder wurde. Dahinter steht halt eine andere Trainingsidee, namentlich die der Kombattanten - die erkennen ihren Widersachen bereits an der Kleidung, h.d. Uniform. Insofern ist beispielsweise der immer so hoch angespriesene "militärische Nahkampf" oder "militärische Kampftechnologie" ein Schuss neben das Ziel, wenn es um ein sinnvolles Training für die Wappnung vor Angst- und Gewaltmomenten im zivilen Alltag geht.

    Sinnvoll erdachte und an der Realität von (nicht nur tätlichen!) Übergriffen orientiere Übungen machen da ein ganzes Stückchen mehr Sinn. Naja und ganz ehrlich: Wenn ich die jetzt hier raushaue in schwarz auf weiß, dann gibt nächste Woche jeder Hinz und Kunz ein Seminar "behavioristischer Selbstschutz" und ich kann mir kein Bier mehr kaufen... Aber zum Glück gibt es ja noch diese Seminarreihe... wart mal... Die heißt "Praktische Gewalthandhabung" und wird von mir unterrichtet

  9. #9
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    sehr schön.

    und:
    manno, ich will auch ein paar von den anzügen... (für n appel und n ei und nicht für diese unsummen, die es einem unmöglich machen, damit zu trainieren )
    "I prefer them to be awake when I severe their arms and beat them to death with it." Maul Mornie und sein Verhältnis zu k.o.s

  10. #10
    Felix Kroll Gast

    Standard

    aus meiner sicht total banal, dass man in der situation aufpasst.
    meines erachtens das wichtigste: ich hätte mich nicht hingesetzt.

  11. #11
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    Und bist du auch immer angeschnallt?



    Ist nicht bös und schon gar nicht gegen dich gemeint, aber wir hatten in dem betreffenden Training, in dem das Video entstanden ist, auch jemanden, der immer mit "ich hätte..." und so, ne? Das Ding ist für mich immer: Wenn die Hätte-Sätze das gleiche wären wie Tatsachen, dann wären die meisten von uns nie gezeugt worden, oder?

  12. #12
    Girevik Gast

    Standard

    Ich finde auch im Bereich "SV Training" sollte man nicht ausschließlich die Konflikt Phase trainieren. Das Erkennen und verstehen von Täterverhalten und lesen von "Vorkonfliktzeichen", so wie wir es im Training nennen, gehört dazu und sollte auch im Training behandelt werden.

    Das kenne ich vom SPEAR/ PDR und auch von anderen wie KAPAP Academy/ Protect your neck oder auch Southnarc Craig Douglas (PUC), usw....

    Schönes Video Tobi!

  13. #13
    mario63 Gast

    Standard

    Zitat Zitat von StaySafe Beitrag anzeigen
    Habs bei Facebook schon gesagt und sag´s hier gern wieder: Tolles Video!!

    Mir fällt jetzt spontan kein Video / keine Erklärung ein, die den Unterschied zwischen Kampfsport und Selbtschutz prägnanter vor Augen führt.

    Und genau wie auf Facebook schließe ich mich auch hier an.

    Zitat Zitat von Brodala Beitrag anzeigen

    Dahinter steht halt eine andere Trainingsidee, namentlich die der Kombattanten - die erkennen ihren Widersachen bereits an der Kleidung, h.d. Uniform. Insofern ist beispielsweise der immer so hoch angespriesene "militärische Nahkampf" oder "militärische Kampftechnologie" ein Schuss neben das Ziel, wenn es um ein sinnvolles Training für die Wappnung vor Angst- und Gewaltmomenten im zivilen Alltag geht.

    Sinnvoll erdachte und an der Realität von (nicht nur tätlichen!) Übergriffen orientiere Übungen machen da ein ganzes Stückchen mehr Sinn.
    Und auch hier stimme ich aus vollem Herzen zu. Es ist halt ein gravierender Unterschied, ob man einen Soldaten auf einen Einsatz vorbereitet oder es darum geht Fritz Buchhalter darauf vorzubereiten, das er vielleicht irgendwann nach einem 10-Stunden-Tag auf dem Nachhauseweg (oder sonstwo) angegriffen wird. Von daher hat das ganze Military-Zeug mit ziviler Selbstverteidigung einfach nix zu tun.

    Viel Erfolg bei deiner Seminar-Reihe .

    Gruß, Mario

  14. #14
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    Dank dir, Mario.

    Viele Grüße in den nahen Norden.

  15. #15
    Primo Gast

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    Ich muss auch mal ein Kompliment aussprechen.

    Du produzierst echt gute und informative Videos. An deutschsprachigen Sachen gibts da nichts Vergleichbares.


    Gruss

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