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Thema: Schusswaffenentwaffnung KM, 2 Kritikversuche

  1. #16
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    also ich bin in südafrika sehr gut gefahren alles auszuhändigen und ohne schuhe und brieftasche ins hotel zu gehen. achja und ich geh nicht mehr allein los in den ecken. meine freundin ist auf madagaskar auch nur in minimum 5ergruppen unterwegs mit 1-2 einheimischen unter bewaffnung. liegt aber daran, dass sie aufgrund ihrer arbeit auch in ecken muss wo es nicht so touristisch erschlossen ist. und am frlughafen ist sie sehr gut gefahren geld im reisepass zu haben als sie plötzlich zur leibesvisitation sollte. sie war nach 2 minuten fertig und das geld aus dem pass.

    ich muss erfahrungsgemäß sagen man kommt mit einer passiven haltung in dem fall sehr weit.

  2. #17
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    In solchen Fällen bietet es sich auch an, nur das notwendige Minimum an Ausweisen und Kreditkarten bei sich zu haben (keine wichtigen die schwer wiederzubeschaffen sind), ausreichend (hoho! Erfolg!) aber nicht zuviel Bargeld, und die Kreditkarten auf Konten laufen zu haben wo sich nicht sämtliche Ersparnisse befinden. Sprich, ein eigenes Konto für laufende Kosten, getrennt vom Gehalts- / Langzeitkonto. Darauf dann auch gar kein E-Banking und keine Kreditkarten, nur Überweisung vor Ort in der Bank. Erspart Nachdenken ob man die Kreditkarte aushändigt und Probleme.
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  3. #18
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    In gefährlichen Gegenden zweites Portemonaie mit abgelaufenen Karten und einem Bündel kleiner Scheine mitführen und bei Überfall rausgeben. Das richtige Portemonaie gut versteckt mitführen.
    Kannix, 24.06.2010, 14:17 Uhr: "Also ich hab noch oben ein Luftgewehr, ganz normal. Bei Katzen jedenfalls gibts keine sichtbaren Verletzungen"

  4. #19
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    Solche Leute sind öfter extrem clever bzw. erfahren um zu sehen wenn einer lügt. So gut kann man sein Zeug kaum verstecken, dafür ist das zu gross. Socken, Schuhe, am Bauch, egal, man kann es finden wenn man einfach nur nachsieht. Also lieber dafür sorgen dass man im schlimmsten Fall auch seine echte Bankkarte abgeben kann, sogar mit PIN wenn insistiert wird, weil auf dem Konto fast nichts drauf ist. Mehr dafür kleinere Scheine ist aber eine gute Idee, dann freut sich der Räuber dass er Erfolg hatte, und macht keinen Mist.
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  5. #20
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    jo viel hatte ich eh nicht bei daher waren die schuhe mit weg . Frauchen muss halt alles mitschleppen, da sie immer nur maximal 2 Tage an einem Ort sind. Aber sie hat auch ne Körpertasche und ne kleine zweite Brieftasche für solche Fälle.

  6. #21
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    Also auch alte, abgetragene aber bequeme Schuhe anziehen.
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  7. #22
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    Zumindest in SA wurde immer direkt um die Aushändigung der Bauchtaschen (die unter den Klamotten verborgenen) gebeten (zumindest bei allen Überfallenen mit denen ich geredet habe), ich selbst musste auch zeigen, dass ich keine dabei habe (lag in der Schmutzwäsche des Vermieters - laut ihm sicherer als ein Tresor, den er auch schon einmal nicht ganz freiwillig öffnen musste)
    Achja, SA ist trotzdem eines der schönsten Länder der Welt und auf jedenfall eine Reise wert!

  8. #23
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    Zitat Zitat von ThomasL Beitrag anzeigen
    Zumindest in SA wurde immer direkt um die Aushändigung der Bauchtaschen (die unter den Klamotten verborgenen) gebeten (zumindest bei allen Überfallenen mit denen ich geredet habe), ich selbst musste auch zeigen, dass ich keine dabei habe (lag in der Schmutzwäsche des Vermieters - laut ihm sicherer als ein Tresor, den er auch schon einmal nicht ganz freiwillig öffnen musste)
    Achja, SA ist trotzdem eines der schönsten Länder der Welt und auf jedenfall eine Reise wert!
    Vielleicht bleiben wir einfach alle in unseren Wohnzimmern - es scheint sicherer.

  9. #24
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  10. #25
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    Huhu,

    mir sind für die Eingangsfragestellung noch ein paar Anmerkungen eingefallen, vielleicht hilfreich?

    Ich habe realistische Entwaffnungschance, da erst denken den Schuss auslösen muss. Meine Kritik: Reicht innerhalb dem Gegner ein Reflex (ohne Gehirnweg) für ein Schuss lösen? Wie seht ihr das?
    Ehm. Das ist so nicht korrekt.
    Die Psychomotorik zum Abkrümmen ist relativ komplex:
    Die Motivation bzw das Instrumentalisieren des Werkzeugs "Waffe" läuft zwar über den kognitiven Bereich des Gehirns, die Bewegung selbst (in Anschlag gehen/abkrümmen) läuft jedoch parallel dazu über das motorische Zentrum. Das bedeutet, selbst wenn der Täter NICHT Schießen will, durch irgendein Umweltreiz oder ein Bewegungsmuster des Gegenübers aber "aufgeschreckt" wird, kann er unwillkürlich über die motorische Steuerung eine relativ lange Bewegungskette (in Anschlag gehen, entsichern, abkrümmen) ableisten, ohne dabei wirklich kognitiv zu steuern. Dazu braucht es nur eine entsprechende Aufregung, Tunnelblick, Gefahrenwahrnehmung..
    Mit Finger am Abzug im Ziel stehen ist wirklich nur ein Muskelzucken vom Schuss entfernt.
    Die Frage ist eher, wie enthemmt ist die Person zum einen und wie routiniert ist die Bewegungskette bis zur Schussabgabe? Verfrühte Schussabgabe kommt fast häufiger vor als Schießhemmung, nur sind die Schüsse zumeist völlig ungezielt - was aber egal ist, wenn man sich im Nahbereich direkt davor befindet.


    Angebliche Sicherheit: Ein Gegner der nicht sofort schießt wird nicht töten. Hier drei persönliche Kritiken: Kritik 1: Eine Schusswaffe ist tödlich. Selbst als SV Profi bin ich hier tot ohne Glück. Auf dieser Grundlage mir sicher sein er hat nicht sofort geschossen also habe ich überlebt: In meinen Augen (TiKM Basic 1) so unkontrollierbare Kamikaze-Hoffnung, dass ich wenn ich so denke gar nicht mehr entwaffnen brauche, weil todsicher tot. Wie seht ihr das?
    Die Aussage ist m.M.n. ein Irrtum. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Gegner nicht sofort schießt. Diese Gründe sagen aber sehr wenig darüber aus, ob der Gegner grundlegend dazu in der Lage ist, lethale Gewalt anzuwenden. Es gibt auch Situationsdynamiken, die eskalieren/deeskalieren und eine Menge Personen handeln zwar gewalttätig, sind aber gar nicht wirklich zu kompetent ausgeübter Gewalt in der Lage. Das ist mehr Schein als Sein, der davon lebt, dass das (eingeschüchterte) Gegenüber die Vorstellung hat, kompetenter Gewalt zu begegnen. Da spielen Schusswaffen eine große Rolle, durch ihr Einschüchterungspotential.

    Zu 2.1:
    Nein, eine Schusswaffe ist NICHT per se tödlich, tödlich ist sie genauso wie jede andere Waffe erst dann, wenn sie eine lethale Verletzung zugefügt hat.
    Das ist aber genau der Grund, warum eine Waffe überhaupt eingesetzt wird: man muss halt nicht besonders "kampffertig" wirken, wenn man die Mündung auf jemanden richtet. Weil im Kopf automatisch die Information aufblitzt "du bist sowieso tot" - das ist der Checkpot im Überlegenheitslotto.
    Prinzipiell sind Schusswaffen verdammt gefährlich, aber man kann eine Eskalation auch herbei führen, indem man den Ausgang ("ich bin tot!") selbst schon im Kopf hat. Auch wenn es schwierig verständlich klingen mag - man zieht in dieser Dynamik durch seine eigene Haltung den ja ebenfalls hocherregten Gegner regelrecht mit, und das kann zu einem Schuss führen, der nicht gefallen wäre, wenn beiden nicht die Nerven durchgegangen wären. Leichter gesagt als getan! Aber das ist ja auch der tiefere Sinn hinter Verteidigungstraining.


    Kritik 2: Ich habe keine Ahnung wie psychisch stabil mein Gegner ist. Er kann seelisch instabil, labil oder sogar gestört sein. Meine Kritik: Das macht davon ausgehen, dass ich einen gesunden Gegner vor mir habe fatal unerkennbar. Wie seht ihr das?
    Da würde ich jetzt mal frech zurück fragen:
    Wie kommt denn ein "gesunder" Mensch dazu, mir eine Knarre vor die Nase zu halten?

    Man kann aus dem Verhalten von Tätern tatsächlich sehr viel ablesen. Ein "krimineller Profi" verhält sich anders als ein seelisch labiler Täter (also: "seelisch instabil" und "labil" beschreibt beides das selbe und "gestört" kann ebenfalls das selbe beschreiben, da jemand, der in beschädigender Absicht eine Waffe zückt, definitiv eine "Störung" aufweist - nur ob die nun psychischer Natur oder sozialer bzw normaffiner Natur ist... das ist wieder ein Unterschied). Demzufolge sind auch die Strategien anders, es macht nen Unterschied, ob "Kooperation" deeskaliert, da die Funktion der Waffe darin liegt, meinen Widerstandswillen herabzusetzen, um ein Ziel materieller Natur zu erreichen. Oder ob die Waffe ein Werkzeug darstellt für eine Motivationslage, in der Kooperation mich noch mehr schädigen würde, da der Täter an mir irgendwelche destruktiven Neigungen ausleben will.
    Und ja: auch das ist schwierig.
    Die Menschen, die durch ihr Umfeld sehr viel mit Gewalt konfrontiert werden, entwickeln ein sehr feines Gespür für Gefahren. Auch "erfolgreiche" Einsatzkräfte haben diese "Straßenschläue" - und das ist ein Kritikpunkt an Trainingssimulationen: Wir sind ja alles ganz nette Typen. Können wir wirklich "reales" Täterverhalten simulieren? Diese ganzen Mikro-Details? Die Augenbewegungen? Die Wut bei Provokationen? Die Lust an Demütigung oder Verletzung? Wie reagiert denn ein Täter, der in kriminellem Milieu "groß" geworden ist, auf bestimmte Verhaltensweisen? Ist das wirklich real, was wir versuchen darzustellen?
    Das darf man nie vergessen.... wenn man sich schon mal drüber unterhalt ;-)


    Kritik 3: Einen Gegner der mich mit Schusswaffe bedroht muss ich auf jeden Fall bewusstlos ausknocken. Normal entwaffnen ist hier fatal zu wenig. Erst wenn er bewusstlos ausgeknockt ist bin ich sicher vor er weapon-repencht mich. Wie seht ihr das?
    Zu viel Hollywood sehe ich da. Sorry.
    Wenn man nem gewalttätigen Gegner die Waffe entreißt, wird der vor allem eins machen: laufen, was das Zeug hält!! Weil wenn der nämlich damit gerechnet hätte, dass du dem sein "Machtmittel" abnimmst, hätte der dich entweder nicht als Opfer ausgesucht, oder dich niemals nahe genug ran gelassen. So diese spektakulären Fights um die Knarre sind nicht so realistisch, weil das Gro der Täter so ziemlich alles gegen sich hat: Zeitverlust, Aufmerksamkeit erwecken, Fluchtweg... und zu dem: Wer kriminell denkt, wird davon ausgehen, dass jemand, der "überragende Skills" hat, diese auch zum Nachteil seines Gegners anwendet.. das ist aber auch der Haken:
    Die Waffe wieder abgenommen bekommt man dann, wenn man nach dem Entwaffnen dumm rumsteht oder sich wie ein netter Kerl benimmt und davon ausgeht, dass der "Fight" mit dieser Machtübertragung beendet ist... ;-) Und das ist gar nicht so ungewöhnlich.
    Weil: für den erfahrenen Gegner ist es deutlich erkennbar, ob du weißt was du tust (indem du zb die Waffe konsequent aufnimmst, dich in strategisch günstige Schussposition begiebst und dem Gegner einen "Fluchtweg" öffnest, damit du ihn nicht aus der Defensive erschießen musst) oder einfach nur ein überkandidelter Kampfsportler bist, der zwar seine Techniken beherrscht, aber nur innerhalb seines Szenarios denkt... und das heißt auch, indem man weiterhin bei der einfachen körperlichen Gewalt bleibt, obwohl situativ etwas ganz anderes geboten wäre.

    Kritik 4: Die Sicherheit dass ich überlebe habe ich bei Schusswaffenbedrohung erst durch ich knocke den Gegner bewusstlos aus. Meine Kritik: 2 weitere Gründe für diese Ansicht: Nie darauf verlassen okay jetzt hat meine Deeskalation + Entwaffnung 100 prozentig safegemacht, dass ich überlebe: Selbst als Profi: Tödlich unrealistisch: Am Allerfatalsten tödlich bei Bedrohung durch Schusswaffe und Schlimmerem. Wie seht ihr das?
    Sehe ich komplett anders.
    Der Versuch, nen gewaltbereiten Gegner "auszuknocken", ist per se ungefähr genauso riskant und gefährlich, wie mit einer Schusswaffe bedroht zu werden.
    Denn:
    BEDROHUNG heißt, da ist noch eine Menge Eskalationspotential offen. Wer bedroht, versucht seine Ziele zunächst (!) ohne tatsächliche Gewaltanwendung zu erreichen. Hab ich mich jetzt erfolgreich um die Waffe geprügelt, sind wir zwar schon mal auf der Basis körperlicher Gewalt - aber da hast du als Entwaffnender deine Überlegenheit schon sehr effektiv bewiesen (und das setzt immer die Angriffsbereitschaft herab, es sei denn, hier findet ein Kräftemessen statt.. ). Und die Waffe ist ja noch gar nicht eingesetzt worden (selbst wenn sich beim Entwaffnen ein Schuss lösen sollte). Es hängt jetzt auch irgendwo vom Gegner ab: flüchtet der, dann lass ihn um Gottes Willen laufen! Denn mehr kann der nicht "submissiv" handeln, wenn du der Aggressor wirst der dann aus überzogenem Sicherheitsbedürfnis nochmal nach legt, provozierst du einen Kampf, bei dem es nur noch ums nackte Überleben geht. Das ist dämlich... deine Sicherheit ist taktisches Verhalten und Ausnutzung von Überlegenheit.
    Hat man natürlich die Chance, "während" der Entwaffnung einen Kock-Out zu erzielen - Prima!! Alles richtig gemacht.
    Überleben ist kein Zufall. Das ist auch kein Produkt körperlicher Stärke oder hat nur mit Fight-Skills zu tun. Sondern ungefähr 95% "sinnvolles" Verhalten taktischer Natur...


    Beispiel A zu Kritik 4: Ich werde in einer Menschenmenge von einem Täter mit einer Schusswaffe bedroht. Mein Kritik: Bis Gegner bewusstlos ausgeknockt jede Sekunde Risiko, dass die Lage (doch noch) eskaliert, aufgrund von Verhalten der Menschenmenge um einen rum unkalkulierbar. Wie seht ihr das?
    Die Gefahr in diesem Szenario ist tatsächlich, dass der Täter extrem erregt (durch Unkalkulierbarkeit und räumliche Enge) sein wird und sehr viel daran setzen wird, einen aus der Menschenmenge heraus zu schaffen. Das öffnet zwar den Weg, durch Kooperation (mitgehen) den Täter etwas zu entspannen, birgt aber genau das selbe Risiko, dass sich in der typischen "crime-scene" um der Ecke die Anspannung in massiv schädigende Gewalt entläd, und zwar ohne dein Zutun. Also bist du relativ "sicher" in dem Zeitfenster, wo du den Täter aktiv darauf fokussieren kannst mit dir die Menschenmenge zu verlassen - aber danach gehörst du mit höchster Wahrscheinlichkeit der Katz. Also ist deine größte Chance eine saubere Entwaffnung in dem Zeitfenster, wo der Täter Erleichterung verspürt (da geht die Konzentration darauf die letzten Meter heil zu überwinden) und dem Punkt, wo ihr um die Ecke verschwindet ...


    Beispiel B zu Kritik 4: Mein Gegner kann ein Raubmörder sein der mich erst ausraubt und dann abknallt. Wie seht ihr das?
    Dein Gegner kann auch einen nervösen Zeigefinger haben und du dich dusslig verhalten.
    Die wenigsten "Raubmörder" sind "Raubmörder" aus Leidenschaft.
    Wenn jemand kriminelle Gewalt gegenüber Mitmenschen anwendet, kann man leider NIE sicher sein, dass derjenige im tiefsten Herzen ein netter Kerl ist, der das alles eigentlich gar nicht will. Aber die wenigsten sind wirklich kaltblütige Killer oder auch nur "Lusttäter", das findet man tatsächlich mehr im Bereich non-lethaler Körperverletzung.


    Die hier beschriebenen Strategien machen schon Sinn.
    Wenn jemand mit Gewalt droht, weil er von mir etwas "will" - dann gibt es raus und gut ist. Wenn du schlau warst, hattest du nichts dabei, was "weh" tut. In den meisten Fällen reicht es aus, um mit dem Schrecken davon zu kommen.
    Was ungefähr fünf mal mehr Sinn macht als Entwaffnungstechniken alleine für sich: Atmentechniken lernen, um runter zu fahren und einen klaren Kopf zu behalten.
    Und die Grenze, wo selbst ausgeübte Gewalt Sinn macht, liegt immer da, wo der Gegner ein Interesse an meinem Körper hat oder ein Ventil sucht - weil da geht es in lustbetonte Bereiche (Verletzen und Demütigen bereitet ja auch Lust) und da ist Kooperation aus Angst das Benzin, was eskalieren lässt.
    Und WENN man kämpft, dann sollte man innerlich die Bereitschaft haben, den Angreifer zu töten. Und da braucht man halt ne verdammt gute Selbstaktivierung. Weil unser "Problem" des Anstands ist, dass wir schon im Training und in der Simulation mehr Hemmung als Enthemmung lernen, weil wir anständig sind. Wir werden aber mit Typen konfrontiert, die ihr Leben darauf aufgebaut haben, sich zu enthemmen... und dieser Konflikt tritt halt im Ernstfall auf und nicht beim Mugging oder im Szenarientraining. Wir bekommen gar nicht die notwendige Intensität "auf die Straße", wenn wir im Geiste schon unser Handeln revidieren...
    Und es geht hier immerhin um Schusswaffen!

    Wobei ich Messerstecher für gefährlicher halte, weil die psychologischen Voraussetzungen für eine Messerattacke immens höher in einem pathogenen Bereich liegen, als der gleichwie geartete Einsatz einer Schusswaffe..


    Danke für die Fragestellung, das ist spannend

  11. #26
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    Nach längerer Zeit mal wieder ein lesenswerter Beitrag ...

  12. #27
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    Zitat Zitat von Niffel Beitrag anzeigen
    Ich hab auch nirgendwo weglaufen geschrieben, weil ich einfach davon ausgehe das das in dem Fall keine Option ist. Dein Punkt ist kein 4. fällt für mich unter 1. oder 2. jedenfalls Frau und Kind/Familie. Bei anderen Menschen muss ich sagen ist da keine Bindung vorhanden meinerseits, da würde ich eher darauf achten das diese Person zwischen mir und dem Täter steht. Da geht Eigenschutz vor und ich kann immer noch im Anschluss helfen.

    Bezüglich Familie:
    1. will er uns ausrauben.....lasse ich uns ausrauben
    2. Er bedroht uns so stark das ich zum Handeln gezwungen bin...dann muss ich Handeln egal was kommt
    Ein Freund eines Karateschülers von mir war in so einer Situation. Die Eindringliche hatten ihn und seine Frau gefesselt mit den Händen vorn und sie auf die Couch, zum hinsetzen gezwungen. Da könnte man auch erst annehmen, dass alles gut wird wenn man sie ohne Widerstand nehmen lässt, was die haben wollen. Dann gingen die Eindringlinge an zu besprechen, ob es nicht besser wäre, die beiden zu töten. Durch einen glücklichen Zufall hatte der Freund meines Schülers am Vortag beim Fernsehen seinen .357er geputzt, erst keinen Bock gehabt die wegzupacken und die unter die Couch geschoben. Ernst die beiden erschossen. Die hatten auch Pistolen. Das war in den Achtziger in Amerika. Bei uns werden Schusswaffen tatsächlich sehr selten benutzt. Wenn in Hamburg über das Jahr mehr als 20.000 Gewalttaten angezeigt wäre es schon extrem wenn in 200 Fällen Schüsse angegeben würden.

  13. #28
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    Danke, Willi


    @Lino

    Yep.
    Es ist ein Trugschluss, dass "gib denen das was was sie wollen" ein Garant für Überleben ist, das kommt wirklich auf die Situation an.
    Wo das gut "funktioniert" sind bei bandenmäßigen Geschichten auf offener Straße oder in Hotels, weil da das ganze Szenario viel weniger Potential hat - da treffen sich zwei "Gruppen" auf neutralem Boden, die Unterlegenen werden auf professionelle Art und Weise ausgeraubt und die Täter ziehen sich genauso schnell und professionell wieder zurück. Das entscheidende ist: die rechnen von vorne rein damit, Menschen zu überfallen, und legen sich die Situation so zurecht, dass sie bei Kooperation gar kein Grund für überzogene Gewalt haben.
    Dringen Täter in ein Haus ein, gehen die normalerweise davon aus, nicht "gestört" zu werden. Zudem hat das Eindringen in Wohnräume ein sehr intimer Charakter - sind die Einwohner Zuhause und es kommt zu einem Kontakt, ist das oft überraschend oder ungeplant. Oder die Täter sind so abgewichst, dass sie davon ausgehen Menschen "aus dem Weg zu räumen", die unter Umständen ihren höchstpersönlichen Lebensbereich verteidigen. Das Gewaltpotential ist einfach viel, viel höher, und es ist grade in Verbindung mit Wohnungseinbruch auch nicht ungewöhnlich, dass aus dem Raub ein Raubmord wird.

    Wir haben in Deutschland einfach nicht den engen Kontakt mit Schusswaffen. Klar - im Bereich organisierte Kriminalität oder im Millieu sind oft Schusswaffen im Spiel (die Fälle machen ja aber nicht grade den Großteil der Gewalttaten aus), ansonsten trifft man auf Waffeneinsätze eher im Bereich psychische Ausnahmesituationen und legaler Zugang zu Waffen.
    Auf der einen Seite ist das gut - auf der anderen Seite fehlt halt der realistische Erfahrungswert, der wirklich auf unsere Lebensumstände passt.

  14. #29
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    Zitat Zitat von Niffel Beitrag anzeigen
    Ich hab auch nirgendwo weglaufen geschrieben, weil ich einfach davon ausgehe das das in dem Fall keine Option ist.

    was halten die Experten von dieser Aussage?


    What are your survival odds if you ignore his command and flee?
    Most people don’t know that handguns are very difficult to shoot accurately beyond "point-blank range" of 0-3 feet, especially at a moving target. According to Sanford Strong, San Diego police tactical instructor and author of Strong on Defense, police officers in gun battles miss with 76 percent of "close-range" shots (3-9 feet); while criminals miss with 96 percent. Hollywood and TV distort reality.

    http://www.crime-safety-security.com...idnapping.html

  15. #30
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    @Pansapiens

    What are your survival odds if you ignore his command and flee?
    Most people don’t know that handguns are very difficult to shoot accurately beyond "point-blank range" of 0-3 feet, especially at a moving target. According to Sanford Strong, San Diego police tactical instructor and author of Strong on Defense, police officers in gun battles miss with 76 percent of "close-range" shots (3-9 feet); while criminals miss with 96 percent. Hollywood and TV distort reality.
    Ja und Nein.

    Hierzulande wäre ich mit der Aussage vorsichtiger, weil:
    Schusswaffen sind in Deutschland keine typische Waffe, die "jeder Kriminelle" hat - das bedeutet, wenn jemand eine Handfeuerwaffe (die Aussage bezieht sich ja auf Handfeuerwaffen im Speziellen) einsetzt, sind die Chancen deutlich höher, dass er sie benutzt, WEIL er damit umgehen kann. In den USA benutzt man Handfeuerwaffen oft, um Eindruck zu schinden - dazu gehört auch, dass man vorbei schießt. Klingt merkwürdig, ist aber ein bekanntes Phänomen und muss zb Soldaten und Polizeibeamten mühsamst abtrainiert werden.
    Close Range Shots bis etwa 3 Meter sind aus zwei Gründen schwierig:
    Schießtraining wird normalerweise zwischen 7-15 Meter austaxiert. Das ist ein Bereich, an dem die ballistische Projektilflugbahn relativ hoch ansteigt bzw ihren Höhepunkt findet (ich rede jetzt der Einfachkeit halber von 9x19mm, ist aber bei den gängigen Munitionstypen für Kurzfeuerwaffen ähnlich). Die Visierlinie auf absolute Nahdistanz (0-3 feet) und auf 25 Meter, was ohne Zusatzvisierung als Maximaldistanz für gezielte Schussabgabe gehandelt wird (technisch bedingt wären es 50 Meter) liegt auf einer Höhe, auf 15 Meter liegt die ballistische Kurve deutlich über der Visierlinie. Muss man jetzt unter Stress gezielt schießen und versucht diese ballistische Differenz "nach Gefühl" auszugleichen, hält man meist zu hoch an und schießt drüber oder verkantet. Das ist das große Manko bei Schusswaffenträger, die KEINE Spezialausbildung genießen: es fehlt das Gefühl für gezielte Schussabgabe in Nahbereichen, weil wenig Reflexschießen trainiert wird.
    Grund zwei:
    Emotionaler Stress. Weder Polizisten, noch die meisten (!) Kriminellen sind kaltblütige Killer. Die Amerikaner haben ein alltäglicheren Umgang mit Schusswaffen, deswegen ist auch die Fehlerquote "alltäglich" - bei uns ist es verschoben, da die Hemmschwelle für den Einsatz deutlich höher liegt, dafür aber auch konzentrierter geschossen wird. Das verschiebt das statistische Ergebnis (habe jetzt aber nichts konkretes vorliegen über die Trefferquote bei Nahdistanzschüssen hier, meine mich aber zu erinnern das Ergebnis sei deutlich besser durch die geringere Anzahl). Das ist Statistik. Die emotionale Komponente besagt einfach, dass ein Schusswaffe eine Distanzwaffe ist und die Hemmung in einem Bereich unterhalb 3-4 Metern sehr hoch ist, die verliert sich erst wieder bei einer Annäherung in die intime Individualdistanz (die bei Gewalttätern meist höher ist als bei "prosozialen" Personen). Diese Hemmung verursacht "serienmäßig" unbewusste Fahrkarten bei der willkürlichen Schussabgabe.

    Also:
    Ja, die Chancen liegen relativ hoch, bei Fluchtversuchen nicht getroffen zu werden.

    Nein, es ist keine Sicherheit, denn "Weglaufen" animiert zum Stressabbau durch hinterher schießen und ab 4 Meter verlässt man den Nahdistanzbereich - und da kann eine spontane Entladung aggressiver Impulse durch die vorhergehende Hemmung geschehen.


    Es gibt leider keine totsichere Anweisung, heil aus solchen Szenarien zu kommen - außer: halte deinen Allerwertesten aus der Schusslinie.

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