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Thema: Meinungen, Gedanken und Fragen zur zukünftigen Entwicklung

  1. #1
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    Standard Meinungen, Gedanken und Fragen zur zukünftigen Entwicklung

    Hallo zusammen,

    ausgelöst durch einige Diskussionen im „IMA-Forum“ der letzten paar Tage schwirrt mir eine Fragestellung im Kopf rum.
    Die folgt weiter unten. Der erste Teil sind eigentlich nur Splitter die mir zum Thema durch den Kopf gingen. Ich versuche mit dem einleitenden Teil auch Ordnung in meine Gedanken zu bringen.

    Disclaimer:
    Nichts von dem was ich hier schreibe hat irgendeinen Anspruch auf absolute Wahrheit – Es sind nur Gedanken und persönliche Rückschlüsse. Also zutiefst subjektive Ansichten.
    Das kann man zumeist auch ganz anders sehen und bestimmt auch sinnvoll begründen.

    Was ich zum Thema „IMA“ von mir gebe bezieht sich ausschließlich auf die Art „Yang-Family-TaiJi“, welches ich in der Schule, in der ich lerne, kennengelernt habe. Ansonsten werde ich das entsprechend kennzeichnen.

    Meine Gedankensplitter werde ich nicht verteidigen bzw. diskutieren, weil ich von deren „Richtigkeit“ nicht unbedingt überzeugt bin. Sie sind nur Meinungen. Das ist für mich genau so diskussionsunwürdig wie persönliche religiöse Ansichten.

    Ich werde mich in der Folge also relativ wenig einbringen. Soll heißen mich interessieren vor allem Ansichten und Meinungen, nicht was richtig oder falsch sei.

    Ich mag die „IMA“- / „EMA“- Unterteilung gar nicht. Aber sie ist zumindest aus meiner Sicht, zur Zeit eine sprachliche Konvention. Sie zu benutzen vereinfacht also, aus meiner Sicht, die Kommunikation.

    Da ich ein „Fan“ des „common sense“ bin, suche ich andere Sichtweisen, um meine eigenen zu relativieren oder zu festigen.

    Gedankensplitter:
    Persönlich denke ich, dass die Kampfkünste, ebenso wie vieles andere Änderungen und evolutionären Prozessen unterliegt.
    Für mich stellt sich das in kurz, in etwa so dar:

    Vor langer langer Zeit, also nicht in der Antike sondern zu der Zeit als wir noch als kleine Horden von 20-40 Individuen durch die Gegend zogen, nutzten wir Waffen in erster Linie für die Jagd.
    Die welche auf Jagd spezialisiert waren, sind aus meiner Sicht die gleichen, welche die eigene Gruppe im Kampf gegen andere Gruppen verteidigt, bzw. für diese „Krieg“ (Jagd auf andere Menschen) geführt haben.

    Im Laufe der Zeit wurden die Gruppen eventuell größer, wir wurden sesshafter, konnten uns stärker spezialisieren und haben neben Jägern, Bauern, Handwerkern und Künstlern auch Krieger hervorgebracht (z.B. um Land oder Ernten zu schützen). Diese Gruppe hatte, von der Gesellschaft getragen, mehr Zeit sich mit dem Training für den Krieg zu beschäftigen [es ist also schon viel Zeit vergangen. Ich sage mal ganz unexakt, dass es schon befestigt / gesicherte Dörfer (je nach Sichtweise Städte) und Landwirtschaft gab].
    Diese Menschen dürften neben ihren sonstigen Aufgaben schon einige Zeit mit spezifischem Training verbracht haben.
    Vermutlich haben sich diese Leute auch Gedanken darüber gemacht, welche Möglichkeiten sie haben, falls Ihnen aus welchen Gründen auch immer, keine Waffen zur Verfügung stehen.
    Meine persönliche Ansicht dazu ist, dass sie versucht haben die Bewegungen und Strategien (besser Taktiken) der Waffen auf „unbewaffnet“ zu übertragen.
    Ihre hauptsächliche „Trainingszeit“ dürfte dennoch im Waffentraining gelegen haben.

    Gedankensprung:
    Ringen ist aus meiner Sicht in zwei Hälften gespalten.
    Die älteste Form dürfte, mMn. im Ringen innerhalb der eigenen Gruppe gelegen haben. „Schlägereien“ oder Waffeneinsatz innerhalb dieser Gruppen hätten zu Verletzungen geführt, welche die kleine Gruppe (20-40 Individuen) zu stark belastet hätten. Jedes Individuum war für die Gruppe wichtig und hätte sonst gepflegt werden müssen. Man hätte dem Beutewild nicht mehr so leicht folgen können u.s.w..

    Die jüngere Form ist die eher „kriegerische“, das Ringen um die Waffe. Noch später (Antike) das „sportliche Ringen“ in einer stärker spezialisierten Gesellschaft. (Das ist dann schon sehr böse abgegangen inkl. Verletzungen welche für das Individuum verheerend sein konnten. - Jedoch nicht mehr für die Gesellschaft).

    Salto rückwärts:
    Aus dem Zusammenfließen dieser Komponenten haben sich dann, aus meiner Sicht die ersten „Stile“ gebildet, die sich vor allem in den letzten 150-200 Jahren immer weiter spezialisiert haben.
    Viele davon vor allem bei den „EMA's“ mit einer Spezialisierung auf den unbewaffneten Nah-kampf.
    In letzter Zeit kommt noch der MMA-Bereich hinzu in welchem sich zuerst verschiedene Stile (z.B. UFC) gemessen haben.
    Im Laufe der letzten 2 Jahrzehnte haben sich hier durch Selektion technische „Sets“ herausgebildet, welche für denn unbewaffneten Zweikampf besonders sinnvoll sind.
    Aus meiner Sicht bekommt jemand der für MMA-Wettkampf trainiert die SV-Fähigkeit nebenbei.
    Er muss also aus meiner Sicht kaum oder keine Änderung für die zivile SV vornehmen.

    Womit wir zu meinen mich umtreibenden Fragestellungen kommen:

    Ich sehe derzeit eine Tendenz (im Y-FTJ) zur Gesundheitspflege und Selbstkultivierung, die für mich so weit weg von KK oder KS ist, dass ich sie in dem Bereich praktisch nicht mehr sehen kann.

    Ich lese und höre da zum Teil ganz tolle Theorien, die darauf schließen lassen, dass jene Leute nie etwas mit Kampf zu tun hatten und das auch gar nicht wollen.

    Ähnlich wie ein Nerd, der zwar berechnen kann welcher Reibungskoeffizient mit wieviel eingesetzter Kraft, bei welcher Windrichtung und Stärke, den Ball unhaltbar in die linke Ecke des Tores bringt, aber auch bei drei Versuchen nicht einmal, den Ball auch nur trifft.
    (Disclaimer: Anwesende und Mitlesende natürlich ausgeschlossen. Ernsthaft, ich weiß es gibt noch welche die sind Topkämpfer, SV-Spezialisten, Ausbilder von Spezialeinheiten und so weiter. - Nur halt verschwindend wenige)

    Bedeutet dies, dass die Stile welche diesen Weg gehen sterben - oder ist das nur ein folgerichtige Entwicklung?
    Ich meine wie viele Menschen betreiben diesen Weg der „ Gesundheitspflege und Selbstkultivierung“? Geschätzt geht das wohl in die Millionen. Aus evolutionärer Sicht (möglichst starke Vervielfältigung und Verbreitung einer Art) absolut erfolgreich oder?

    Aus KK/KS-Sicht natürlich absolut verheerend. Aber was wäre die Alternative? In letzter Zeit wurde ganz häufig angeführt die tCMA wären nun mal Waffensysteme und deshalb im unbewaffneten Zweikampf den darauf spezialisierten Kämpfern und Stilen unterlegen.
    Macht Sinn in meinen Augen.
    Das Gegenargument ist, das dies völlig veraltet, und deswegen „sinnfrei“ sei. Wir können nicht mehr mit Speer / Säbel u.s.w. durch die Gegend rennen [Ähm, ich mach in erster Linie Kali, da ist das dank Panantukan, Sikaran („Prügeln/Kickboxen“) u.s.w. nicht so tragisch, aber auch da ist man in dem, auf was man sich spezialisiert besser als in den generalisierten Bereichen].

    Müsste also der Waffenbereich aufgegeben werden um im unbewaffneten Zweikampf „konkurrenzfähig“ zu sein?
    Zerstört das den Charakter der Kunst? Oder stört das „nur“ die Traditionspflege? Wie wichtig ist die Traditionspflege einer eigentlich „fremden“ Kultur?

    Was glaubt ihr also, wie geht das weiter? Ist eigentlich alles Tutti? Oder ganz schlimm? Oder irgendwo dazwischen?

    Ich mach dann mal den Anfang mit den Meinungen:

    Aus meiner Sicht ist alles in Ordnung. Gesundheits- und Lebenspflege mit Y-FTJ. Für den Rest gibt es andere, spezialisierte Systeme. Die sich aus meiner Sicht auch selten miteinander beißen.

    Waffentraining hat für mich andere Aspekte. Für mich ist die Waffe eher ein Trainingstool, um bestimmte Attribute (Kraft / Ausdauer / Reaktion / Timing / Aufmerksamkeit u.s.w.) herauszuarbeiten – Das geht auch anders, aber mir macht es so mehr Spaß. - Mit 50 hat man aber auch auf VK-WK keine Lust, dafür hat man ohne Wettkampfvorbereitung mehr Zeit für sowas oder auch eben für „Traditionspflege“.

    Liebe Grüße
    DatOlli

  2. #2
    Stephan Lahl Gast

    Standard

    Ich bleibe auch beim Fokus auf TJQ.

    Zitat Zitat von DatOlli Beitrag anzeigen
    Ich sehe derzeit eine Tendenz (im Y-FTJ) zur Gesundheitspflege und Selbstkultivierung, die für mich so weit weg von KK oder KS ist, dass ich sie in dem Bereich praktisch nicht mehr sehen kann.

    Ich lese und höre da zum Teil ganz tolle Theorien, die darauf schließen lassen, dass jene Leute nie etwas mit Kampf zu tun hatten und das auch gar nicht wollen.

    Ähnlich wie ein Nerd, der zwar berechnen kann welcher Reibungskoeffizient mit wieviel eingesetzter Kraft, bei welcher Windrichtung und Stärke, den Ball unhaltbar in die linke Ecke des Tores bringt, aber auch bei drei Versuchen nicht einmal, den Ball auch nur trifft.
    (...)
    Bedeutet dies, dass die Stile welche diesen Weg gehen sterben - oder ist das nur ein folgerichtige Entwicklung?

    Die Stile sterben. Die Gesundheitspflege dieser Traditionen beruht darauf, die Übenden auf das Überleben im Kampf vorzubereiten und das Weiterleben nach dem Kampf zu erleichtern. Lässt man die Auseinandersetzung mit Gewalt weg, fällt innerhalb von nur einer Lehrerebene schon das Wissen und die Erfahrung über die korrekte Ausführung der Bewegungen weg. Dann macht man eben nicht mehr die Übung sondern etwas anderes, das so ähnlich aussieht und hoffentlich noch ein paar Elemente des Originals beibehält. Diese Details sind den Schülern dann aber kaum noch beizubiegen, weil es keinen sichtbaren Grund mehr gibt, diese nun komplett unverständlichen Details zu beachten. Damit fällt dann aber auch der gesundheitspflegende Aspekt der Übungen weg, denn man macht ja eben nicht die Übungen sondern nur etwas ähnlich aussehendes. Das Medikament wird durch Globuli und Aberglauben ersetzt.


    Zitat Zitat von DatOlli Beitrag anzeigen
    Ich meine wie viele Menschen betreiben diesen Weg der „ Gesundheitspflege und Selbstkultivierung“? Geschätzt geht das wohl in die Millionen. Aus evolutionärer Sicht (möglichst starke Vervielfältigung und Verbreitung einer Art) absolut erfolgreich oder?
    Nein. Millionen Menschen machen etwas, das so aussieht als ob. Das ist nicht die Ausbreitung der Art sondern ihre Verdrängung durch eine andere Art, die ihr nur aus der Ferne betrachtet ähnlich sieht.

    Zitat Zitat von DatOlli Beitrag anzeigen
    Müsste also der Waffenbereich aufgegeben werden um im unbewaffneten Zweikampf „konkurrenzfähig“ zu sein?
    Zerstört das den Charakter der Kunst? Oder stört das „nur“ die Traditionspflege? Wie wichtig ist die Traditionspflege einer eigentlich „fremden“ Kultur?
    Wenn man die Übungen zum Kampf mit Klinge und Speer durch Übungen ersetzt, die auf waffenlose Prügeleien optimiert sind, macht man banalerweise andere Übungen.
    Dann zerstört man nicht den Charakter einer Kunst, sondern man tut etwas grundsätzlich anderes.
    Wenn man beim Biathlon die Skier durch Snowbikes und die Gewehre durch Dartpfeile ersetzt, ist das bestimmt ein spannender moderner Sport, aber eben nicht mehr Biathlon.
    Wenn ein Fechter die veralteten Degen und Fechtübungen weglegt und stattdessen möglichst optimal boxt, ist er kein Fechter mehr sondern ein Boxer.

    Schau Dir mal die Ringervideos aus dem Großen Rahmen Chen-Stil an, wo die Leute auf das ganze Trapping und Waffenzeug verzichten und direkt in die innige Umarmung gehen. Das hat mit dem Lehrplan des TJQ nichts mehr zu tun. Die Formen und Tuishou-Drills haben für diese Art des Ringens scheinbar null Relevanz.
    Und nun vergleiche mal diese Videos mit dem was richtige Ringer in diesen Situationen technisch alles drauf haben. Schau wie verarmt und ideenlos das Ringen der Chen-Leute dagegen aussieht.
    Wäre es nicht besser, klassischen Ringkampf zu lernen, wenn man waffenlos ringen will, statt fast alle Lehrinhalte des TJQ wegzuwerfen, um dann eine schlechte Parodie abzuliefern?
    Geändert von Stephan Lahl (16-08-2018 um 11:31 Uhr)

  3. #3
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    Zum Punkt ob alles super ist oder nicht, liegt wohl stark am eigenen Empfinden und was man will, wer Kämpfen lernen will wird über den desolaten Zustand in den CMA und speziell in den IMA schockiert sein.
    Wer was für die Bewegung und Gesundheit will findet ein reiches Füllhörn an Möglichkeiten.

    Persönlich habe ich den Eindruck, dass man in den CMA/IMA im Moment nicht genau weiß wohin man will.
    Man ist verwirrt durch das schlechte Abschneiden bei Vergleichen, es haben sich starke elitären Strukturen gebildet die einen Austausch fast unmöglich machen.
    Dadurch entstehen dann verstärkt Gesundheits oder Traditionsströmungen die eine Öffnung nach außen nicht nötig machen.
    Kämpferisch ist sowas verheerend und spannender Weise eher eine Entwicklung der letzten 100 Jahre wenn man sich diverse Überlieferung und Geschichten der verschiedenen Stile anschaut.

    Vergleichskämpfe sowie Austausch mit anderen schienen lange Zeit völlig normal. Wenn man sich die Geschichte anschaut war Sport und Kampf auch nie so stark getrennt wie heute.
    Ringen zur Körperertüchtigung und als sichere Trainingsmethode war in diversen Kulturen völlig normal.
    Genau so Turniere um seine Fähigkeiten zu testen oder Duelle jeglicher Art.
    Möglichkeiten sein Können zu zeigen gebe es mMn. also genug.
    Glaube aber nicht, dass sich da schnell was ändert, zu verkrustet sind die Strukturen. Glaube eher, dass die erst aussterben müssen und dann wird Rekonstruiert wie in den HEMA.
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  4. #4
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    Ergänzender Gedanke:
    Ich z.B. kam mal von den FMA und bin jetzt beim Y-TJ gelandet, und praktiziere das eine (TJ) heute aus Leidenschaft (SP Gesundheit), und das andere hin und wieder nochmal (SP auspowern). Beides IMHO aus einer bestimmten Perspektive eine wunderbare Ergänzung (so i.S.v. "One for me, one for you").

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass sowas auch schon früher der Fall war, dass also stilübergreifend "gearbeitet" wurde, "man" sich also einfach das geholt hat, was einem gefiel (bzw. was man überhaupt nur kennengelernt hat).
    Nur so eine Idee.
    HG Silverback * Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere. (Groucho Marx)

  5. #5
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    Nachtrag:

    Gern wird auch der Kampf auf Leben und Tod genannt.
    Daraus ergeben sich mMn. zwei Fragen?
    Waren die Chinesen die einzige Kultur die nicht in der Lage war Kampfsimulationen zu entwickeln um ein einigermaßen sicheres Üben der Anwendungen zu ermöglichen? Modern gesagt, Sparring?
    Zweitens, gab es nie waffenlose Auseinandersetzungen sondern hat man sich immer sofort bei einer Streiterei abgestochen?
    Ich bezweifel beides.
    Geändert von Maddin.G (16-08-2018 um 12:37 Uhr)
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  6. #6
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    Meine Gedankensplitter:

    Kampfsysteme stehen immer in einem kulturellen Kontext - für den sind sie auch passend. Und sie unterliegen historischen Veränderungen. Es ist hier im Board häufig üblich, sich einen bestimmten Punkt in der Geschichte von KK Systeme als Ideal auszusuchen, zum objektiv richtigen Ausgangspunkt aller Bewertungen zu erklären, Veränderung als negativ zu sehen und das dann mit allen möglichen Verrenkungen zu begründen, aber das bleibt letztlich eine unverbindliche persönliche Meinung. Mal ganz abgesehen davon dass wirklich gesicherte historische Kenntnisse über KK doch noch sehr spärlich sind, bzw. was so Themen wie Bewegung, Körperverständnis oder Mentalität angeht grundsätzlich methodisch sehr schwierig, schon für die eigene Kultur, geschweige denn eine fremde.

    Wenn heute tausende Leute Gesundheits-Taiji und Selbsterfahrungs-Aikido machen haben die allein dadurch schon definiert, worum es geht, und alles Wortgezappel hier ist eher eine Art Selbstvergewisserung weniger, die es gern anders hätten. Ist ja nicht so, dass von den ersteren viele mitlesen und dann ihre Meinung ändern.

    Ob man "zivilie Bewegungs-Massensysteme mit KK Ursprung" dann noch kämpfen nennt oder nicht finde ich persönlich eine eher langweilige Benennungsfrage.

  7. #7
    Stephan Lahl Gast

    Standard

    Zitat Zitat von aikibunny Beitrag anzeigen
    Wenn heute tausende Leute Gesundheits-Taiji und Selbsterfahrungs-Aikido machen haben die allein dadurch schon definiert, worum es geht, und alles Wortgezappel hier ist eher eine Art Selbstvergewisserung weniger, die es gern anders hätten. Ist ja nicht so, dass von den ersteren viele mitlesen und dann ihre Meinung ändern.
    Auch wenn sich Tausende Insulaner Kokosnüsse über die Ohren stülpen und mit Bananen reden wird daraus kein Funkbetrieb und keine Flughafenlogistik. Zuckerkügelchen sind keine Arznei, Pendelorakel sind keine Diagnose und mit Gebeten kann man NICHT das Wetter beeinflussen. Und ebenso sind leere falsch nachgeahmte Formen auch kein "Gesundheits-Taichi", auch wenn Scharlatane das Millionen Menschen täglich einreden.

  8. #8
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    Standard

    Erst mal Danke.

    Eine Rückfrage hätte ich @Stephan Lahl.
    Meinst Du einen Gesundheitsaspekt der über einen "physiotherapeutischen" hinweg geht? Also eher in Richtung TCM?
    Ich frage, weil sich meine "Schulterproblematik" mittlerweile stark verbessert hat. - Und mein "TJ-Lehrer" ist von Kampf soweit entfernt wie eine Kuh vom fliegen (nicht von Fliegen).

    Liebe Grüße
    DatOlli
    Geändert von DatOlli (16-08-2018 um 12:59 Uhr)

  9. #9
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    Wenn man die Bewegungen der Form gut kennt, weil man sie schon ein paar hundertmal gemacht hat, könnte man doch versuchen, anhand von Büchern und in Partnerübungen herauszufinden, wie die Anwendungen gemeint sind.
    (Ich wollte das immer mal machen, aber es hat sich auch nach 10 Jahren nicht die Gelegenheit dazu ergeben.)
    Insofern muß ein Stil nicht "sterben", letztlich sind die Anwendungen auch keine Raketenwissenschaft.

    In der Selbstverteidigung würde ich primär sowieso Waffen einsetzen, wobei die KK aber nützlich ist, um die Fertigkeiten damit zu entwickeln.
    Im Krieg fliegen einem Kugeln um die Ohren: D-Day, Landungsboot: Klappe geht runter, MG-Salven treffen die Soldaten. Was will man da noch trainieren?

  10. #10
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    Zitat Zitat von Stephan Lahl Beitrag anzeigen
    Auch wenn sich Tausende Insulaner Kokosnüsse über die Ohren stülpen und mit Bananen reden wird daraus kein Funkbetrieb und keine Flughafenlogistik. Zuckerkügelchen sind keine Arznei, Pendelorakel sind keine Diagnose und mit Gebeten kann man NICHT das Wetter beeinflussen. Und ebenso sind leere falsch nachgeahmte Formen auch kein "Gesundheits-Taichi", auch wenn Scharlatane das Millionen Menschen täglich einreden.
    Genau so wenig ist man ein Pilot wenn man sich in ein Cockpit setzt und so tut als ob man fliegt.
    Man hat schlicht mal ein Cockpit von Innen gesehen.
    Leute die drüber philosophieren, dass früher alles härter war sind genau so ein Sargnagel und wohl auch so nahe dran am Original wie die Gesundheitsfraktion.
    Geändert von Maddin.G (16-08-2018 um 13:07 Uhr)
    I'm here to kick ass and chew bubblegum and I'm all out of bubblegum.

  11. #11
    Stephan Lahl Gast

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    Zitat Zitat von DatOlli Beitrag anzeigen
    Erst mal Danke.

    Eine Rückfrage hätte ich @Stephan Lahl.
    Meinst Du einen Gesundheitsaspekt der über einen "physiotherapeutischen" hinweg geht? Also eher in Richtung TCM?
    Da wird einem das Blaue vom Himmel versprochen. Ich bin da sehr skeptisch, weil ich noch aus der DDR-Schule weiß, daß man jeden Blödsinn irgendwie als ganz besonders notwendig für Frieden und Sozialismus rechtfertigen musste.
    Die CMA sind zumindestens in China seit langem unter so einem Rechtfertigungsdruck. Da blühen dann die Heilsversprechen.

    Zitat Zitat von DatOlli Beitrag anzeigen
    Ich frage, weil sich meine "Schulterproblematik" mittlerweile stark verbessert hat. - Und mein Lehrer ist von Kampf soweit entfernt wie eine Kuh vom fliegen (nicht von Fliegen).
    Das hättest Du ohne Formenlernen mit einer abgestimmten Gymnastik leichter und schneller hingekriegt. Es ist nicht nötig, die Mechanik von Meidbewegungen, Trapping, Wurfeingängen, Hebeln, etc. nachzuahmen, um das Schultergelenk zu lockern.

  12. #12
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    Zitat Zitat von Eistee Beitrag anzeigen
    Wenn man die Bewegungen der Form gut kennt, weil man sie schon ein paar hundertmal gemacht hat, könnte man doch versuchen, anhand von Büchern und in Partnerübungen herauszufinden, wie die Anwendungen gemeint sind.
    Will nicht behaupten das wäre unmöglich. Ich halte es nur für sehr unwahrscheinlich. Ich könnte die "Lange Yang-Form" mit jeder Menge bewaffneter und unbewaffneter Anwendungen "füllen". Ich habe aber ganz erhebliche Zweifel, das es sich dann überhaupt noch um TJQ geschweige denn den Yang-Stil handeln würde.
    Die Anwendungen, welche ich bisher in Büchern finden konnte, haben sich übrigens von Autor zu teilweise erheblich unterschieden.
    Da denke ich ganz ähnlich wie "Stephan Lahl". Weg ist leider weg.
    Gibt ja auch noch die Ansicht, die Form sei eine "Prinzipiensammlung". Dann könnte man sie beliebig füllen, solange man sich an die "Prinzipien" (allein das was diese Prinzipien sind wäre einen eigenen Thread wert) hält.
    Ich persönlich halte das für eine Ausrede weil die eigentlichen Anwendungsinhalte nicht mehr greifbar sind. Aber wer weiss.

    Liebe Grüße
    DatOlli

  13. #13
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    Die Frage ist halt, wäre das den so schlimm?
    Ich folge halt eher der Maxime, was funktioniert ist richtig.
    Egal wie traditionell verbürgt das ist.
    Und sollte nicht dein Buch Beispiel zu denken geben?
    Wenn schon die Autoren sich nicht einig waren dann waren die Anwendungen vl. nicht so griffig und klar deklariert wie sich viele das heute denken.
    I'm here to kick ass and chew bubblegum and I'm all out of bubblegum.

  14. #14
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    Zitat Zitat von Stephan Lahl Beitrag anzeigen
    Das hättest Du ohne Formenlernen mit einer abgestimmten Gymnastik leichter und schneller hingekriegt. Es ist nicht nötig, die Mechanik von Meidbewegungen, Trapping, Wurfeingängen, Hebeln, etc. nachzuahmen, um das Schultergelenk zu lockern.
    Jein. Meine Frau ist Physio. Scheinbar klappt "Formenlaufen" bei mir wesentlich regelmäßiger und damit auch besser. Aber du hast schon recht, das könnte in meiner Persönlichkeit liegen und nicht in der Form.
    Ja, der Druck ist da schon lange sehr hoch (Chin Woo Athletic Association, Volksgesundheit...).

    Liebe Grüße
    DatOlli

  15. #15
    Stephan Lahl Gast

    Standard

    Zitat Zitat von DatOlli Beitrag anzeigen
    Will nicht behaupten das wäre unmöglich. Ich halte es nur für sehr unwahrscheinlich. Ich könnte die "Lange Yang-Form" mit jeder Menge bewaffneter und unbewaffneter Anwendungen "füllen". Ich habe aber ganz erhebliche Zweifel, das es sich dann überhaupt noch um TJQ geschweige denn den Yang-Stil handeln würde.
    Die Anwendungen, welche ich bisher in Büchern finden konnte, haben sich übrigens von Autor zu teilweise erheblich unterschieden.
    Es gibt für jedes Element der Form mehrere Anwendungen. Manche sehen relativ einfach aus und eignen sich für Anfänger, bei anderen muß man die Lehrinhalte (Prinzipien) des Elements schon sehr gut umsetzen können. Wenn man den Inhalt ausreichend verstanden hat, kann man auch neue Anwendungen kreieren. Dann sollte man aber auch die entsprechende Kampferfahrung haben, damit man keine Phantasietechniken baut.
    Und natürlich gibt es viele Leute, die selbst die Form nur oberflächlich und ohne Anwendungen gelernt haben und sich dann halt als Lückenfüller irgendwas zu den Bewegungen einfallen lassen.

    Zitat Zitat von DatOlli Beitrag anzeigen
    Gibt ja auch noch die Ansicht, die Form sei eine "Prinzipiensammlung". Dann könnte man sie beliebig füllen, solange man sich an die "Prinzipien" (allein das was diese Prinzipien sind wäre einen eigenen Thread wert) hält.
    Das stimmt auch. Aber zur Vermittlung der Prinzipien benötigt man eben wieder die Anwendungen. Es ist ja deren Funktionsprinzip, das vermittelt werden soll. Und erst durch das Training der Anwendungen bemerkt man, ob und wie weit man die Bewegung verstanden hat.
    Es ist also zumindestens im TJQ sehr unwahrscheinlich, daß jemand die Prinzipien seiner Form überhaupt kennt, wenn er sie nicht anhand ihrer Anwendungen vom Lehrer aufgeschlüsselt bekommen hat.
    Eigene Anwendungsideen sind legitim und lustig und interessant, können aber dieses Defizit natürlich nicht ausbügeln.

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