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Thema: Aggression, Gewalt und SV

  1. #1
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    Standard Aggression, Gewalt und SV

    In der "Zeit" wurde diese Woche ein sehr interessanter Artikel über Aggression veröffentlicht:

    https://www.zeit.de/2018/49/maennlic...hlechterrollen

    Momentan ist der Artikel leider als gebührenpflichtig gesperrt, aber das ändert sich hoffentlich in ein paar Tagen wieder.

    Folgende Zahlen (in Bezug auf das Jahr 2017 in Deutschland) aus dem Artikel finde ich besonders bemerkenswert:

    • 66.820mal wurden Frauen Opfer einer einfachen Körperverletzung durch den Partner
    • 10.407mal wurden Frauen Opfer einer gefährlichen Körperverletzung durch den Partner
    • 147 Frauen wurden von ihrem (Ex-)Partner getötet


    In dem Artikel selbst geht es im wesentlichen um den Unterschied zwischen Aggression der Männer und der Frauen. Ich finde aber ebenfalls die puren Zahlen schockierend und interessant, insbesondere auch in Hinblick auf die häufige Diskussion über Sinn oder Unsinn von SV-Kursen.

    Wie ich immer wieder von Polizisten höre, gibt der größte Teil (>60%) der Täter direkt bei der ersten Gegenwehr auf. Aber wie muss diese Gegenwehr aussehen? Muss das unbedingt durch viele Jahre geübte, automatisierte Technikrafinesse sein, oder tut es unter Umständen auch ein überzeugtes und hoffentlich überzeugendes "NEIN!", eventuell gepaart mit einfachen Abwehrbewegungen?

    Ich will auf keinen Fall die Sinnhaftigkeit eines regelmäßigen SV-Trainings in Frage stellen. Andererseits möchte ich auch nicht die immer wieder angebotenen SV-Kurse als komplett sinnlos anerkennen. Oftmals könnte es reichen, dass sich eine Frau durch einen kurzen Lehrgang darüber bewusst wird, dass sie sich wehren darf und kann. Und wenn sie es tut, reicht es vielleicht, um das eine oder andere Würstchen der oben genannten Täter von ersten oder weiteren Tätlichkeiten abzuhalten. Ohne es validieren zu können, kann ich mir auch kaum vorstellen, dass die meisten der ca. 77.000 Täter dem Bild des ausgebildeten und erfahrenen Kämpfers entsprechen.

    Übrigens nochmals zur Veranschaulichung (aus dem Zeit-Artikel übernommen): In Deutschland wird quasi jeden Montag, Donnerstag und Sonntag eine Frau von ihrem Partner umgebracht. Unglaublich!

  2. #2
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    Zitat Zitat von ainuke Beitrag anzeigen
    Übrigens nochmals zur Veranschaulichung (aus dem Zeit-Artikel übernommen): In Deutschland wird quasi jeden Montag, Donnerstag und Sonntag eine Frau von ihrem Partner umgebracht. Unglaublich!
    Sonntag geht so?

    .. und wie kommst du auf 77000?

  3. #3
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    Zitat Zitat von Bücherwurm Beitrag anzeigen
    .. und wie kommst du auf 77000?
    Ich habe einfach die 66.800 und die anderen 10.400 und ein paar Zerquetschte zusammengezählt. Ob die Zahl der Täter gleich der Zahl der Personen ist, kann ich aus dem Artikel nicht erkennen. Bei diesen Würstchen können durchaus aus Mehrfachtäter dabei sein.

  4. #4
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    Zitat Zitat von ainuke Beitrag anzeigen
    Bei diesen Würstchen können durchaus aus Mehrfachtäter dabei sein.
    Eben.

    Zudem ist mein Eindruck, dass das nicht ein Problem der Selbstverteidigung ist, sondern ein psychologisches und in noch weiterem Sinne ein gesellschaftliches.

  5. #5
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    ... aber auch wenn es nicht der 'Partner' oder der 'Ex' sind, die da gewalttätig werden,
    ist es schon eine interessante Frage, ob Frauen von einer anderen Art der Aggression betroffen sind als Männer ...
    Geändert von Hafis (01-12-2018 um 16:41 Uhr)
    Alles, was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch. (Descartes)
    Life is complex. It has real and imaginary components. (Rich Rosen)

  6. #6
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    Zitat Zitat von Bücherwurm Beitrag anzeigen
    Eben.

    Zudem ist mein Eindruck, dass das nicht ein Problem der Selbstverteidigung ist, sondern ein psychologisches und in noch weiterem Sinne ein gesellschaftliches.
    Ich denke auch, dass das zum großen Teil ein psychologisches und gesellschaftliches Problem ist. Andererseits wäre Selbstverteidigung (Selbstbehauptung) im einen oder anderen Fall vielleicht möglich.

  7. #7
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    Zitat Zitat von Hafis Beitrag anzeigen
    ... aber auch wenn es nicht der 'Partner' oder der 'Ex' sind, die da gewalttätig werden,
    ist es schon eine interessante Frage, ob Frauen von einer anderen Art der Aggression betroffen sind als Männer ...
    Falls der Artikel nicht bald freigeschaltet wird, werde ich eine kurze Zusammenfassung schreiben.

  8. #8
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    Zitat Zitat von ainuke Beitrag anzeigen
    In der "Zeit" wurde diese Woche ein sehr interessanter Artikel über Aggression veröffentlicht:

    https://www.zeit.de/2018/49/maennlic...hlechterrollen

    Momentan ist der Artikel leider als gebührenpflichtig gesperrt, aber das ändert sich hoffentlich in ein paar Tagen wieder.

    Folgende Zahlen (in Bezug auf das Jahr 2017 in Deutschland) aus dem Artikel finde ich besonders bemerkenswert:

    • 66.820mal wurden Frauen Opfer einer einfachen Körperverletzung durch den Partner
    • 10.407mal wurden Frauen Opfer einer gefährlichen Körperverletzung durch den Partner
    • 147 Frauen wurden von ihrem (Ex-)Partner getötet


    [....]
    Wie ich immer wieder von Polizisten höre, gibt der größte Teil (>60%) der Täter direkt bei der ersten Gegenwehr auf. Aber wie muss diese Gegenwehr aussehen? Muss das unbedingt durch viele Jahre geübte, automatisierte Technikrafinesse sein, oder tut es unter Umständen auch ein überzeugtes und hoffentlich überzeugendes "NEIN!", eventuell gepaart mit einfachen Abwehrbewegungen?
    Nei häuslicher Gewalt / Gewalt durch (Ex-)Partner?
    Ich glaube nicht, dass das so einfach ist.

  9. #9
    Gast Gast

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    i
    Geändert von Gast (07-12-2018 um 23:25 Uhr) Grund: Löschung Account

  10. #10
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    Zitat Zitat von DU30 Beitrag anzeigen
    ich frage mich nur, welcher Polizist verläßlich sagen kann, dass über 60% der Agressoren bei der ersten Gegenwehr aufhören?! Im Regelfall nehmen Vollzugsbeamte ja nur die Fälle auf, die zur Anzeige gebracht werden und zur Anzeige werden, in der Regel, nur vollendete Taten gebracht und auch davon nur ein undefinierter Anteil der Straftaten.
    Das es Dunkelziffern gibt ist klar.

    Aber warum sollten verhinderte Taten in der Reegl nicht angezeigt werden?
    Mal angenommen ich das Glück und konnte mich gegen jemanden wehren, der mich gerade ausrauben, entführen, zusammenschlagen, ... wollte - ich würde doch ohne zu zögern dennoch Anzeige erstatten.

    Bei häuslicher Gewalt sieht das ja leider noch anders aus (danke an die Gesellschaft, sowas immer noch nicht Ernst genug zu nehmen), aber da ist die Dunkelzimmer sicherlich auch widerlich hoch.

  11. #11
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    Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
    Ich glaube nicht, dass das so einfach ist.
    Ich gehe nicht davon aus, dass es einfach ist. Aber unmöglich muss es auch ich sein. Wie oben bereits erwähnt, ist das oft ein psychologisches Problem. Viele misshandelte Frauen gehen ja zur Polizei und ziehen dann die Anzeige zurück.

    Zitat Zitat von DU30 Beitrag anzeigen
    ich frage mich nur, welcher Polizist verläßlich sagen kann, dass über 60% der Agressoren bei der ersten Gegenwehr aufhören?! Im Regelfall nehmen Vollzugsbeamte ja nur die Fälle auf, die zur Anzeige gebracht werden und zur Anzeige werden, in der Regel, nur vollendete Taten gebracht und auch davon nur ein undefinierter Anteil der Straftaten.
    Ob diese Zahl wissenschaftlich belegbar ist, weiß ich nicht. Ehrlich gesagt, halte ich es in diesem Zusammenhang auch für unerheblich, ob es 30%, 50% oder 60% sind. Die einheitlichen Aussagen, welche ich über viele Jahre von erfahrenen Polizisten (Kripo, SEK, Bereitschaft, Bundespolizei, ...) höre, sind auf jeden Fall gleichlautend: Es lohnt sich, sich zu wehren!

  12. #12
    Gast Gast

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    .
    Geändert von Gast (07-12-2018 um 23:26 Uhr) Grund: Löschung Account

  13. #13
    Gast Gast

    Standard

    .
    Geändert von Gast (07-12-2018 um 23:26 Uhr) Grund: Löschung Account

  14. #14
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    Zitat Zitat von DU30 Beitrag anzeigen
    mal angenommen, da liegt der Grund begraben. Wenn die Leute nicht zu schaden kommen, dann wird in der Regel noch seltener angezeigt, als es das schon getan wird, wenn man zu Schaden kommt.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass die Leute nicht zu Schaden kommen, ohne sich irgendwie zu wehren, ist doch eher gering, vermute ich. Warum sollten denn sonst die Täter ihr Vorhaben nicht umsetzen. Das legt doch den Gedanken nahe, dass sich das Wehren oftmals lohnt, oder nicht? Ansonsten wäre doch mehr passiert, auch wenn davon wiederum ein Teil angezeigt würde.

    Zitat Zitat von DU30 Beitrag anzeigen
    Oder glaubst du ernsthaft, dass jede Körperverletzung angezeigt wird. Von daher sind solche Prozentangaben absolut nichtssagend, sie können höchstens eine subjektive Tendenz aufzeigen.
    Es wird sicher nicht jede Körperverletzung angezeigt. Aber selbst eine subjektive Tendenzaussage von Profis, die sich jeden Tag mit diesem Thema beschäftigen, muss nicht unbedingt "absolut nichtssagend" sein.

  15. #15
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    Zitat Zitat von DU30 Beitrag anzeigen
    @ainuke, erstaunlich, dass du aus allen Bereichen Leute kennst, wo vor allem MEK, SEK usw. sich normalerweise äußerst bedeckt halten und nur das engste Umfeld von Ihrer Tätigkeit wissen lasswn. Was ein SEK oder MEK Beamter aber mit KV Straftaten, die keine wirklichen waren und enstprechenden Statistiken zu tun hat, das erschließt sich mir nicht. Die haben, in der Regel, ein leicht differenziertes Aufgabengebiet.
    Du wirst es kaum glauben, aber ich trainiere und spreche regelmäßig mit diesen Leuten. Und einige von ihnen beschäftigen sich explizit mit der dazugehörigen Statistik (Wie oft werden inzwischen Rettungskräfte beim Einsatz angegriffen? Welche Waffen werden bei häuslicher Gewalt eingesetzt? etc.).

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