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Thema: Gewaltlosigkeit und die Entschärfung der Gewalt durch Ventilfunktionen

  1. #46
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    Carl Sagan hat mal gesagt: "If you wish to make an apple pie from scratch, you must first invent the universe."

    Damit war afaik halt gemeint, dass das Konzept eines Kuchens Implikationen hat. Ein Apfelkuchen braucht Äpfel, Äpfel wachsen auf Apfelbäumen, Apfelbäume brauchen Wasser, Sonnenlicht, Erde, und so weiter. Ohne Raumdimensionen, ohne die Progression linear mit einander verbundener Ereignisse kein Apfelkuchen. Ich denke halt, dass das Leid, und die körperliche Gewalt, einer der vielen Faktoren ist die sich zwangsläufig ergeben -müssen- wenn man die Bedingungen schafft, die einen Apfelkuchen erst ermöglichen.

    Mein Argument wäre hier, dass wenn man das Leid aus dem Leben streichen würde, wenn man zwangsläufig auch andere Dinge aus dem Leben streichen müsse. Darunter auch viele schöne Dinge. Hier stellt sich dann eigentlich nur die Frage, ob der Apfelkuchen als Metapher all das Leid am Ende Wert ist. In dem Sinne ist für mich die Gewaltlosigkeit als ein vermeintliches bzw. erstrebenswertes Universalprinzip naiv und vielleicht sogar selber lebensverneinend, weil das Leben wie wir es kennen ohne Leid nicht möglich ist. Wie gesagt, im Endeffekt wohl auch harte Pazifisten Gewaltlosigkeit nur in einem sehr speziellen Kontext meinen.
    Geändert von oxox (30-07-2019 um 15:43 Uhr)

  2. #47
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    Du gibst Dir wirklich Mühe Deine Vorstellung von Gewaltlosigkeit zu erläutern.

    =oxox;3701852]Schwierig in Worte zu fassen. Ein gewaltloser Mensch würde kein Leid gegen den Willen bewusster Lebewesen verursachen und hätte auch keinen Drang dazu. Er würde keine Schmerzen verursachen, niemanden missbrauchen, oder ausnutzen und dadurch keinen Schaden verursachen. Er würde alle so lassen wie sie sind und sich nicht wehren falls er selber angegriffen wird. Er wäre nicht gierig, nicht hasserfüllt, aber vielleicht ein bisschen ignorant.
    Wenn ich die Mutter fragen würde, die mit ihrem Sohn ins Gleisbett gestoßen wurde. Sie überlebte, ihr Kind starb.
    Würde ich nicht erwarten, daß sie dem Täter verzeihen kann.

    Ein Mensch der wirklich gewaltlos leben will, der ist ein Opfer.
    In unserer Gesellschaft ist nicht immer ein Sicherheitsmitarbeiter, ein Polizeibeamter sofort erreichbar.
    Dann finde ich es es unfair, wenn ich alle Probleme auf andere Menschen abwälzen will.

    Du mußt es einfach akzeptieren, in unserem Leben wird es immer Gewalt geben.
    Schon im Kindergarten gab es kleinere Machtkämpfe.
    Das ging in der Schule weiter. Nur wer gelernt hat sich durchzusetzen, sich zu verteidigen kann vermeiden ein Opfer zu werden.

    Lies in der Tageszeitung, sieh Dir die Nachrichten an.
    Oder besuche ein Fußballspiel, selbst im Freibad, .. Gewalt wirst Du öfters finden als Dir lieb ist.

    Gewaltlosigkeit ist ein Traum.

  3. #48
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    Zitat Zitat von step-by Beitrag anzeigen
    Wenn ich die Mutter fragen würde, die mit ihrem Sohn ins Gleisbett gestoßen wurde. Sie überlebte, ihr Kind starb.
    Würde ich nicht erwarten, daß sie dem Täter verzeihen kann.
    Kommt halt drauf an. Jetzt vielleicht nicht, aber ich kann mir schon jemanden mit extremer Empathiefähigkeit vorstellen, der das Leid so einer Person erkennen und mitfühlen könnte. Wie kaputt muss man sein um so etwas zu tun? Sollte derjenige echte Reue zeigen wäre es für mich schon schwierig an meinem Groll festzuhalten. Klar, ich kann mir nicht vorstellen wie schlimm es wäre ein Kind zu verlieren, aber wenigstens im Bezug auf mich selber. Wäre ich halt so ein Geist und würde über seine Schulter gucken, würde ich denken der arme Teufel hat sein eigenes Leben weggeschmissen. Und für was eigentlich?

    Zitat Zitat von step-by Beitrag anzeigen
    Ein Mensch der wirklich gewaltlos leben will, der ist ein Opfer.
    In unserer Gesellschaft ist nicht immer ein Sicherheitsmitarbeiter, ein Polizeibeamter sofort erreichbar.
    Dann finde ich es es unfair, wenn ich alle Probleme auf andere Menschen abwälzen will.
    Ist nicht meine Meinung aber im Taoismus gibt es das Bild des Weisen, der sich mit den Kräften des Universums harmonisiert und deswegen von Schaden frei bleibt. Da taucht dann ein Alter in den Strudel ein und kämpft nicht dagegen an, um dann an anderer Stelle schadlos wieder ausgespuckt zu werden. Ich glaube Gewaltfreiheit ist kein Grundgebot dort, aber Gewalt wird glaube ich als vermeidbar erachtet. Ich meine, wenn ich an nichts klebe und gleichzeitig nichts besitze was du mir wegnehmen wollen würdest, warum Gewalt gegen mich ausüben? Ein anderes Bild ist da dann das Bild eines knorrigen alten Baums, der zu nichts zu gebrauchen ist und deswegen dann alt wird, weil das Fällen nicht die Arbeit wert ist. Oder halt der Krüppel der nicht in die Armee eingezogen wird, weil er als Soldat nicht zu gebrauchen ist.

    Wie gesagt, nicht unbedingt meine Meinung. Wobei ich auch kein Experte für den Taoismus bin, also was falsch verstanden haben könnte.

  4. #49
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    Zitat Zitat von oxox Beitrag anzeigen
    Wie kaputt muss man sein um so etwas zu tun?
    Der Mann hat wohl schwere psychische Probleme und war schon polizeibekannt, er wurde von den Schweizer Behörden schon national gesucht.

    Zitat Zitat von oxox Beitrag anzeigen
    Ich meine, wenn ich an nichts klebe und gleichzeitig nichts besitze was du mir wegnehmen wollen würdest, warum Gewalt gegen mich ausüben?
    Dein oben genanntes Beispiel beantwortet die Frage. Der getötete Junge hatte dem Mann keinen rationalen Grund geliefert, ihn zu töten - und ist trotzdem tot.

  5. #50
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    Zitat Zitat von step-by Beitrag anzeigen
    ...
    Gewaltlosigkeit ist ein Traum.
    Es gehört zu diesen gar nicht mal modernen Utopien, die allgemein wieder Blüten treiben. "Wenn wir alle richtig wollen, klappt das". Der Triumph des Willens über die Realität, bzw ein kollektiver Wille der Realität wird. Findet sich in anderer Form übrigens in Schwarten aus dem Ersten Weltkrieg.
    Das Dumme gerade bei der Gewalt ist eben, die entsteht da wo sie als Mittel dem Zweck dienlich ist (prosaisch ausgedrückt im unverwechselbaren "Schnauze, gib handy").
    Gewaltlosigkeit setzt eben einen Rahmen voraus, in dem sich Gewalt keinesfalls lohnt. Hab das erlebt, solide kulturschaffende bürgerliche Famile. Der Vorstand kommt mit sich nicht klar und reagiert das an seiner Frau und den Töchtern ab, macht ihnen jahrelang das Leben zur Hölle. Natürlich immer nur wenns sonst keiner mitkriegt. Nach außen die perfekte Idylle, in der alle die Nase rümpfen über profane Gewaltaffinität.

    Das Problem bei so ner Konstellation ist, wie man den Opfern überhaupt klar macht dass das schnöde Gewalt ist, die ganz opportunistisch den Weg des geringsten Widerstands geht, und dass die einzige Lösung darin besteht, den Preis dafür hoch zu treiben. Wie auch immer.
    Volenti non fit iniuria

  6. #51
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    Zitat Zitat von Fry_ Beitrag anzeigen
    "Wenn wir alle richtig wollen, klappt das"

    "Wollt ihr den totalen Krieg?" rief da einstmals einer. Nun, sie wollten. Und es klappte.

    Bei Gewaltosigkeit ist es anders. Ein derartige Ruf wuerde nie erfolgen, und es wuerde auch sowieso nicht klappen. Liegt in der Natur der Sache.

    Aber darum gehts ja auch nicht. Gewaltlosigkeit ist ein individuelle, zivilgesellschaftliche Aufgabe - in einer Gesellschaft, die nie ohne Gewalt (koerperlich, verbal und sonstwie subtil) sein wird. Und diese Gewalt richtet sich auch gegen Pazifisten, weil sie Pazifisten sind.

    Der "gemeine" Pazifist ist in der Gesellschaft fuer viele eine Lachnummer. Inzwischen gibt's das populistische Schimpfwort "Gutmensch" dafuer. Ein Wort, das gesellschafliche Verrohung verdeutlicht.

    Dabei gibt es auch genuegend andere Lachnummern, die hingegen akzeptiert werden. Die in den grauen Anzuegen. Die serioesen, ernsten Weltenlenker und Spiessbuerger. Die vorgeben, Ahnung zu haben, aber doch nichts koennen.

    Insofern ist die bevorzugte Ablehnung des Pazifisten eine ziemlich armselige Nummer. Aber eben nicht nur im Vergleich, auch sowieso. Der Vergleich machst nur deutlicher.

    Allerdings ist jener Pazifist, der glaubt, er koenne die Welt aendern, oder denkt "stell dir vor, es ist Krieg, keiner geht hin", auch eine ziemliche Lachnummer. Allerdings denke ich auch, das diese Naivitaet auf dem Rueckzug ist, und die, die darauf rumreiten und damit den Pazifisten ins Laecherliche ziehen wollen, das auch wissen (muessten).

    Eine pazifistische Einstellung im zivilen Leben ist nicht dazu du, um Gewalttaetige von Gewalttaten abzuhalten - sondern sich selber davon abzuhalten. Gewaltlos zu werden ist eine permanente Uebung und keine leichte Sache. Viele, die in unserer Gesellschaft den Ton angeben oder ganz normale oder honorige Buerger sind, scheitern taeglich daran. Und noch mehr wissen es nicht mal.

    Kampfkunst kann eine Buehne sein, auf der man das uebt. Ich habe keine Problem damit, aggressives Handeln zu ueben und Pazifist zu sein. Der Punkt koennte sein, das unter aggressiv ich vollen Einsatz zwecks Zerstoerung verstehe und uebe, ohne Hass und Wut. Sondern mit Spass und Freude. btw: Sandsack tut's nicht, muss ein Partner sein.
    Es ist aber auch so, das mit einen zuenftigen Schlag immer etwas verbunden ist, das der Wut sehr aehnlich ist. Der Preis der Effizienz?
    Geändert von Odysseus (31-07-2019 um 09:16 Uhr)
    Das Schweine nicht fliegen köennen, wissen nur die Vögel.

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