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Thema: Trainerfrage: Verändert sich das Klientel / Kunden / Schüler?

  1. #1
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    Standard Trainerfrage: Verändert sich das Klientel / Kunden / Schüler?

    Hallo Trainerkollegen und natuerlich auch alle Trainierenden,

    ich wuerde gerne mein subjektives Empfinden mit den Erfahrungen anderer Trainer (alle Stielrichtungen) abgleichen.

    Kurze Vorgeschichte: Ich unterrichte seit 1992 Selbstverteidigung und Kampfsport. In meinen Kursen befindet sich sozusagen immer ein recht netter Querschnitt der Gesellschaft - Schueler, Studenten, Hausfrau, Angestellte, Unternehmer, Lehrer, Polizist, usw. - wahrscheinlich wie bei den meisten von Euch auch. Ueber die Jahre moechte ich - zumindest subjektiv - feststellen, dass sich die Menschen, die in meine Kurse kommen veraendern. In den letzten Jahren sogar besonders stark. Ich moechte behaupten, die Menschen (und damit vielleicht auch die Gesellschaft) wird immer "schwaecher". Schwaecher im Sinne von "weniger belastbar", "empfindlicher", definitiv immer "unfitter", weniger "Durchhaltevermoegen", weniger "Biss", definitiv auch koordinativ immer schlechter, vielleicht auch "wehleidiger", "wehrloser" … Wie gesagt, vielleicht so als Oberbegriff einfach "schwaecher".

    Als Trainer empfinde ich es als zunehmend schwerer, die Menschen in ein "gutes" Training zu fuehren und sie auch in einem solchen langfristig zu halten.

    Vielleicht bin ich hier einfach noch von der "alten Schule", aber Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung sollte im Training einfach eine gewisse "Intensitaet", ja vielleicht auch "Haerte" haben - ohne dies jetzt gleich zu uebertreiben. Aber ich habe das Gefuehl, dass ich diese Intensitaet staendig mehr nach unten schrauben muss, will ich die Menschen fuer das Training gewinnen und beim Training langfristig halten - also zumindest die "grosse Masse" - Ausnahmen gibt es natuerlich immer wieder.

    Jetzt meine Fragen an die Kollegen:

    1. Macht Ihr bei Eurem Training die gleiche / aehnliche Erfahrung?
    2. Wenn ja, wie geht Ihr damit um?

    Bin wirklich sehr gespannt auf Eure Antworten!

    VG Klaus
    Geändert von variable (13-08-2019 um 08:54 Uhr)
    "Schmerz ist der Lehrer - Weisheit die Lektion" www.impact-kempten.de

  2. #2
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    Standard

    Ist auch mein rein subjektiver Eindruck. Allerdings haben wir heute auch mehr Leute im Gym als zu Anfang. Und zu Beginn waren das auch ausgesuchte Leute. Und letztendlich sieht man das auch immer mit einer leicht verklärenden Brille. Trotzdem empfinde auch ich so, geht alles ein bisschen mehr in Richtung Livestyle.
    Frank Burczynski

    HILTI BJJ Berlin
    https://www.hiltibjj.de


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  3. #3
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    Standard

    Zitat Zitat von variable Beitrag anzeigen
    ...
    1. Macht Ihr bei Eurem Training die gleiche / aehnliche Erfahrung?
    2. Wenn ja, wie geht Ihr damit um?...
    @ 1: Ja.
    Liegt neben vielen anderen Variablen IMHO auch daran: * Es gibt mehr Freizeitangebote insgesamt * Angebots-hopping wird stärker * Mehr und mehr Elektronik in Beruf und Freizeit führen in vielen Fällen zu abnehmender körperlicher Fitness * Körperliche Fitness wird in vielen Schichten nicht mehr so als "das" Ideal angesehen; geistige Fitness übernimmt oft diese Position

    @ 2.:
    * Empfehlungen für begleitendes Fitnesstraining aussprechen.
    * Auf Motivation und Eigenverantwortung setzen (wirklich Interessierte bemerken ihre Defizite oft).
    * Fitnesstraining in "spielerischer Technikform" speziell zum Ausklang integrieren.
    HG Silverback * Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere. (Groucho Marx)

  4. #4
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    Dem muss ich leider auch zustimmen. Gefühlt hat sich da in den letzten 5 Jahren einiges zum schlechten entwickelt.

    Als Trainer versuche ich die Leute da ab zu holen wo sie stehen, aber das wird in der Tat nicht leichter. Auch macht es natürlich etwas weniger Spaß wenn man erst mal Grundlagen aufbauen muss die früher jeder gleich mitbrachte. Auch macht das nötig die Gruppe öfter zu teilen um die Fortgeschrittenen nicht aus den Augen zu verlieren oder dann zu unterfordern.

    Und ich dachte schon das wäre nuir bei mir so....

  5. #5
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    Kann ich auch so bestätigen, bzw. ist mein subjektives Empfinden ähnlich.
    Auch den angesprochenen Zeitraum der vergangenen fünf Jahre kann ich so mitgehen.

  6. #6
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    Ich beobachte seit knapp zehn Jahren diese Tendenz ebenfalls. Mittlerweile sehe ich es einfach als Differenzierung, alle zu bedienen. Gleichzeitig verheimliche ich aber auch nicht, dass der Weg mit geringerem Einsatz selbstverständlich deutlich länger dauert. Und in der Wettkampfvorbereitung wissen alle, dass Wettkämpfende in diesem Zeitraum Gas geben müssen. Wer in dieser Zeit mit ihnen trainieren möchte (gemischte Gruppe) muss eben auch selbst alles geben oder doch lieber mit seinesgleichen im Leistungsstand trainieren. Damit bin ich aktuell zufrieden, wenngleich ich deutlich mehr Geduld als früher aufbringen muss
    "Es gibt nie ein glückliches Ende. Denn es endet nichts."

  7. #7
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    Habe exakt die gleiche Erfahrung mit dem Klientel.
    Den Anspruch, seine Kampfkunst auf das Klientel anzupassen, um möglichst alle zufriedenzustellen, hab ich verworfen.
    Wie sagte mein Trainer immer: Never drop your Standards.

    Die Konsequenz daraus ist die, dass die Gruppe auf eine überschaubare Größe geschrumpft ist. Allerdings sind dann aber auch die - ich nenne es mal "Richtigen" geblieben.
    Diese sind belastbar, lernbegierig und mit Intensität dabei, Blessuren und Schmerzen werden als Teil des Trainings verstanden.

    Das spricht die breite Masse zwar nicht an, soll es aber auch nicht. Es geht um Kampfkunst, nicht um Gymnastik mit Budo-Elementen.

    Neuzugänge halten sich natürlich dann in Grenzen...

  8. #8
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    Das Ganze hat aber nichts mit KS zu tun. Ursache sind die Helikoptereltern, die ihre Kindern vollständig in Watte packen. Da können die halt nicht lernen mit Widerstand etc. umzugehen.
    Gesendet mittels Unterhaltungselektronik ohne Tapatalk.

  9. #9
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    Da gebe ich Dir grundsätzlich Recht. Auf der anderen Seite sind jedoch die, die so etwas wie besondere sportliche Betätigung suchen; etwas, von dem man seinen Freunden berichtet, da es angemessen außergewöhnlich ist. Es genügt, so zu trainieren, dass man nicht allzu sehr auffällt. Zu heftiges Schwitzen oder gar blaue Flecke werden vermieden. Auch geht es nur zum Training, wenn gerade nichts Interessanteres geboten wird. Und es nicht zu früh beginnt. Oder zu spät. Und vermutlich die Richtigen da sein werden.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Tyrdal Beitrag anzeigen
    .... Ursache sind die Helikoptereltern, die ihre Kindern vollständig in Watte packen. Da können die halt nicht lernen mit Widerstand etc. umzugehen.
    Naja, plus evtl. eben auch "der Zeitgeist" an sich.
    HG Silverback * Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere. (Groucho Marx)

  11. #11
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    Es verändert sich das Trainingsverhalten. Das hat was mit der heutigen Gesellschaft und mit der Arbeit zu tun. Heute wollen die Leute ihr Wunschprogramm haben. Bringe mir Karate bei, aber mache das so, wie ich will.
    Die Leute wollen sich nichts mehr sagen lassen und haben ihre Vorstellung von dem, was sie machen wollen. Erfüllt man es nicht, fangen sie an, zu bestimmen, zu diskutieren und ihr eigenes Ding daraus zu machen.
    Dann kommen lange Arbeitszeiten hinzu, die kaum Zeit und raum für ein regelmäßiges Training zu lassen.
    Viele gehen daher auch in Fitnesseinrichtungen, da sie dort ihre Zeit frei bestimmen können, bis auf die Öffnungszeiten.
    Mir macht es teilweise keinen Spaß mehr zu unterrichten. Diese Art und Weise der Leute gefällt mir nicht und ich sehe mich auch nicht als Animateur, diese Leute zu motivieren.

  12. #12
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    Zitat Zitat von StaySafe Beitrag anzeigen
    Auch den angesprochenen Zeitraum der vergangenen fünf Jahre kann ich so mitgehen.
    Ist bei mir auch so, ich glaube es liegt zum Teil daran, dass sich jetzt die Millenials anmelden die im Großen und Ganzen sensibler für Empfindsamkeiten zu sein scheinen.

  13. #13
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    Zitat Zitat von Bärchen Beitrag anzeigen
    Da gebe ich Dir grundsätzlich Recht. Auf der anderen Seite sind jedoch die, die so etwas wie besondere sportliche Betätigung suchen; etwas, von dem man seinen Freunden berichtet, da es angemessen außergewöhnlich ist. Es genügt, so zu trainieren, dass man nicht allzu sehr auffällt. Zu heftiges Schwitzen oder gar blaue Flecke werden vermieden. Auch geht es nur zum Training, wenn gerade nichts Interessanteres geboten wird. Und es nicht zu früh beginnt. Oder zu spät. Und vermutlich die Richtigen da sein werden.
    Wo soll ich unterschreiben? Ich finde diesen Trend zum Kotzen.

  14. #14
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    Zitat Zitat von Eskrima-Düsseldorf Beitrag anzeigen
    Ist bei mir auch so, ich glaube es liegt zum Teil daran, dass sich jetzt die Millenials anmelden die im Großen und Ganzen sensibler für Empfindsamkeiten zu sein scheinen.
    Die Milenials mal wieder. Leute die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden sind wirklich alle sau weich. Das die sich erst jetzt bei dir melden ist aber komisch. Mit fast 40 Kampfsport anfangen ist doch eher ungewöhnlich.
    "Battle doesn't need a purpose; the battle is its own purpose. You don't ask why a plague spreads or a field burns. Don't ask why I fight."

  15. #15
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    @ all

    Jetzt schon einmal vielen herzlichen Dank für die Antworten! Auch wenn es am Problem selbst nichts aendert, so hat es doch irgendwie etwas "beruhigendes", dass es anderen genauso geht …
    "Schmerz ist der Lehrer - Weisheit die Lektion" www.impact-kempten.de

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