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Thema: Lehrspruch geeignet?

  1. #61
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    Zitat Zitat von Nick_Nick Beitrag anzeigen
    Irimi in Reinform ist doch genau das Gegenteil: der Platz des anderen wird eingenommen, ohne sich einen Millimeter aus der Centerline zu bewegen. Insofern beschreibt für mich der Satz "Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein." sehr gut ein eminent wichtiges Prinzip.
    Erstens ist Irimi nicht, sich "keinen Millimeter" aus der Centerline zu bewegen. Ich nehme an du meinst, wenn ich den Kontext berücksichtige, mit Centerline sowas wie die Angriffslinie? Ich verstehe darunter eigentlich was anderes.
    Irimi kann sein, dass man haarscharf neben der Angriffslinie bewegt, das man sie kreuzt, oder das man sie nicht verlässt.
    Zweitens, die Aussage. wo ein Körper ist kann kein anderer sein, ist banal. Das ist einfach ein Lehrsatz der klassischen Physik. Das auf Kampfkunst zu übertragen finde ich schwierig, denn es ist keine Aussage die irgendwas über Bewegung sagt. Soll ein Körper verdrängt werden, wirken Kräfte auf ihn ein, oder was passiert oder soll passieren? Was habe ich erreicht, wenn ich den Platz eines anderen einnehme, steht er dann einfach woanders, oder habe ich Kontrolle über ihn erlangt?
    Und, kann mir nichts passieren, weil niemand da stehen kann wo ich stehe? Was ist, wenn ich mit einem Schwert in der Mitte durchgeschnitten werde, was nützt mir dann dieser Lehrsatz?

    Wenn es dann aber im Weiteren um einen gemeinsamen Mittelpunkt geht, dann geht es halt nicht mehr um Körper, sondern um ein dynamisches System. Und wieder, was ist ein gemeinsamer Mittelpunkt, was ist damit gemeint? Die Mitte des Abstands (und wie kontrolliert man die), oder ist der Massenschwerpunkt des Systems gemeint?
    Das sind alles so theoretische Begriffe, die meiner Ansicht nach nicht das wiedergeben können, was wirklich passiert.
    Es gibt z.B. sowas wie Bewegungsachsen, wenn ich die in Richtung des Gegner verschiebe und gleichzeitig die Bewegung des Angreifers oder Gegners über diese Achse kontrollieren kann, dann habe ich zwar nicht den Platz eines anderen Körpers eingenommen, aber ich kann, falls es gelingt, massiv auf die Möglichkeiten seiner Bewegung Einfluss nehmen. Falls er sich aus dieser Kontrolle befreit, muss ich die Achse woanders wiederherstellen. Aber dabei geht es nicht um Orte wo einer ist oder nicht ist, sondern um Bewegungssysteme und Kräftevektoren.

  2. #62
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    Zitat Zitat von Sturmkind Beitrag anzeigen
    Anscheinend ist es wirklich so, dass je nach Background und Lesart der Satz unterschiedlich verstanden werden kann.
    Ich habe versucht den Satz möglichst einfach und grundlegend zu formulieren. Aber vielleicht ist ja die vermeintlich "einfache" Formulierung zu offen, so dass verschiedene Sichtweisen hineinprojiziert werden können.
    Scheint so . Aber immerhin hat carstenm bestätigt, dass der Satz auch von anderen Lehrern gebracht wird.

    Zitat Zitat von Inryoku Beitrag anzeigen
    Erstens ist Irimi nicht, sich "keinen Millimeter" aus der Centerline zu bewegen. Ich nehme an du meinst, wenn ich den Kontext berücksichtige, mit Centerline sowas wie die Angriffslinie? Ich verstehe darunter eigentlich was anderes.
    Irimi kann sein, dass man haarscharf neben der Angriffslinie bewegt, das man sie kreuzt, oder das man sie nicht verlässt.
    Ich weiß schon, dass man Irimi auf vielerlei Arten realisieren kann. Deswegen hatte ich geschrieben "in Reinform“. Sozusagen als schwierigste Form von Irimi.

    Es ist auch einfach das, womit ich diesen Satz verbinde und das mir als erstes eingefallen ist. Und als Synonym für „Übernehmen der Centerline (= Angriffslinie)“ finde ich es sehr passend. Ausgangspunkt ist für mich ein Angriff des Partners, der aufgenommen wird. Im Kontext der Kampfkünste wird der Partner dann nicht einfach woanders stehen, sondern ist entweder getroffen oder aus dem Gleichgewicht oder beides. Man selbst wird dabei natürlich nichts selbst getroffen oder verliert seine Struktur.

    Da war doch auch was von Ellis Amdur zu Irimi:

    "As the enemy cuts, so, too, do I cut. Not “along” the same path. ON THE SAME PATH. Two objects cannot occupy the same space, and I, with greater power/speed/timing/postural stability, etc, take that space. The enemy is, ostensibly, deflected, but they are NOT knocked away. They are simply not allowed to occupy that space. And often there is no tai-sabaki (body displacement, getting off line). There might be. If there is, it is simultaneous—not one following the other. But even beyond that, tai-sabaki is not part of the fundamental definition of irimi, simply an elaboration of it."

    (https://aikidojournal.com/2016/05/06...y-ellis-amdur/)

    Ansonsten, mag sein, dass es eine triviale physikalische Tatsache ist, die einem auch nichts sagen kann.
    Geändert von Nick_Nick (05-08-2020 um 10:06 Uhr)

  3. #63
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    Und weiter steht dort auch etwas über Irimi.

  4. #64
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    Unzer anderem geht es doch auch darum wann man Platz besetzt, und wann man welchen freigibt, und dass das ein Wechselspiel ist, bzw. ein Tanz auf des Messers schneide ist oder sein kann.
    Dad alles kann man in so einem kurzen Satz nicht ausdrücken. Dafür gab es ja dann auch Lieder, Poems, Kuden u.s w.

  5. #65
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    Zitat Zitat von Inryoku Beitrag anzeigen
    Und weiter steht dort auch etwas über Irimi.
    Unglücklich von mir formuliert, im Artikel geht´s natürlich um Irimi, deswegen habe ich ihn ja verlinkt. Und dort geht´s mir speziell um „…Two objects cannot occupy the same space …“ Habe es oben geändert.

    Zitat Zitat von Inryoku Beitrag anzeigen
    Dad alles kann man in so einem kurzen Satz nicht ausdrücken. Dafür gab es ja dann auch Lieder, Poems, Kuden u.s w.
    Ich vermute, Sturmkind wird zu seinem Satz seinen Schülern schon noch ein paar Erklärungen hinterherschicken.

  6. #66
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    Zitat Zitat von Sturmkind Beitrag anzeigen
    Der Lehrsatz lautet: "Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein."
    Das hat Kernspecht schon in den späten 80ern, frühen 90ern gesagt (steht sogar in "Mein Zweikampf") meine ich.

  7. #67
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    Zitat Zitat von Nick_Nick Beitrag anzeigen
    Ich vermute, Sturmkind wird zu seinem Satz seinen Schülern schon noch ein paar Erklärungen hinterherschicken.
    Naja; z.B. vielleicht wann es Sinn macht Raum einzunehmen, oder vielleicht besser freizugeben.
    Heute morgen kam mir ein älterer Herr mit dem Fahrad fast vors Auto, weil er meinte bei rot über die Füsgängerampel fahren zu müssen, getreu dem Motto: Wo ich bin darf kein anderer sein.

  8. #68
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    Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
    Deine erste These ist nur allgemein richtig, wenn "kann kein anderer sein" "gleichzeitig" impliziert.
    Denn natürlich kann, wo jetzt ein Körper ist, zu einem späteren oder früheren Zeitpunkt ein anderer sein.
    In Deinem Damebeispiiel, kann dort wo jetzt ein Stein ist, zu einem späteren Zeitpunkt durchaus einer gesetzt werden, wenn der erste weggezogen wurde.
    Wenn also im Kontext der Lehrsätze sich die Bedeutung von "kann [...] sein" nicht von einem Satz auf den anderen verändert, wird auch im zweiten Lehrsatz "kann [...] sein" ein "gleichzeitig" implizieren.
    Wenn man das explizit ausschreibt, steht da:
    "Wo kein Körper ist, kann gleichzeitig ein anderer sein".
    Da kommt es dann darauf an, ob Du mit "kein Körper" den Zustand der Leere meinst, der den Hintergrund von Anwesenheit bildet, und nicht verschwindet, wenn man die Leere füllt, oder eben "jeder Körper nicht".
    Da es keinen Körper gibt, der nicht in der Menge "jeder Körper" enthalten ist, bleibt kein anderer Körper übrig, der gleichzeitig dort sein kann, wo jeder Körper nicht ist.

    es wird also IMO ungenau mit der zeitlichen Komponente umgegangen
    Okay, jetzt verstehe ich das besser. Man müsste also die zeitliche Komponente deutlicher Hervorheben. Herausstellen, dass es sich um eine Augenblickbetrachtung handelt. Ich habe es im Sinne der Gleichzeitigkeit, bzw. der unmittelbaren Zukunft verstanden. (Wobei diese ja in einem Kampf, der meistens Chaos bedeutet sehr schwer abzuschätzen ist.)
    Jetzt sehe ich auch, was du in dem vorherigen Post gemeint hast. Ich meine mit "kein Körper" die Leere, sozusagen den Raum.

    Das ist eine wirklich gute Hilfe, danke dafür.


    Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
    Um den Zustand eines mechanischen Systems vollständig zu beschreiben, reicht es nicht aus, den Ort von allen Körpern anzugeben, sondern man muss auch noch die Geschwindgkeiten und Beschleunigungen (Kräfte) kennen.
    Im ('Kampf-)Sport agieren nun Menschen, die ihre eigenen Bewegungen danach ausrichten, welche Einschätzungen sie nicht nur von den Orten der anderen Köper haben, sondern auch von deren Geschwindigkeiten und Beschleunigungen.
    Damit können die Akteure aus momentanen Zuständen zukünftige abschätzen (Antizipation).
    Ein guter Tennisspieler schaut beim gegnerischen Aufschlag nicht auf den Ball, sondern dort hin, wo der Ball sein wird.
    Wo der Ball sein wird, erkennt er an der Art und Weise, wie der andere Tennisspieler sich bewegt.
    Dazu kommt, bei einem menschlichen Gegner, dass Menschen in ihrem Kopf nicht nur ein Gehirn hat, dass die die Flugbahn von Bällen vorausberechnen kann, sondern auch eines, das eine Theorie des Geistes entwickeln kann uns sich überlegen, was im Gehirn des anderen so vor geht, bzw. wie dieser die zukünftige Entwicklung des Systems einschätzt und sein Verhalten danach ausrichtet.

    Der Mann in blau hat die zukünftige Entwicklung des Systems falsch eingeschätzt, da er wohl dachte, der 2-Zentner-Hänfling kommt beschleunigt auf ihn zu oder bleibt zumindest stehen und leistet Widerstand.
    Der Mann in rot (?) hat die Einschätzung des Mannes in Blau korrekt eingeschätzt und damit "Kong" angewandt, im Sinne von "nicht da sein (wo es der andere erwartet)"
    Mit einem Stier kann man das wohl öfter machen, ein menschlicher Gegner könnte sich aufgrund seiner höheren geistigen Kapazität darauf einstellen und aufgrund der Erfahrung seine Einschätzung der Situation anpassen, sofern er verstehen kann, was da passiert.
    Absolut. Da bin ich voll bei dir. Ohne die Dynamik kann das System nicht beschrieben werden. Hier ist der Satz wohl nur anwendbar, wenn die newtonschen Axiome mit vermittelt werden. Am Besten direkt im praktischen Training. Ein guter Einwand und auch ein gutes Beispiel.
    Physikalisch hat er ja in dem Moment die Trägheit ausgenutzt. Mit der steigenden Erfahrung des Gegners wird das sicherlich schwierig.

    Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
    Ein sich daraus ergebender möglicher didaktischer Aufbau wäre aus meiner Sicht:

    1.) Umgang mit sich selbstständig nicht bewegenden Objekten um Kraftübertragung und Bewegen im Raum zu erlernen.
    2.) Umgang mit sich "physikalisch vorhersehbar" bewegenden Objekten.
    3.) Umgang mit lebenden Objekten auf der Ebene von Reflexen.
    4.) Umgang mit lebenden Objekten auf der Ebene von höheren kognitiven Fähigkeiten.

    Dein Aufbau ist nun ein anderer und scheint auf den verschiedenen Stufen diese Inhalte in unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zu vermitteln aber der Zusammenhang mit dem Lehrspruch - um den soll es ja hier gehen - ist zumindest mir nicht unmittelbar einsichtig.

    Letztlich kommt es aber darauf an, ob es Dir damit gelingt, den Schülern das zu vermitteln, was Du vermitteln willst.
    Dein Aufbau liest sich gut nachvollziehbar.
    zu 1: Würde hier Kampfsport überhaupt ansetzen? Oder einfach nur Bewegung in der freien Natur (spielen als Kinder) und Kraftsport mit freien Gewichten. Bogenschießen wäre noch etwas, dass ich hier gut verorten könnte.
    zu 2: Bei diesem Punkt würde ich schon mit Menschen arbeiten, die abgesprochene und festgelegte Bewegungen ausführen und nur in diesem Kontext als Angreifer agieren. Vielleicht Bälle, die geworfen werden oder Tontaubenschießen. Gehst du da konform?
    zu 3: also zuerst natürliche, reflexgesteuerte Bewegungen, eine Abwehr als "Fangen" des angreifenden Armes, etc?
    zu 4: Hier käme dann wirkliche Kampf"kunst" ins Spiel, so wie ich das verstehe.

    Ich denke im Endeffekt habe ich den Lehrspruch überbewertet. Für mich bildet der einen guten mentalen Anker, zur Wissensvermittlung ist er wohl zu eindimensional. Und als Fundament eines Lehrgebäudes weißt er Lücken auf, zB die zeitliche Komponente.

    Bezüglich meiner Schüler: ich habe in den letzten zwei Wochen eine aufeinander aufbauende, dreiteilige Einheit über Kumite und Prinzipien gehalten. Die Resonanz war sehr positiv, nach den Einheiten war die Leistung auch gestiegen. In dieser Reihe habe ich auch den Lehrspruch verwendet. Aber ich kann jetzt nicht sagen, ob er einen fördernden oder hemmenden Einfluss hatte. Ich habe nämlich natürlich auch andere Vergleiche und Erklärungen zusätzlich verwendet. Ich denke je nach Lebenswelt und Hintergrund hat er geholfen.

  9. #69
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    Zitat Zitat von carstenm Beitrag anzeigen
    Ich hab mir das pdf grad mal angeschaut. Hatte es vorher irgendwarum übersehen.
    Ich gebe zu: Ich hab's letztendlich dann nur überflogen. Denn ich ganz persönlich - sowohl, was mein eigenes Üben betrifft, als auch mein eigenes Unterrichten - kann solche Abstraktionen nicht wirklich sinnvoll in Verbindung setzen zu meinem Üben. Zu viel Kopf ...
    Ich kann also die Güte nicht wirklich beurteilen.
    Danke für die Einschätzung, mir geht es da andersrum, ich analysiere lieber und habe eine Abstraktion, also solche "wie" Erklärungen. Ich persönlich gehe auch davon aus, dass es soviel Missverständnisse im westlichen Karate wegen diesem kleinen Wörtchen "Wie" gibt. In den Erklärungen von Kata wird oft derartiges geschrieben: "...führen Sie den Block nach rechts aus. Führen Sie ihn aus, dass ein angreifendes Bein von rechts abgewehrt werden kann." (Ohne konkretes Zitat, aus dem Kopf raus.) Meiner Meinung nach ist das eine technische Beschreibung und es zieht einen Vergleich "Führen Sie den Block aus WIE gegen ein angreifendes Bein von rechts." und es wird oft als Anwendung verstanden "Ein Bein kommt von rechts, dagegen ist der Block". Was ein Verständnis von Inhalten der Kata zum Teil unmöglich macht. Aber das nur am Rande.

    Da gibt es wohl einfach Unterschiede in der Herangehensweise. Sollte ich beim Unterrichten beachten, Stichpunkt individuelle Förderung.


    Zitat Zitat von carstenm Beitrag anzeigen
    Lediglich eines möchte ich doch anmerken:
    Ich würde die Begrifflichkeiten go no sen, sen no sen und sensen no sen entweder ganz weglassen. Oder aber deutlich machen, woher dein Verständnis dieser Begriffe stammt. Denn sie werden in allen drei japanischen budô, die ich übe, bzw. geübt habe, unterschiedlich interpretiert. Wobei aber keine dieser Interpretationen mit der Verwendung übereinstimmt, die du vornimmst. Ich vermute, daß das Verständnis, das du benutzt, aus dem kendô stammt? (Damit kenne ich mich leider überhaupt nicht aus.) Aber falls dem so ist, würde ich das um der Klarheit willen anmerken. Wenn's allerdings aus dem Karate stammt, dann ist es natürlich klar ... und mein Einwand verpufffffft .....
    Wie schon bei Aiki50+ geschrieben ist die Erklärung im Karate nicht klar definiert und je nach Stil unterschiedlich. Ich denke aber, ich werde es durch "Reagieren, Agieren, Antizipieren" ersetzen. Das gibt weniger Missverständnisse und wird wahrscheinlich von meiner Gruppe auch besser aufgenommen.

    Bezüglich einer Definition, ich hab folgendes gelesen und fand es eigentlich ganz gut:

    Go no Sen: Der Rückzug des Angriffs wird angegriffen.
    Sen no Sen: Der Angriff wird angegriffen.
    Sen Sen no Sen: Die Vorbereitung zum Angriff wird angegriffen.

    nach:
    "I understand it to refer also to a specific moment of exposure in your opponent's defense that can occur right after they have attacked (go no sen), while they are concentrating on attacking (sen no sen) or in the moment when they prepare to attack.

    One of my favorite strategies in sparring is to wait just within my opponent's range, then shift back only enough that their attack misses me by centimeters (or brushes my gi). My attack then follows their hand or leg as it is retracted, striking before they can reestablish their focus on defense. This is go no sen.

    Another favorite is to wait for them to attack one target (chudan or jodan). As they do so, I shift my body to avoid (or reduce the force of) their attack, while counterattacking at a different height. My counterattack and their attack happen simultaneously, though they may land at different times. This takes advantage of the gap in their defense created by the physical act of the attack and the mental act of thinking about the attack. My strike is more powerful because it is a collision of both bodies moving forward. This is sen no sen.

    You have probably noticed that most people have a tell before they attack. Their eyes may dart around, or they may tense their shoulders, etc. Even though the opponent has not yet moved to attack, you can tell at this point that their mind is focused on it. If you can move instantly into your own attack as soon as you sense their focus shift, they will usually not be able to defend effectively. This is sen sen no sen."

    https://www.reddit.com/r/karate/comm..._sen_and_deai/

    Zitat Zitat von carstenm Beitrag anzeigen
    Zur Erläuterung:
    Die Beschreibung: "Ich weiche aus und schaffe bewusst Lücken, ich fintiere. Ich erahne den Angriff, da ich ihn dazu verleite und kann seinen Angriff angreifen", charakterisiert in zwei budô, die ich übe, die Methode go no sen.
    Die Beschreibung: "Bei der Begegnung beherrsche ich den Mittelpunkt zwischen uns," charakterisiert in einem budô, das ich geübt habe, die Methode sen no sen. Allerdings vollkommen unabhängig vom Timing.
    Die Beschreibung: "Ich reagiere auf den Gegner und kontere ihn ab," kann in einem der budô, die ich übe, die Methode sensen no sen meinen.
    Ah interessant, wie unterschiedlich die Begriffe verwandt werden können. Danke.

  10. #70
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    Zitat Zitat von Eskrima-Düsseldorf Beitrag anzeigen
    Das hat Kernspecht schon in den späten 80ern, frühen 90ern gesagt (steht sogar in "Mein Zweikampf") meine ich.
    Ach, wusst ich gar nicht. Kernspecht ist mir natürlich ein Begriff, aber ich habe weder mit ihm, noch mit seiner Organisation je zu tun gehabt. Aber gute Information, danke.
    (Nach den Meinungen hier im Board bin ich mir unsicher, ob das jetzt ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, wenn das auch von Kernspecht verwendet wurde.)

  11. #71
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    Zitat Zitat von Inryoku Beitrag anzeigen
    Erstens ist Irimi nicht, sich "keinen Millimeter" aus der Centerline zu bewegen. Ich nehme an du meinst, wenn ich den Kontext berücksichtige, mit Centerline sowas wie die Angriffslinie? Ich verstehe darunter eigentlich was anderes.
    Irimi kann sein, dass man haarscharf neben der Angriffslinie bewegt, das man sie kreuzt, oder das man sie nicht verlässt.
    Zweitens, die Aussage. wo ein Körper ist kann kein anderer sein, ist banal. Das ist einfach ein Lehrsatz der klassischen Physik. Das auf Kampfkunst zu übertragen finde ich schwierig, denn es ist keine Aussage die irgendwas über Bewegung sagt. Soll ein Körper verdrängt werden, wirken Kräfte auf ihn ein, oder was passiert oder soll passieren? Was habe ich erreicht, wenn ich den Platz eines anderen einnehme, steht er dann einfach woanders, oder habe ich Kontrolle über ihn erlangt?
    Und, kann mir nichts passieren, weil niemand da stehen kann wo ich stehe? Was ist, wenn ich mit einem Schwert in der Mitte durchgeschnitten werde, was nützt mir dann dieser Lehrsatz?

    Wenn es dann aber im Weiteren um einen gemeinsamen Mittelpunkt geht, dann geht es halt nicht mehr um Körper, sondern um ein dynamisches System. Und wieder, was ist ein gemeinsamer Mittelpunkt, was ist damit gemeint? Die Mitte des Abstands (und wie kontrolliert man die), oder ist der Massenschwerpunkt des Systems gemeint?
    Das sind alles so theoretische Begriffe, die meiner Ansicht nach nicht das wiedergeben können, was wirklich passiert.
    Es gibt z.B. sowas wie Bewegungsachsen, wenn ich die in Richtung des Gegner verschiebe und gleichzeitig die Bewegung des Angreifers oder Gegners über diese Achse kontrollieren kann, dann habe ich zwar nicht den Platz eines anderen Körpers eingenommen, aber ich kann, falls es gelingt, massiv auf die Möglichkeiten seiner Bewegung Einfluss nehmen. Falls er sich aus dieser Kontrolle befreit, muss ich die Achse woanders wiederherstellen. Aber dabei geht es nicht um Orte wo einer ist oder nicht ist, sondern um Bewegungssysteme und Kräftevektoren.
    Deine Anmerkungen sind durchaus richtig, ich stimme damit zum Teil auch überein und werde deshalb an meiner Lehre arbeiten. Gerade die Dynamik und die Achsen, wie du schreibst sind nicht enthalten.
    Hier benötigst du aber einen Körper, damit du überhaupt "Druck" oder "Kraft" hinter deine Bewegung setzten kannst. Weil ohne Körper keine Masse und ohne Masse keine Kraft.

    Natürlich gibt dieser Satz auch nicht das gesamte System wieder oder was im Kampf passieren könnte. Es ist ein Grundsatz, der für Anfänger und leicht Fortgeschrittene ist. Wenn ein Satz das leisten könnte, wäre es leicht das ultimative System zu kreieren. Es sind verschiedene Ansatzmöglichkeiten und andere User hier haben ja bereits geschrieben, dass sie ähnliche Formulierungen benutzen.

    Und zum Thema Schwert: Das wäre ja auch ein Körper, an dessen Stelle mein Körper nicht sein sollte. Darauf ist mein System jetzt aber auch gar nicht ausgelegt. Die nächste Stufe wäre dann "Was machst du mit deinem Schwert, wenn ich mit meiner Tikka T3X CTR komme?" Ich verstehe ja deinen Punkt, aber bitte dann doch im Kontext bleiben, denn ich auf der ersten Seite beschrieben habe.

  12. #72
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    Zitat Zitat von Nick_Nick Beitrag anzeigen
    "As the enemy cuts, so, too, do I cut. Not “along” the same path. ON THE SAME PATH. Two objects cannot occupy the same space, and I, with greater power/speed/timing/postural stability, etc, take that space. The enemy is, ostensibly, deflected, but they are NOT knocked away. They are simply not allowed to occupy that space. And often there is no tai-sabaki (body displacement, getting off line). There might be. If there is, it is simultaneous—not one following the other. But even beyond that, tai-sabaki is not part of the fundamental definition of irimi, simply an elaboration of it."
    Sehr schöne Formulierung, danke dafür. Ich muss mal in Threadgills Buch nachschauen, ob er hierzu was schreibt.

  13. #73
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    Zitat Zitat von Inryoku Beitrag anzeigen
    Unzer anderem geht es doch auch darum wann man Platz besetzt, und wann man welchen freigibt, und dass das ein Wechselspiel ist, bzw. ein Tanz auf des Messers schneide ist oder sein kann.
    Dad alles kann man in so einem kurzen Satz nicht ausdrücken. Dafür gab es ja dann auch Lieder, Poems, Kuden u.s w.
    Hast du Recht, kann man natürlich nicht. Hast du bessere Lieder, Gedichte oder Kuden? Gerne auch per PM
    Ich finde die Beschreibung mit Tanz auf Messers Schneide gut gewählt.

  14. #74
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    Zitat Zitat von Nick_Nick Beitrag anzeigen
    Ich vermute, Sturmkind wird zu seinem Satz seinen Schülern schon noch ein paar Erklärungen hinterherschicken.
    Du vermutest richtig
    Wäre natürlich auch interessant einen konfuzianischen Lehransatz zu wählen:

    Ich stelle einen Schüler in den Raum und donner ihm nen Tsuki rein. Wenn er dann japsend auf dem Boden liegt sag ich zum Rest "Seht ihr, wo meine Faust ist, kann sein Solarplexus nicht sein, er geht k.o. Ich habe euch jetzt die erste Ecke des Raumes gezeigt, sucht die drei anderen selbst." Trainergehalt verdient.

  15. #75
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    Zitat Zitat von Sturmkind Beitrag anzeigen
    Wie schon bei Aiki50+ geschrieben ist die Erklärung im Karate nicht klar definiert und je nach Stil unterschiedlich. Ich denke aber, ich werde es durch "Reagieren, Agieren, Antizipieren" ersetzen. Das gibt weniger Missverständnisse und wird wahrscheinlich von meiner Gruppe auch besser aufgenommen.

    Bezüglich einer Definition, ich hab folgendes gelesen und fand es eigentlich ganz gut:

    Go no Sen: Der Rückzug des Angriffs wird angegriffen.
    Sen no Sen: Der Angriff wird angegriffen.
    Sen Sen no Sen: Die Vorbereitung zum Angriff wird angegriffen.

    nach:
    ...
    https://www.reddit.com/r/karate/comm..._sen_and_deai/


    Ah interessant, wie unterschiedlich die Begriffe verwandt werden können..
    Ich hatte den von mir verlinkten PDF-Artikel von Weisgard über die englische Wikipedia-Seite zu "go no sen" gefunden, die auch auf darauf verweist. Da hatte ich noch nicht bedacht, dass die Begriffe doch sehr unterschiedlich ausgelegt werden.

    Interessant, dass auch ein Karateka in einer Reddit-Diskussion auf Weisgards Artikel über die 3 sens hinweist, obwohl die Begriffe gar nicht aufs Aikido anwendbar sein sollen. Auch von meinen Aikido-Lehrern habe ich diese 3 Begriffe oder deutsche Umschreibungen im Unterricht noch nicht gehört.

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