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Thema: Stress VS Technik

  1. #1
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    Standard Stress VS Technik

    Moin zusammen,
    ich habe eine spezielle Frage an unsere "Kopfexperten", aber natürlich auch an alle, die einfach nur so Ahnung haben.
    Viele kennen ja bestimmt das Phänomen, dass unter Stress (Wettkampf, Schlägerei, etc.) von der schönen Technik nicht mehr viel übrig bleibt.
    Mich interessiert ein recht spezieller Aspekt des "Warum". Vor einer Weile habe ich die Aussage gehört, dass wenn Menschen mehrere Sprachen gleich gut beherrschen, sie öfter Wortfindungsschwierigkeiten haben. Das soll aber nicht daran liegen, dass sie die Worte vergessen haben, sondern daran, dass sie die andere Sprache nicht ausreichend unterdrücken können. Also angenommen, ich würde gleich gut deutsch und spanisch sprechen. Ich unterhalte mich mit Spaniern, will irgendwas von Brot erzählen, aber das spanische Wort Brot fällt mir nicht ein - nicht weil ich das vergessen habe, sondern weil die deutsche Sprache vor meinem inneren Auge auf und ab hüpft und keine Ruhe gibt.

    Nu zu meiner eigentlichen Frage:
    Geht die schöne Technik unter Stress flöten, weil ich sie nicht gut genug trainiert habe (das wäre im Sprachenbeispiel "vergessen") oder weil die primitivere Technik nicht erfolgreich unterdrückt wird?

    Und falls letzteres:
    Wäre es denkbar, das Techniktraining so zu gestalten, dass man mit dem Primitivzeug anfängt und das ausbaut? Ich meine damit nicht, dass ich eine Technik erst grob lerne, verfeinere und so oft wiederhole, bis es im Blut ist (das wäre der klassische Ansatz), sondern dass ich die Technik nutze, die sich unter Stress eh aufdrängt und diese dann nach und nach ausbessere. Der Vorteil wäre dann quasi eine grundsätzlich immer abrufbare Technik.
    Oder ist das Quatsch?
    Geändert von Lugasch (08-04-2021 um 20:48 Uhr)

  2. #2
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    Ich zitiere mal ein wenig von unserer Homepage:

    Das Gehirn und die Bilder

    Nun hat das Gehirn noch neben den breiteren Wegen eine andere Art der Wichtung: die der chemischen Botenstoffe. Um bei dem Beispiel mit dem „Fight, Flight, Freeze“ zu bleiben ist dies das Noradrenalin. Wenn ein Hirnareal (in diesem Fall der Locus coeruleus) diesen Stoff freisetzt, werden dessen Bilder für den OFC sehr viel wichtiger und alles andere verblasst und wird unwichtig, wir werden „instinktgesteuert“.
    Andere Stoffe, die eine Wichtung bewirken, sind Dopamin und Serotonin die bei Süchten, Traumata oder auch der Liebe eine wichtige Rolle spielen.
    Das Problem rückt immer mehr in den Fokus unserer Aufmerksamkeit, andere Dinge werden immer unwichtiger, je gefährlicher und größer, desto genauer nimmt unser Instinkt sich dieses Problems an und desto mehr feuert unser Locus coeruleus mit seinem Noradreanlin. Dies bewirkt eine unspezifische Aktivierung im OFC, mit anderen Worten es wird fieberhaft nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, alle vorhandenen Wege werden genutzt, die Autobahnen mehr und schneller als die Feldwege.
    Finde ich auf diesem Weg keine Lösung übernehmen immer tiefer liegende Zentren die Kontrolle: „es geht ans Eingemachte“. Je gefährlicher das Problem für die Dinge wird, die uns wichtig sind, desto tiefer und intensiver geht die Aktivierung.
    Auf der Ebene der körperlichen Unversehrtheit (bei einem Überfall, dem Kontakt mit einem gefährlichen wilden Tier etc.) übernimmt dann unser „Instinktzentrum“ und uralte Überlebensprogramme werden abgerufen, in deren Folge unser Gehirn mit Noradrenalin überflutet wird und unser Körper mit dem Stresshormon Adrenalin.
    Alles was nicht unmittelbar eine Lösung des Problems verspricht wird heruntergefahren, u.a. auch die Vernetzungen des OFC mit anderen Teilen des Großhirns, da eine bewusste Verarbeitung der Informationen (aus dem Körper und der Umwelt) zu lange dauert. Die tiefer liegenden Hirnareale greifen auf diese Informationen über schnellere Wege zu und verarbeiten sie schneller und direkter. Sie schwächen quasi unser bewusstes Denken.

    Ein Beispiel dazu: Treffe ich einen Tiger in freier Wildbahn ist mein Locus coeruleus sofort maximal aktiv, da meine körperliche Unversehrtheit und damit mein Überleben, maximal bedroht sind. Das Noradrenalin überflutet mein Gehirn, sorgt für eine Adreanlinfreisetzung im Körper (um ihn auf Höchstleistung vorzubereiten), fährt mein bewusstes Denken herunter und stärkt die Autobahn zu meinen Instinkten. Ich gehe in den „Fight“-Modus, wenn ich meine das ich eine Chance habe (z.B. weil ich mir einen Stock, Stein greifen kann) oder in den Flight-Modus um der Bedrohung zu entkommen. Greift mich der Tiger an und ich liege unter ihm wird mein Körper den Freeze-Modus aktivieren um uninteressant für ihn zu werden, ich „stelle mich tot“. Das alles passiert „wie von selbst“, man schaut sich fasst von außen zu.

    Über Strassen Netze und Bewegung

    Das Kommandozentrum unserer unwillkürlichen Motorik, die ja u. a. dazu dient dass wir nicht umfallen und unsere Körperspannung halten, liegt im Kleinhirn. Diese Hirnregion befindet sich „hinten“ unterhalb unseres Großhirns und sieht aus wie zwei, an den Hirnstamm geklebte, Walnüsse. Es macht nur ein Zehntel des Gewichts unseres Gehirns aus, beinhaltet aber 4/5 aller Hirnzellen. Alleine an dieser Verteilung kann man sehen wie wichtig dieses Gehirnareal auch für uns Menschen ist.

    Im Kleinhirn laufen alle Informationen des Bewegungsapparates zusammen. Dort kommen die Informationen über den Spannungszustand der Muskeln und Sehnen an, die Informationen über die Stellung der Gelenke und Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan des Kopfes.

    Gleichzeitig werden die Muskelbefehle der Großhirnrinde in Kopie dort in Echtzeit registriert und verschieden Informationen aus dem Hirnstamm verarbeitet.

    Dieses Kommandozentrum hat Mitteilungskanäle zum Thalamus wo seine Informationen an das Großhirn weitergeleitet werden und wo mit Hilfe dieser Informationen willentliche motorische Befehle ausgearbeitet werden. Es hat jedoch auch Kanäle zum Hirnstamm, und damit direkt zur Muskulatur, um schnell und instinktiv auf Situationen reagieren zu können indem es den Körper reflexartig bewegt, oder unbewusst „austariert“.

    Wie wir gesehen haben ist der Hirnstamm ebenfalls in alle Prozesse involviert. Das ist auch absolut logisch, denn er ist der älteste und wichtigste Teil unseres Gehirns. Hier werden Dinge wie unsere Atmung und der Herzschlag reguliert, hier laufen alle Informationen über unseren Körperzustand zusammen, hier tauscht sich das Kleinhirn mit den Augen, den Ohren und dem Gleichgewichtssinn aus, hier wird die Atem- und Schluckmuskulatur gesteuert und unsere Augenmuskeln koordiniert. Hier wird unser emotionales Erleben mit all den o. g. Funktionen abgestimmt.

    Der Hirnstamm kann seine gewichtige Meinung über verschiedene Kanäle dem Verstand mitteilen. Er sitzt in der Führungsebene des Thalamus, beeinflusst die Schaltstelle der Basalganglien und hat einen ständigen Sitz in der Kommandozentrale des Kleinhirns. Seine Befehle gehen direkt an die Muskeln und Eingeweide und seine Meinung ist für den Verstand bindend.

    Wenn der Hirnstamm der Meinung ist, dass der Verstand eine Situation nicht schnell genug lösen kann, dann übernimmt er selber die Kontrolle und setzt den Verstand auf die „Auswechselbank“. Er ist das Instinktzentrum von dem ich in dem Artikel über das Gehirn und die Bilder gesprochen habe, als es um den Tiger und „Fight, Flight, Freeze“ ging. Er ist es auch der die Wachheit und Aufmerksamkeit steuert.
    Um die Zitate besser einordnen zu können empfehle ich die beiden Artikel komplett zu lesen, aber die Zitate sind für deine Fragestellung schon zielführend.

    Gutes Training fördert die Vernetzung des OFC mit den tiefer liegenden Arealen, damit das Noradrenalin eben nicht diese Abschwächung des "bewussten" Reagierens bewirkt und man auch unter Hochstress handlungsfähig bleibt.
    Der Umgang mit Aggressionen und die Kopplung von Motorik und Emotionen spielen da eine wichtige Rolle. Sämtliche Bewegungen sollten dabei den natürlichen Bewegungsmustern des Körpers entsprechen und eine hohe Wiederholungszahl aufweisen (da sind wir dann aber in der "technischen" Umsetzung von Kampfkunst).
    Geändert von kanken (08-04-2021 um 21:15 Uhr)

  3. #3
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    Hi,
    danke!
    Die Artikel habe ich schon vor einer Weile gelesen.
    In Kurz heißt es dann sowas wie, je stressiger die Situation, desto autobahniger sollte meine Wunschtechnik sein, um vor dem Echsenhirn dranzukommen, oder?
    Und wäre ein Training vom Echsenhirn aus denkbar?
    Also bei meinen ersten Auseinandersetzungen waren meine "Kampftechniken" (in verschiedenen Variationen): Schubsen, Haymaker, Doppeldeckung, (schlechtes) Greifen und irgendwie Niederringen, und (schlechte) Links-Rechts-Gerade im Kettenfauststyle (war allerdings alles vor meiner KK-Zeit).
    Angenommen, ich wäre ein Anfänger und es wäre immernoch mein Echsenrepertoire - wäre es aus z.B. SV-Sicht sinnvoll mit genau diesen Techniken zu starten und sie zu verfeinern - aus dem Haymaker einen ordentlichen Hook zu entwickeln, die Links-Rechts-Kombo gescheit aufziehen, Fußarbeit hinzufügen, etc.
    Wäre ich damit unter Stress ggf. schneller und zuverlässiger (dafür halt primitiver) handlungsfähig, als mit dem klassischen Training?

  4. #4
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    Man ruft in erster Linie das ab ,was man vertraut . Das was mit einem gewissen Sicherheitsgefühl verbunden ist , weil es schonmal gut geklappt oder sich immer wieder für einen Selbst bewährt hat . V.a. In unkooperativen Geschehen .je stärker es mit positiven Emotionen untermalt ist , desto eher greife ich darauf zurück
    Gerade im Ernstfall experimentiert keiner mehr . Das bedeutet nicht das man nicht improvisiert , aber jede Improvisierung hat eine Vertraute Aktion als Ziel .
    Man will in seinen vertrauten Raum gelangen .

    Bedeutet, je künstlicher , je umständlicher , oder je fremder ( für deine Art dich zu bewegen ) eine Technik, eine Bewegung ist , desto weniger wirst du ihr vertrauen , desto unwahrscheinlicher ,das du sie abrufst . Is simple.

    Es geht also weniger darum , ob etwas primitiv , einfach ist , sondern ob es deiner natürlichen Art zu reagieren , zu agieren , entspricht .
    Der eine ist mehr an Kontakt interessiert , weil er gutes Feeling dort hat , der Nächste kann damit nix anfangen , er braucht die Distanz , den Abstand um handeln zu können.
    Einer ist mehr der Passive , reagierende Typ , ein Anderer ist mehr der aktive , Agierende . Ist im Wettkampfbetrieb nicht anders .
    Also gilt es , dein Disposition zu erkennen , ein guter Trainer sieht sowas .
    Techniken , gerade in Sv Anwendungen sollten das berücksichtgen . Pauschal etwas überstülpen funzt nicht.
    Die verstehen sehr wenig , die nur das verstehen , was sich erklären lässt. ( Marie v. Ebner-Eschenbach)

  5. #5
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    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Nu zu meiner eigentlichen Frage:
    Geht die schöne Technik unter Stress flöten, weil ich sie nicht gut genug trainiert habe (das wäre im Sprachenbeispiel "vergessen") oder weil die primitivere Technik nicht erfolgreich unterdrückt wird?
    Ich würde mal den Aspekt, ob jemand genug trainiert hat aus der Betrachtung herauslassen - das mit einbezogen, lenkt von dem eigentlichen Mechanismus nur ab.

    Wir nehmen also mal an, derjenige hätte ausreichend genug die einzelnen Bewegungen und Prinzipien trainiert, sprich vollkommen verinnerlicht.

    Damit eine Blockade unter Stress eintritt, muss derjenige entweder von der Situation körperlich überwältig sein oder, wenn das nicht zutrifft, schlicht einfach zu viel Zeit zur Verfügung haben. Wir ignorieren ebenfalls mal den ersten Fall.

    Die Wirkung von Zeit auf eine Blockade. Sobald ich nicht reaktiv, durch zu wenig Zeit, zu einer Handlung "gezwungen" werde, habe ich Zeit aktiv eine Entscheidung zu treffen. Das ist der Moment, in dem man zwischen mehreren Möglichkeiten sozusagen gefangen sein kann, das Denken übernimmt, Zweifel auftauchen können ect. pp. Ist dagegen die Zeit extrem stark reduziert, provoziert das nur eine reaktive, verinnerlichte Antwort, bei der das Hirn nicht beteiligt ist und somit auch schlicht keine Zeit und kein Raum für Zweifel, Abwägungen, Ängste, halt Denken, besteht.

    Soweit erstmal.

  6. #6
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    @Lugasch
    Das ganze ist ein wenig komplexer. Es gibt sehr, sehr grundlegende Bewegungsmuster unseres Körpers, die besonders dann zum Vorschein kommen wenn wir unter Stress geraten oder reflexartig reagieren. Funktionale Technik baut auf diesen Bewegungsmustern auf und nutzt sie.
    So etwas kann man überall dort finden wo eine hohe Kompetenz von Bewegung unter Hochstress gefordert wird. Das ist an keine spezielle KK gebunden.
    Das „modernste“ was ich da kennengelernt habe war Schießtraining bei Polizeieinheiten.

    Tiefer in diese Materie einzusteigen habe ich schriftlich keine Lust und Zeit, aber immer gerne persönlich.

  7. #7
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    Das ist ein willkommener Anlass, einen leicht abgeänderten Text zu posten, den ich schon mal für einen anderen Faden geschrieben aber dann nie gepostet habe, weil zu viel um die Ohren und Off-Topic und so

    Ich bin ja kein Psychologe und auch auf dem Gebiet der Sportpsychologie ein ziemlicher Amateur mit einem «von der Hand in den Mund»-Ansatz (will sagen: solange es funktioniert, ist mir meistens vollkommen egal warum das so ist). Ich möchte dennoch einen Aspekt hier einführen, den ich im Sambo als «Erregungstheorie» kennengelernt habe – also dass Erinnerungen umso prägender sind, je höher der Erregungszustand in dem Moment war (ausformuliert übrigens in dem klassischen Sambo-Buch vom Weinmann Verlag, der deutschen Fassung von wasweissichwelcher Ausgabe des russischen Originals von Tschumakow, m.E. übrigens ein bemerkenswert gutes und häufig unterschätztes Buch). Das bedeutet im Klartext, dass tausende Wiederholungen in ruhigem Geisteszustand unter Umständen weniger «wirksam» sind als eine perfekte Wiederholung, die man in einem kritischen Moment erfolgreich ausgeführt hat. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen, an bestimmte Techniken / Bewegungsabläufe habe ich daher absolut gestochen klare und extrem einfach abrufbare Erinnerungen (und zwar an exakt eine bestimmte Ausführung in einem bestimmten Moment), an andere – auch wenn ich zig tausend Wiederholungen mit Dummy, Partner und Widerstand gemacht habe – deutlich verschwommenere, die erst eine Anwendung unter grösserem Druck brauchen, um für mich zu gleich klaren «Ankerpunkten» zu werden. Das erklärt auch indirekt, warum man meiner Meinung wirklich gute Trainingspartner braucht, um in kurzer Zeit wirklich wachsen zu können – nur ein wirklich forderndes Sparring reicht meiner Erfahrung nach als Erregungsminimum für so einen Ankerpunkt aus. Steel sharpens steel und so

    Das ist die Art, wie ich mir Techniken einpräge. Kankens Bagua-Linie würde vermutlich Bild dazu sagen, ich persönlich speichere das als «Erinnerung» oder «Gefühl» ab, und das visualisiere ich bewusst oder unbewusst, meistens als Handlungskomplex. Das ist gewissermassen mein «Autopilot». Teilweise ist es auch recht lustig, was so dabei rauskommt, wenn ich nicht nachdenke oder visualisiere – meistens ein slam oder noch öfter ein Suplex, beides ein Grund, warum ich Training ohne Matten oder mit Anfängern nie als Sparring betrachte, sondern höchstens als eingeschränktes rumspielen, bestenfalls als Drill. Dass es der Suplex ist, widerspricht aus meiner Sicht recht klar der Theorie des «natürlichen» - ein Suplex ist nun mal keine natürliche Handlung, schon gar nicht in der klassischen Form, und er war auch für mich nicht natürlich. Allerdings hat sich der Bewegungsablauf so stark eingeschliffen, dass er zum Reflex geworden ist. Ich habe das Phänomen auch bei anderen Ringern beobachtet – hin und wieder trifft man Leute, die in den Basics gelinde gesagt unterdurchschnittlich sind, aber eine einzelne, unglaublich hoch automatisierte und zum Teil extrem technische Lieblingstechnik haben, die sie sich irgendwann angeeignet haben. Welche das ist, ist meiner Erfahrung nach häufig eine Frage der Schule – will heissen, es ist fast immer eine der klassischen Handvoll an Techniken der Schule, nicht eine x-beliebige, die der Person eben besonders gut zugesagt hat. Das bedeutet, eine der Techniken, für die es in der Schule ein sehr ausgeklügeltes Drillsystem gibt, das standardmässig angewendet wird. Und ich komme nun mal ursprünglich aus einer Suplex-Schule…

    Aber wie gesagt, das sind meine Erfahrungen und meine Sichtweise. Ihr prägt Euch Techniken vielleicht ganz anders ein, nehmt die anders war und visualisiert anders. Das einzige, was ich sagen kann ist, dass für mich die «Programmierung» so durchaus funktioniert hat.

    Beste Grüsse
    Period.
    Link zu meinem Gratis-Ebook "Sei Stark!" über Krafttraining für Kampfsportler: https://archive.org/details/FlaisSeiStark1_1

  8. #8
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    Zitat Zitat von period Beitrag anzeigen
    Dass es der Suplex ist, widerspricht aus meiner Sicht recht klar der Theorie des «natürlichen» - ein Suplex ist nun mal keine natürliche Handlung, schon gar nicht in der klassischen Form, und er war auch für mich nicht natürlich.
    Du wirst es wahrscheinlich nicht glauben, aber der Suplex beruht auf extrem „natürlichen“ Bewegungsmustern, sogar mit den tiefsten und natürlichsten des Gehirns. Sie sind normalerweise nur anderweitig übersteuert.
    Das fällt uns nur schwer zu erkennen, da der Suplex eben den gesamten Körper „benutzt“ und auch vor allem die Rumpfmuskulatur. Das „natürliche“ Nutzen dieser Muskulatur muss man erst wieder lernen.

  9. #9
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    Und schwupp, sind wir bei dem trivialen Thema wie man Bewegungen verinnerlicht, sprich: lernt; was in einer reaktiven Sportart, ohne Kampf nur ein Gähn hervorruft. Wobei, die Bildern da ja inzwischen auch schon. Wie ging das bloß früher...

  10. #10
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    Zitat Zitat von kanken Beitrag anzeigen
    Du wirst es wahrscheinlich nicht glauben, aber der Suplex beruht auf extrem „natürlichen“ Bewegungsmustern, sogar mit den tiefsten und natürlichsten des Gehirns. Sie sind normalerweise nur anderweitig übersteuert.
    Das fällt uns nur schwer zu erkennen, da der Suplex eben den gesamten Körper „benutzt“ und auch vor allem die Rumpfmuskulatur. Das „natürliche“ Nutzen dieser Muskulatur muss man erst wieder lernen.
    Du hast Recht, das fällt mir nicht ganz einfach zu glauben Extrem natürlich, verglichen mit sagen wir einem Double Leg, einem Arm drag oder einem Osoto Gari, deren Grundprinzip im weitesten Sinne des Wortes «nach vorne gehen» bzw. «dranhängen» ist? Bei den «Opferwürfen» im Judo wie Tomoe Nage oder Sumi Gaeshi (Grundprinzip: Hinsetzen) oder Ura Nage (Grundprinzip: Hinlegen) mag das evtl. auch noch angehen. Der Bewegungsablauf, der dagegen einem klassischen Suplex am nächsten kommt, ist dagegen ein Handüberschlag rückwärts aka Flick-Flack.
    Wie dem auch sei: Mir war der Aspekt mit der Erregungstheorie zur Steuerung der Tiefe von Einprägungen tatsächlich wichtiger.

    Beste Grüsse
    Period.
    Link zu meinem Gratis-Ebook "Sei Stark!" über Krafttraining für Kampfsportler: https://archive.org/details/FlaisSeiStark1_1

  11. #11
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    Zitat Zitat von period Beitrag anzeigen
    Du hast Recht, das fällt mir nicht ganz einfach zu glauben Extrem natürlich, verglichen mit sagen wir einem Double Leg, einem Arm drag oder einem Osoto Gari, deren Grundprinzip im weitesten Sinne des Wortes «nach vorne gehen» bzw. «dranhängen» ist?

    ...

    Wie dem auch sei: Mir war der Aspekt mit der Erregungstheorie zur Steuerung der Tiefe von Einprägungen tatsächlich wichtiger.
    Das Problem bei schriftlicher Forenkommunikation ist halt das man erst einmal die Definition von „natürlicher Bewegung“ abgleichen müsste. Ich denke da wird mein Ansatz anders sein als deiner

    Bei der Erregungstheorie bin ich übrigens ganz bei Dir. Daher schrieb ich ja auch „emotionale Kopplung“ von Bewegung. Spielerisch beim Lernen, Stress beim Vertiefen und freien Anwenden.

  12. #12
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    Zitat Zitat von ETARAK Beitrag anzeigen
    Und schwupp, sind wir bei dem trivialen Thema wie man Bewegungen verinnerlicht, sprich: lernt
    Waren wir da nicht von Anfang an? Die Ausgangsfrage bezog sich ja mindestens ebenso sehr darauf, wie man die Blockade umgeht wie darauf, warum sie denn da ist. Meine Antwort darauf in Kurzform: Vertrauen in die Technik aufbauen und Technik festigen über steigende Aufregung bei der Technikdurchführung. Je näher die Bedingungen bei erfolgreicher Technikdurchführung an den "Realbedingungen" liegen, desto tiefer die Einprägung.

    Warum die Blockade auftritt - na, das gibts in anderen Sportarten auch. Der Hauptgrund dafür ist, dass man mit dem Druck nicht klar kommt, anstatt dass man durch den Druck über sich hinauswachsen würde. Und warum kommt man mit dem Druck nicht klar? Weil man ihn nicht gewohnt ist. Und damit wieder zurück zu a.

    Zitat Zitat von ETARAK Beitrag anzeigen
    Wie ging das bloß früher...
    Ganz genauso?

    Beste Grüsse
    Period.
    Link zu meinem Gratis-Ebook "Sei Stark!" über Krafttraining für Kampfsportler: https://archive.org/details/FlaisSeiStark1_1

  13. #13
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    Zitat Zitat von kanken Beitrag anzeigen
    Das Problem bei schriftlicher Forenkommunikation ist halt das man erst einmal die Definition von „natürlicher Bewegung“ abgleichen müsste. Ich denke da wird mein Ansatz anders sein als deiner
    Das mag durchaus sein

    Zitat Zitat von kanken Beitrag anzeigen
    Bei der Erregungstheorie bin ich übrigens ganz bei Dir. Daher schrieb ich ja auch „emotionale Kopplung“ von Bewegung. Spielerisch beim Lernen, Stress beim Vertiefen und freien Anwenden.
    Link zu meinem Gratis-Ebook "Sei Stark!" über Krafttraining für Kampfsportler: https://archive.org/details/FlaisSeiStark1_1

  14. #14
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    @Period:
    Wie schätzt du den Lernerfolgunterschied zwischen Wettkampf (nehmen wir das als Referenz mit 100% an) und Sparring mit einem guten Partner?
    Und was sind deine Emotionalisierungsansätze beim "normalen" Training?

    Und noch ein Gedanke:
    Theoretisch müsste das ja dann auch anders herum gehen - also, dass ich eine vielversprechende Technik verbrenne, weil ich damit in einer Stresssituation versagt habe - hat das schon jemand so erlebt?

    Bei Suplex hätte ich übrigens zumindest den ersten Part der Bewegung (packen+anheben) für natürlich gehalten, das Ende dann aber nicht unbedingt... außer man denkt an die Jagd, wo der unbewaffnete Homo Erectus kleine, wehrhafte Beute gepackt und übern Kopf geworfen haben könnte, quasi als Ersatz des Genickbisses und des Schleuderns - der Suplex wäre dann eine Profivarinte der "Zahnlosen"

  15. #15
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    Kleine Kinder werfen gern im Sitzen Arme und Nase in die Luft und strecken dabei den Torso, so daß sie mit Schwung nach hinten umkippen. Das bringt denen keiner bei. Es ist völlig natürlich. Man darf Bewegung und Anwendung nicht miteinander verwechseln.

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