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Thema: mediocra moralia

  1. #1
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    Standard mediocra moralia

    Moin,
    das hier soll so eine Ist-Stand-Erhebung und Anstoß zum Rumphilosophieren sein und zwar über ein Paar in der (KK)Welt verbreitete Annahmen, die ich zwar sympathisch finde, die mir aber mittlerweile so oft in Erzählungen begegnet sind und so wenig im echten Leben, dass es mir mittlerweile dünkt, es würde sich eher um Bias'e und urban legends handeln.
    So auf Anhieb werfe ich mal zwei Aussagen in den Ring:

    Der Kampf gegen sich selbst ist der schwerste Kampf.

    und

    Die Veteranen schweigen über ihre Erlebnisse, bzw. prahlen nicht damit.

    Beides oft gehört.
    Beides kommt mir mittlerweile als zweite Reifestufe vor, in der die Leute hängen bleiben.
    Also Stufe 1: ich kämpfe, gewinne und prahle (nutze den Gewinn um meinen Status zu festigen).
    Stufe 2: ich bin erfahren genug, habe einen festen Status und muss nicht mehr prahlen (oder gar kämpfen).
    Bei der Stufe 2 könnte es sich allerdings um eine Einbildung handeln - man ist gar nicht so reif, sondern gibt es nur vor, um seinen Status weiter zu festigen - also sieht her, ich bin so erfahren und so bad ass, dass ich damit nicht mehr prahlen muss, ist das goil oder was?
    Klar gibt es Leute, die die echte Stufe 2 erreicht haben, aber die die mir begegnet sind, kann ich an einer Hand abzählen. Warum begegnen also einem solche Annahmen so oft, wo doch die Menschen, die diese Annahmen mit eigenem Auftreten bestätigen so selten sind - bin ich in falschen Kreisen unterwegs und es gibt viel mehr davon? Oder ist es bloß Wunschdenken, weil die dort erwähnte Reife irgendwie auf einen selbst "abfärben" soll?

    Und wie viel ist an den Aussagen selbst sinnvoll? Wenn jemand den Krieg erlebt hat und davon mit viel schwarzem Humor erzählt oder vielleicht damit prahlt - ist er dann ein schlechter Veteran? Ein schlechter Krieger? Ein schlechter Mensch? Welche Qualitäten müsste man demjenigen absprechen? Muss das immer der Dark Knight sein, der leise im eigenen Saft kocht?
    Und wie sähe die Stufe 3 aus?

    Und was ist an diesem Kampf gegen sich selbst (um dem Kampf aus dem Weg zu gehen)?
    Ich habe ja in dem anderen Thread schon die Vermutung geäußert, dass es ein neues Phänomen ist und aus einem "Überfluss" an Zivilisation entstand - früher hat sich die Frage schlicht nicht gestellt (Taktisches Vermeiden, weil man verlieren würde, ausgeschlossen).

    Ich selbst mag Zivilisation und Friedfertigkeit, finde die Gedanken irgendwie sympatisch, habe aber die Befürchtung, dass sie bloß oft geäußertes Wunschdenken sind, oder sowas wie moralischer Stuck.


    Nuja,
    wie sind eure Gedanken und Erfahrungen dazu? Und es wäre cool, wenn ihr die Erfahrungen und Meinungen deutlich kennzeichnen könntet.

    P.S.: der Titel ist eine Anspielung auf Minima Moralia (zig mal versucht zu lesen, jedes mal für zu kompliziert formuliert befunden), welches wiederum eine Anspielung auf Magna Moralia war (nicht gelesen). Da ich kein Latinum hatte, habe ich Google bemüht, festgestellt, dass die Übersetzung nicht ganz zu den ersten beiden passt, das Ergebnis aber als noch treffender empfunden (die Moral des Durchschnitts, statt durchschnittliche Moral)
    Geändert von Lugasch (17-04-2021 um 12:27 Uhr)

  2. #2
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    Ich antworte mal mit Louie Simmons: "Who am I to judge you, and who are you to judge me?"

    Beste Grüsse
    Period.
    Link zu meinem Gratis-Ebook "Sei Stark!" über Krafttraining für Kampfsportler: https://archive.org/details/FlaisSeiStark1_1

  3. #3
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    Link zu meinem Gratis-Ebook "Sei Stark!" über Krafttraining für Kampfsportler: https://archive.org/details/FlaisSeiStark1_1

  4. #4
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    Schon in der Fragestellung klingt mir die Einteilung mit stufe 1 und 2 usw. Zu absolut. Mit absolut ,meine ich , das eine Entwicklung nie wirklich abgeschlossen ist , im Sinne von ,jetzt bin ich auf stufe 2 und das steht geschrieben. Ist beim Menschen in meiner Sicht , nie so . Es ist ein ständiges wechseln , verschieben , switschen von level zu level ( wenn man schon so denkt ) und von Ebene zu ebene .
    Am sinnvollsten für mich ist da immer noch das Bild der Spirale . Man wird mit einem Thema , z.b. angst , konfrontiert und löst es auf einer bestimmten Ebene .daraus ergibt sich eine Art , Lösungszustand , inklusive der zugehörigen Empfindungen , aber damit ist nichts abgeschlossen . Man begibt sich einfach auf eine Ebene höher , man kann auch sagen ,eine Schicht tiefer , und begegnet dort erneut dem Thema Angst .......
    Und so hangelt man sich , Ebene für Ebene empor.....wie eine Spirale halt . ...

    Mit der Zeit , wird der Aufwand zum Lösen geringer und die Wege dazu vertrauter , aber da wir ja im Alltag leben , und weiter Erfahrungen machen , werden wir auch weiter mit diesen Themen konfrontiert werden ......
    Da gibt es keinen status quo.
    Nur ein mit der Zeit verändertes Herangehen , wenn man mit dem Thema konfrontiert wird .

    So sehe ich es auch mit dem Thema Kampf.
    Gerade in jungen Jahren , ist ein Grossteil der Aggression die einem Begegnet , bis hin zu ihrem physischem Ausdruck , eher hausgemacht .....
    Aus Stolz , Übermut , vll. Sogar Lust , Trotz , kindlichem Schwarz/weiss denken , unterdrückte Wut , ........endlose Palette .

    Dein Gegenüber , dein scheinbarer Gegner ,ist nicht selten , nur ein Spiegelbild das dir deine Seiten zeigt die du ablehnst , eine Wand an der du dich abreagierst , .......auf gewisser Ebene , ein Reflexionspartner .

    Das zu erkennen braucht aber Zeit .....aber wenn es stattfindet , dann werden viele Konstellationen die vorher unweigerlich zur Auseinandersetzung geführt hätten , andere Wege finden ...

    So gesehen ist der Krieg im aussen oft nur ein Ausdruck des Krieges , des Kampfes ,in dir . Du kämpfst also gegen dich selbst ..."............... Da dein innerer Kampf , den äusseren Kampf generiert hat.

    Und ja . Ich sehe es auch so, das der äussere Kampf oft , wesentlich leichter zu geWinnen ist , als eben der Innere.
    Da gibt es nie eine abgeschlossene Stufe ..
    Geändert von Cam67 (17-04-2021 um 13:18 Uhr)
    Die verstehen sehr wenig , die nur das verstehen , was sich erklären lässt. ( Marie v. Ebner-Eschenbach)

  5. #5
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    Was den militärischen Krieg angeht .
    Es würde mich wundern ,wenn auch nur Einer ohne Schuld,Scham, und/oder Schmerz ,daraus zurück kommt.

    Ich möchte es nie erleben , ich möchte nie einen Menschen auf Befehl eines mir völlig Fremden , töten wollen und auch nicht müssen.
    Das man vor Handlungen aus Affekten nie gefeit ist , um ev, jemanden zu beschützen , ist eine Sache ,und selbst dann haben nicht Wenige daran zu knabbern hinterher , wenn ein Mensch dabei ums Leben kam , aber bewusst töten ohne EIGENEN Anlass ,ist nochmal nen Zacken schärfer ...

    Also ja, völlig verständlich für mich , wenn man nur im eingeweihten Kreis später darüber redet und auch verständlich wenn man es nie wieder ansprechen will.
    Die verstehen sehr wenig , die nur das verstehen , was sich erklären lässt. ( Marie v. Ebner-Eschenbach)

  6. #6
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    Zitat Zitat von Cam67 Beitrag anzeigen
    Schon in der Fragestellung klingt mir die Einteilung mit stufe 1 und 2 usw. Zu absolut. Mit absolut ,meine ich , das eine Entwicklung nie wirklich abgeschlossen ist , im Sinne von ,jetzt bin ich auf stufe 2 und das steht geschrieben. Ist beim Menschen in meiner Sicht , nie so . Es ist ein ständiges wechseln , verschieben , switschen von level zu level ( wenn man schon so denkt ) und von Ebene zu ebene .
    Am sinnvollsten für mich ist da immer noch das Bild der Spirale . Man wird mit einem Thema , z.b. angst , konfrontiert und löst es auf einer bestimmten Ebene .daraus ergibt sich eine Art , Lösungszustand , inklusive der zugehörigen Empfindungen , aber damit ist nichts abgeschlossen . Man begibt sich einfach auf eine Ebene höher , man kann auch sagen ,eine Schicht tiefer , und begegnet dort erneut dem Thema Angst .......
    Und so hangelt man sich , Ebene für Ebene empor.....wie eine Spirale halt . ...

    Mit der Zeit , wird der Aufwand zum Lösen geringer und die Wege dazu vertrauter , aber da wir ja im Alltag leben , und weiter Erfahrungen machen , werden wir auch weiter mit diesen Themen konfrontiert werden ......
    Da gibt es keinen status quo.
    Nur ein mit der Zeit verändertes Herangehen , wenn man mit dem Thema konfrontiert wird .

    So sehe ich es auch mit dem Thema Kampf.
    Gerade in jungen Jahren , ist ein Grossteil der Aggression die einem Begegnet , bis hin zu ihrem physischem Ausdruck , eher hausgemacht .....
    Aus Stolz , Übermut , vll. Sogar Lust , Trotz , kindlichem Schwarz/weiss denken , unterdrückte Wut , ........endlose Palette .

    Dein Gegenüber , dein scheinbarer Gegner ,ist nicht selten , nur ein Spiegelbild das dir deine Seiten zeigt die du ablehnst , eine Wand an der du dich abreagierst , .......auf gewisser Ebene , ein Reflexionspartner .

    Das zu erkennen braucht aber Zeit .....aber wenn es stattfindet , dann werden viele Konstellationen die vorher unweigerlich zur Auseinandersetzung geführt hätten , andere Wege finden ...

    So gesehen ist der Krieg im aussen oft nur ein Ausdruck des Krieges , des Kampfes ,in dir . Du kämpfst also gegen dich selbst ..."............... Da dein innerer Kampf , den äusseren Kampf generiert hat.

    Und ja . Ich sehe es auch so, das der äussere Kampf oft , wesentlich leichter zu geWinnen ist , als eben der Innere.
    Da gibt es nie eine abgeschlossene Stufe ..
    Hi,
    die Stufen waren nur zur Verdeutlichung da, dass man einen Schritt weiter ist, oder es denkt. Ansonsten bin ich auch ein Anhänger der Spirale.
    Bei dem inneren Kampf - wie ich schon im anderen Thread geschrieben habe: ich würde jederzeit den inneren Kampf vorziehen.

  7. #7
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    Zitat Zitat von Cam67 Beitrag anzeigen
    Was den militärischen Krieg angeht .
    Es würde mich wundern ,wenn auch nur Einer ohne Schuld,Scham, und/oder Schmerz ,daraus zurück kommt.

    Ich möchte es nie erleben , ich möchte nie einen Menschen auf Befehl eines mir völlig Fremden , töten wollen und auch nicht müssen.
    Das man vor Handlungen aus Affekten nie gefeit ist , um ev, jemanden zu beschützen , ist eine Sache ,und selbst dann haben nicht Wenige daran zu knabbern hinterher , wenn ein Mensch dabei ums Leben kam , aber bewusst töten ohne EIGENEN Anlass ,ist nochmal nen Zacken schärfer ...

    Also ja, völlig verständlich für mich , wenn man nur im eingeweihten Kreis später darüber redet und auch verständlich wenn man es nie wieder ansprechen will.
    Da ging es mir um die Idealisierung, nicht ums Verstehen

  8. #8
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    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Da ging es mir um die Idealisierung, nicht ums Verstehen
    Sorry,dann hab ich dich nicht verstanden. was konkret wird idealisiert ,? Der schweigende Veteran ? Der prahlende ? Der Veteran ansich ? Wird für mich nicht so deutlich aus dem Eingangspost.

    Falls es um die Verherrlichung von Veteranen als Kampferprobte Vorbilder , wie ja gern z.b. fremdenlegionäre herangezogen werden , geht , dann bin ich der Meinung , das derjenige welcher sowas noch idealisiert , verherrlicht , in seiner Entwicklung stehen geblieben ist .
    Deswegen ist es in meinen Augen vom Verstehen nicht wirklich zu trennen . Denn Schuld ,Schmerz,Scham sind in jedem von uns vorhanden , aber es braucht Zeit ,und Wille ,dahin zu sehen ., denn es hat auch eas mit unserem Selbstbild zu tun.. ......wenn man es aber dann macht, dann ergeben solche Idealisierungen keinen Sinn mehr .
    Geändert von Cam67 (17-04-2021 um 16:23 Uhr)
    Die verstehen sehr wenig , die nur das verstehen , was sich erklären lässt. ( Marie v. Ebner-Eschenbach)

  9. #9
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    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Die Veteranen schweigen über ihre Erlebnisse, bzw. prahlen nicht damit.
    ... weil Außenstehende gar nicht zu 100 % nachvollziehen können wie die erlebte Realität aussah bzw. aussieht. Wie soll man Leuten, die noch nie mit massivster Gewalt konfrontiert wurden, daß verständlich erklären ? Wir haben hier im Forum viele Leute die von Berufswegen mit Gewalt zu tun hatten/haben, oder sogar selbst Opfer wurden ... da sieht die Diskussion dann anders aus. Ich habe regelmäßig mit Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern zu tun ... auch die müssen sich in die Materie ersteinmal einarbeiten. Manches kennen die nur aus dicken Büchern oder aus dem Hörsaal, aber jemanden gegenüber zu sitzen der sich selbst als " Menschenfeind " bezeichnet oder der in Einzelheiten schildert wie schön doch ein Mord sein kann ... ist was völlig anderes.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Moin,
    das hier soll so eine Ist-Stand-Erhebung und Anstoß zum Rumphilosophieren sein und zwar über ein Paar in der (KK)Welt verbreitete Annahmen, die ich zwar sympathisch finde, die mir aber mittlerweile so oft in Erzählungen begegnet sind und so wenig im echten Leben, dass es mir mittlerweile dünkt, es würde sich eher um Bias'e und urban legends handeln.
    So auf Anhieb werfe ich mal zwei Aussagen in den Ring:

    Der Kampf gegen sich selbst ist der schwerste Kampf.

    und

    Die Veteranen schweigen über ihre Erlebnisse, bzw. prahlen nicht damit.

    Beides oft gehört.
    Beides kommt mir mittlerweile als zweite Reifestufe vor, in der die Leute hängen bleiben.
    Also Stufe 1: ich kämpfe, gewinne und prahle (nutze den Gewinn um meinen Status zu festigen).
    Stufe 2: ich bin erfahren genug, habe einen festen Status und muss nicht mehr prahlen (oder gar kämpfen).
    Was?
    Das scheinen mir doch erst mal Aussagen ohne moralische Wertung.
    Du scheinst mir in der Stufe festzuhängen, eine moralische Stufenleiter erklimmen zu müssen...

    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Bei der Stufe 2 könnte es sich allerdings um eine Einbildung handeln - man ist gar nicht so reif, sondern gibt es nur vor, um seinen Status weiter zu festigen - also sieht her, ich bin so erfahren und so bad ass, dass ich damit nicht mehr prahlen muss, ist das goil oder was?
    Wenn Du von irgendwelchen Erfahrungen erzählst, dann erfahren die anderen nicht, dass Du irgendwelche Erfahrungen hast.
    Was hat das dann mit "seht her" zu tun?
    Wenn Du mit Erfahrungen prahlst, dann bedeutet das, dass Du die als etwas Besonderes ansiehst, was eventuell Ausdruck Deiner Unerfahrenheit ist.
    Das hängt doch auch vom Umfeld ab.
    Ein 13-Jähriges Mädchen, dass zum ersten Mal Geschlechtsverkehr hatte, kann damit in Ihrer Peergroup vielleicht prahlen (zumindest früher)
    Aber kann das eine 30-Jährige Sexdienstleisterin?

    Auf einer Meierei
    Da war einmal ein braves Huhn,
    Das legte, wie die Hühner thun,
    An jedem Tag ein Ei
    Und kakelte,
    Mirakelte,
    Spektakelte,
    Als ob’s ein Wunder sei!

    Es war ein Teich dabei,
    Darin ein braver Karpfen sass
    Und stillvergnügt sein Futter frass,
    Der hörte das Geschrei:
    Wie’s kakelte,
    Mirakelte,
    Spektakelte,
    Als ob’s ein Wunder sei!

    Da sprach der Karpfen: "Ei!
    Alljährlich leg’ ich ’ne Million
    Und rühm’ mich des mit keinem Ton;
    Wenn ich um jedes Ei
    So kakelte,
    Mirakelte,
    Spektakelte -
    Was gäb’s für ein Geschrei!"


    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Klar gibt es Leute, die die echte Stufe 2 erreicht haben, aber die die mir begegnet sind, kann ich an einer Hand abzählen.
    Dir sind Leute begegnet, die Erfahrungen gemacht haben, über die sie schweigen?
    Woher weißt Du dann, dass die solche Erfahrungen gemacht haben?

    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Und wie viel ist an den Aussagen selbst sinnvoll? Wenn jemand den Krieg erlebt hat und davon mit viel schwarzem Humor erzählt oder vielleicht damit prahlt - ist er dann ein schlechter Veteran? Ein schlechter Krieger? Ein schlechter Mensch?
    Nein, das ist jemand, der den Krieg erlebt hat und damit prahlt.
    Prahlen ist ja was anderes, als davon sachlich oder vielleicht mit einer gewissen Selbstironie zu berichten.
    Wenn einer erzählt, dass er unbewaffnet zehn Angreifer niederstreckte ohne seine Frisur zu beschädigen,
    ist das was anderes, als wenn einer berichtet, dass er mit mehr Glück als Verstand aus einer brenzligen Situation rausgekommen ist und sich dabei in die Hosen geschissen hat.


    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Und wie sähe die Stufe 3 aus?
    Das musst Du wissen, das ist doch Deine Stufeneinteilung.

    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    Und was ist an diesem Kampf gegen sich selbst (um dem Kampf aus dem Weg zu gehen)?
    Ich habe ja in dem anderen Thread schon die Vermutung geäußert, dass es ein neues Phänomen ist und aus einem "Überfluss" an Zivilisation entstand - früher hat sich die Frage schlicht nicht gestellt (Taktisches Vermeiden, weil man verlieren würde, ausgeschlossen).
    Dass der schwerste Kampf, der gegen sich selbst sei, kenne ich nicht als Ausrede, einem Kampf aus dem Weg zu gehen.
    In Teilen des Islam gibt es den Begriff des "größeren Dschihad".

    Einzelne schiitische Theologen der klassischen Zeit unterschieden zwischen dem sogenannten größeren Dschihad im Sinne eines spirituellen Kampfes gegen innere Gelüste und dem kleineren Dschihad im Sinne einer militärischen Konfrontation gegen einen äußeren Feind. Das ist auch die Grundlage der nichtmilitärischeren Aspekte der Dschihad Pflicht gegenwärtiger muslimischer Autoren, als auch muslimischer Asketen und Mystiker.

    https://christachorherr.wordpress.co...eine-dschihad/

    Gibt es auch in anderen mystischen Lehren:

    Wer andre kennt, ist klug.
    Wer sich selber kennt, ist weise.
    Wer andere besiegt, hat Kraft.
    Wer sich selber besiegt, ist stark.
    Wer sich durchsetzt, hat Willen.
    Wer sich genügen läßt, ist reich.
    Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer.
    Wer auch im Tode nicht untergeht, der lebt.”


    laotse
    Geändert von Pansapiens (17-04-2021 um 16:47 Uhr)

  11. #11
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    Oha...ich denke, ich fang noch mal von vorne an und stelle die allgemeine Frage getrennt von den beiden Beispielen. Es war vielleicht keine gute Idee beides in einem Post zu verwurschteln.
    Also im Allgemeinen habe ich das Gefühl, dass die Menschen bestimmte Aussagen idealisieren. Diese Aussagen verbreiten sich dann und werden zu einer Allgemeinstandard, an dem alles gemessen wird. Sprich: Wunschdenken wird zu einer Messlatte.
    Das ging mir erstmal so durch den Kopf und weil es öfters eine gute Idee ist sich umzuschauen, wollte ich das mit euren Erfahrungen abgleichen. Also ist euch so etwas begegnet, nicht begegnet, habe ich irgendwas übersehen?
    Die Sachen mit den Veteranen und dem inneren Kampf waren Beispiele für das was ich für zu idealisiert halte. Die Geschichte mit den Stufen mein eigener Erklärungsversuch, wie es zu solchen Überidealisierungen kommen könnte, aber das hätte ich in einem anderen Post schreiben sollen.

  12. #12
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    Neuer Versuch, zweiter Teil:
    "Echte Veteranen schweigen." und "Der schwierigste Kampf ist der, den man gegen sich selbst führt."
    Beide Aussagen sind mir inzwischen sehr oft begegnet.
    Und obwohl ich sie sympathisch finde, frage ich mich, ob sie wahr sind, oder bloß Wunschdenken.
    Es geht also nicht darum, warum die echten Veteranen schweigen, oder ob sie das Recht dazu haben, sondern darum, ob sie wirklich schweigen.

    Und es geht mir nicht darum, was der innere Kampf ist, und ob das der große oder kleine Dschihad ist, sonder darum, ob das für die Masse, oder für euch tatsächlich der schwierigere Kampf ist, oder ob die Leute das nur sagen, weil das so deep klingt.

    Meine eigenen Beispiele kommen in ein Paar Stunden, muss noch was erledigen.

  13. #13
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    Hmh, das ist wie mit " Derjenige der weiss,redet nicht und derjenige welcher redet ,weiss nicht"
    Funktioniert auch nicht als allgemeine Übersicht. Wird wohl genug Menschen geben die durchaus plappern und trotzdem über wissen verfügen ( egal welcher Art) und genug Menschen die Stille sind und dennoch von tuten und blasen keine Ahnung haben .
    Also geht vll, doch eher um den Kern der Aussage und was damit gemeint ist und nicht wieviel Anteile der Bevölkerung hier was idealisieren ?
    Nur so als Gedanke . Xd
    Die verstehen sehr wenig , die nur das verstehen , was sich erklären lässt. ( Marie v. Ebner-Eschenbach)

  14. #14
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    Zitat Zitat von Cam67 Beitrag anzeigen
    Hmh, das ist wie mit " Derjenige der weiss,redet nicht und derjenige welcher redet ,weiss nicht"
    Funktioniert auch nicht als allgemeine Übersicht. Wird wohl genug Menschen geben die durchaus plappern und trotzdem über wissen verfügen ( egal welcher Art) und genug Menschen die Stille sind und dennoch von tuten und blasen keine Ahnung haben .
    Also geht vll, doch eher um den Kern der Aussage und was damit gemeint ist und nicht wieviel Anteile der Bevölkerung hier was idealisieren ?
    Nur so als Gedanke . Xd
    da ist was dran

  15. #15
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    So, nu zu meinen eigenen Beispielen:

    1) Innerer Kampf:
    Habe einen größeren hinter mir, Größenordnung - 10 Jahre, tiefer will ich nicht einsteigen, da zu persönlich.
    Soll ja nur verdeutlichen, dass ich hier nicht komplett ahnungslos bin.
    Für mich ist hier der Begriff Kampf falsch gesetzt, weil das mit Kämpfen wenig bis nichts zu tun hatte und auch die Trennung in Innen und Außen nicht gut funktioniert. Aber Kampf ist halt schön griffig und jeder kann sich was drunter vorstellen. Jedenfalls war es in meiner - äußerst subjektiven - Wahrnehmung eher viel harte Arbeit. Und wenn ich den Schwenk zum Kampf unbedingt bemühen müsste, dann würde ich von sehr zähen und anstrengenden Friedensverhandlungen sprechen, bei denen die innere Welt mit äußeren Umständen den Frieden schließen sollte. Deshalb halte ich den Spruch mit dem inneren Kampf für falsch - weil entweder "Kampf" oder "innen" falsch benutzt werden.
    Ist aber wie gesagt höchst subjektiv und deshalb würde es mich interessieren, ob ihr den inneren Kampf als Kampf (vergleichbar mit körperlichen Kämpfen) anseht und ob eure eigenen "inneren Kämpfe" tatsächlich die schwersten waren, die ihr führen musstet?

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