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Thema: Karate-Wissen kostenlos ...?

  1. #1
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    Standard Karate-Wissen kostenlos ...?

    Hallo,

    am Wochenende erreichte mich eine Nachricht/Botschaft, die ich hier mal zur Diskussion stellen möchte:

    Nach einigem Hin und Her fiel die Aussage, dass "Wissen" kostenlos zugänglich sein müsse, also insbesondere auch Wissen über Karate, seine Geschichte, Lehre usw.

    Mich stimmte das nachdenklich, da ich persönlich eine durchaus hoch zu nennende (pekuniäre) Summe in das Aneignen meines bescheidenen (theoretischen wie praktischen) Karate-Wissens sowie in das Erlangen der Fähigeiten zur Aneignung eben jenenes Wissens investierte. Selbstverständlich geschah dies freiwillig und aus eigenem Antrieb. Doch ohne diesem Einsatz wäre ich heute - was Karate betrifft - sehr viel ärmer dran bzw. würde möglicherweise gar kein Karate mehr betreiben.

    Mich interessieren vor allem Meinungen aktiver Karateka zu dieser Problematik.

    Grüße,

    Henning Wittwer
    Geändert von Gibukai (07-04-2026 um 14:01 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Henning,

    ich halte das für totalen BS. Du investierst Zeit und Geld, um Wissen zu sammeln, aufzubereiten, mitzuteilen, usw. Selbstverständlich muss derlei Arbeit entlohnt werden und man darf damit auch gerne noch etwas verdienen (bzw. sollte unbedingt). Ich kaufe mir bisweilen sogar Bücher, die ich vermutlich nie lesen werde. Einfach um Menschen zu unterstützen, die diese Mühen auf sich nehmen und damit einen Wert für die Karate-Gemeinschaft schaffen. Damit wird man eh nicht reich und ohne Euch Idealisten, wäre die Karate-Community um einiges ärmer.

    Beste Grüße
    Deine stets treu lesende Katamaus

    PS: Wer meint, das sollte kostenlos sein, soll es sich doch einfach selber zusammensuchen.
    „Grau teurer Freund, ist alle Theorie. Und grün des Lebens goldner Baum.“

  3. #3
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    Man ist hier halt eine gewisse Vereinsmentalität gewohnt, wo Kampfkunst einfach nicht viel kosten darf. Außerdem ist das sowieso gegen den Geist des Budo usw. Wenn dann im Gegenzug die Frage gestellt wird, ob man selbst etwas auch kostenlos arbeite, werden große Augen gemacht. Ich würde den Leuten empfehlen, sich ihr kostenloses Wissen doch bitte irgendwo anders anzueignen.

  4. #4
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    Zitat Zitat von FireFlea Beitrag anzeigen
    Man ist hier halt eine gewisse Vereinsmentalität gewohnt, wo Kampfkunst einfach nicht viel kosten darf.
    Oh ja. Bei den Preisen in den CMA bspw. würden da einige ganz schön die Ohren anlegen.
    „Grau teurer Freund, ist alle Theorie. Und grün des Lebens goldner Baum.“

  5. #5
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    Mit einer Gratismentalität zahlt man letztlich drauf.
    "Ich habe alle diese Degen selbst geschmiedet und übe täglich acht Stunden mit ihnen, um einen Piraten töten zu können." "Du brauchst dringend ein Mädchen mein Freund!" (Fluch der Karibik)

  6. #6
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    Sowohl die Aussage "Wissen muss (generell) kostenlos sein" als auch die Bewertung dieser Aussage durch den Zuhörer sind zwangsläufig eng an die tatsächlich existierende oder gewünschte Gesellschaftsform in der Umgebung der Sprecher gebunden. Gesellschaften mit starken libertären, humanistischen oder kommunistischen Zügen mögen diese Aussage ohne Wimpernzucken sofort bejahren. Kapitalisten würden das sofort ablehnen.
    Ganz grundsätzlich kostet der Erwerb von Wissen Geld, selbst wenn das Wissen an sich kostenlos wäre. Nämlich deine eigenen Lebenshaltungskosten während der Lernphase und ggf die Lebenshaltungskosten des Lehrers zu der Zeit. Einiges Wissen wird von der Gesellschaft als so wichtig erachtet, dass sie selber die Kosten trägt: Allgemeinbildende Schulen sind steuerfinanziert. Anderes Wissen hat weniger bis keinen Wert für die Gesamtgesellschaft. Da wir in einer Marktwirtschaft leben ist es also gerechtfertigt und anerkannt, dass solches Wissen etwas kostet. Sei es die Gebühr für die Bücherei, dein Vereinsbeitrag, Seminargebühren oder mehrere tausend Euro für ein Wochenend-Retreat bei einem Guru/Coach/Konzernvertriebler, um dort an dessen "Wissen" teilzuhaben.

    Im Kern ist das also ein politisch-philosophische Frage: Für welche Art von Wissen soll die Gesellschaft die Kosten übernehmen.

  7. #7
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    Naja es braucht vielleicht beides. Ich kann mir nur alle paar Jahre einen teuren Lehrgang leisten. Alles andere muss irgendwie anders funktionieren. Geht aber auch, man muss halt etwas nach den passenden Möglichkeiten suchen. An Reisen nach Japan o.ä. ist für mich nicht zu denken. Allerdings denke ich bezogen auf Bücher, sie haben ihren Wert und dürfen auch etwas kosten. Darauf kann man ja gegebenfalls sparen, wie man auch auf Lehrgänge sparen kann. Beim regulären Training ist es schon anders, dass muss man sich ja regulär leisten können. Da finde ich manche Beiträge schon ganz schön heftig, da würde ich halt nicht hingehen und bin auf die moderatoren Beitragsmodelle angewiesen. Und zum kostenlosen Training, dass darf jeder halten wie er denkt, aber ich praktiziere es so, weil ich selbst auch irgendwie auf diese Bereitschaft angewiesen bin.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Inumeg Beitrag anzeigen
    Sowohl die Aussage "Wissen muss (generell) kostenlos sein" als auch die Bewertung dieser Aussage durch den Zuhörer sind zwangsläufig eng an die tatsächlich existierende oder gewünschte Gesellschaftsform in der Umgebung der Sprecher gebunden. Gesellschaften mit starken libertären, humanistischen oder kommunistischen Zügen mögen diese Aussage ohne Wimpernzucken sofort bejahren. Kapitalisten würden das sofort ablehnen.
    Ganz grundsätzlich kostet der Erwerb von Wissen Geld, selbst wenn das Wissen an sich kostenlos wäre. Nämlich deine eigenen Lebenshaltungskosten während der Lernphase und ggf die Lebenshaltungskosten des Lehrers zu der Zeit. Einiges Wissen wird von der Gesellschaft als so wichtig erachtet, dass sie selber die Kosten trägt: Allgemeinbildende Schulen sind steuerfinanziert. Anderes Wissen hat weniger bis keinen Wert für die Gesamtgesellschaft. Da wir in einer Marktwirtschaft leben ist es also gerechtfertigt und anerkannt, dass solches Wissen etwas kostet. Sei es die Gebühr für die Bücherei, dein Vereinsbeitrag, Seminargebühren oder mehrere tausend Euro für ein Wochenend-Retreat bei einem Guru/Coach/Konzernvertriebler, um dort an dessen "Wissen" teilzuhaben.

    Im Kern ist das also ein politisch-philosophische Frage: Für welche Art von Wissen soll die Gesellschaft die Kosten übernehmen.
    Das ist aus meiner Sicht zu weit gefasst. Denn um die Frage, ob die Gesellschaft die Kosten von Wissen übernehmen sollte, geht es hier denke ich nicht. Mal andersrum gesehen aus der Perspektive des Lehrers - Wissenserwerb, Lehre und die dahinter stehende Arbeit kostet immer etwas, egal in welcher Gesellschaftsform. Der Lehrer erhält für seine Leistung einen Gegenwert, egal ob in der Marktwirtschaft oder in den libertär/humanistischen/kommunistischen Gesellschaften. Wissen kostet. Immer! Die Frage ist, wer zahlt das.

    Bei Leuten wie von Henning beschrieben, habe ich in der Vergangenheit allzu oft eine gewisse Anspruchshaltung wahrgenommen. Man möchte alles auf dem Silbertablett serviert bekommen. Möglichst ohne eigenen Aufwand. Wer sowas mitmacht, ist selbst Schuld.

    Zitat Zitat von Kenko Beitrag anzeigen
    Naja es braucht vielleicht beides. Ich kann mir nur alle paar Jahre einen teuren Lehrgang leisten. Alles andere muss irgendwie anders funktionieren. Geht aber auch, man muss halt etwas nach den passenden Möglichkeiten suchen. An Reisen nach Japan o.ä. ist für mich nicht zu denken. Allerdings denke ich bezogen auf Bücher, sie haben ihren Wert und dürfen auch etwas kosten. Darauf kann man ja gegebenfalls sparen, wie man auch auf Lehrgänge sparen kann. Beim regulären Training ist es schon anders, dass muss man sich ja regulär leisten können. Da finde ich manche Beiträge schon ganz schön heftig, da würde ich halt nicht hingehen und bin auf die moderatoren Beitragsmodelle angewiesen. Und zum kostenlosen Training, dass darf jeder halten wie er denkt, aber ich praktiziere es so, weil ich selbst auch irgendwie auf diese Bereitschaft angewiesen bin.
    Beim Training stellt sich halt ganz einfach die Frage, wie der Trainer seinen Lebensunterhalt bestreitet. Wer einen Job hat und mit kaum Nebenkosten in der örtlichen Turnhalle unterrichtet, kommt mit einer geringen Aufwandsemtschädigung aus. Ein professioneller Lehrer, der damit seinen eigenen Lebensunterhalt bestreitet und noch die Miete der Trainingsräumlichkeiten zahlen muss, muss auch entsprechend Geld verlangen, denn sonst wird von dem bald auch kein Wissen mehr vermittelt.

  9. #9
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    Hallo,

    danke schon mal für all die Rückmeldungen und Perspektiven!

    Für mich besteht der Knackpunkt, wie eingangs angedeutet, darin, dass Karate-Wissen nicht im luftleeren Raum aus sich selbst heraus entsteht. Für mich war/ist dass "selbstverständlich". Die mir unbekannte Person hingegen scheint - zumindest mir gegenüber - zwar den Wert von fundiertem Karate-Wissen hochzuschätzen, aber zugleich nichts dafür zahlen zu wollen ...

    Grüße,

    Henning Wittwer

  10. #10
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    Zitat Zitat von Gibukai Beitrag anzeigen
    Hallo,

    Mich interessieren vor allem Meinungen aktiver Karateka zu dieser Problematik.

    Grüße,

    Henning Wittwer
    Ich bin zwar kein aktiver Karateka (habe es aber auch lange unterrichtet) aber das Thema ist ja nicht wirklich karatespezifisch. Ich habe vor einigen Jahren begonnen mich privat in einem neuen Bereich fortzubilden, der auch primär aus dem Ausland kommt (Südafrika und USA). Die Lehrgängen (der Wissenserwerb) kostet dort auch Geld und das ist auch völlig in Ordnung, haben die "Pioniere" doch ihrerseits noch viel höhere Kosten in Kauf genommen, um das alles hier her zu bringen. Darüber hinaus profitiert man auch davon, wenn sich Leute Vollzeit mit deinem Thema beschäftigen. Das geht (fast) nur, wenn sie ihr Wissen dann auch gegen Geld vermitteln können.
    Das ist für Karate nicht anders. Was ich aber kritisch sehen würde, ist wenn es nicht auch primär darum ginge, dass "alte" Wissen am Leben zu erhalten und die Vermittlung zum reinen Geschäftsmodel wird. Ein Beispiel dafür: Ich kann jederzeit Fragen an meine "Lehrer" schicken und sie werden beantwortet, darüber hinaus gibt es einen regen Austausch über WhatsApp / Signal oder spezielle Foren, die sind ebenfalls kostenlos (letztere nach Absolvierung der dazu gehörigen Lehrgänge).
    Genau so sehe ich das auch für Karate. Du verweist hier auch oft auf deine Bücher für mehr Informationen. Auch dies empfinde ich als völlig legitim.
    Viele Grüße
    Thomas
    https://www.thiele-judo.de/portal/

    The reality is, you can say ANYTHING you want. You just have to be willing to face the consequences of your choice.

  11. #11
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    Hallo Thomas,

    schon in Ordnung und danke auch Dir für Deine Perspektive!

    Ich frage deswegen "vor allem aktive Karateka", weil Karate (oder all das, was heute als "Karate" aufgefasst wird) hierzulande gerade nicht als etwas Vollwertiges, Leben erfüllendes gesehen wird, sondern oft (?) nur als eines von mehreren (austauschbaren) Hobbies. Diese Haltung wurde/wird auch hier im Forum von einigen Mitschreibern pointiert hochgehalten, fast so, als sei es schäbig, das anders zu sehen. Möglicherweise hängt die Forderung nach "kostenlosem Karate-Wissen" damit zusammen, doch das weiß ich nicht ...

    Grüße,

    Henning Wittwer

  12. #12
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    Zitat Zitat von Gibukai Beitrag anzeigen
    Hallo Thomas,

    schon in Ordnung und danke auch Dir für Deine Perspektive!

    Ich frage deswegen "vor allem aktive Karateka", weil Karate (oder all das, was heute als "Karate" aufgefasst wird) hierzulande gerade nicht als etwas Vollwertiges, Leben erfüllendes gesehen wird, sondern oft (?) nur als eines von mehreren (austauschbaren) Hobbies. Diese Haltung wurde/wird auch hier im Forum von einigen Mitschreibern pointiert hochgehalten, fast so, als sei es schäbig, das anders zu sehen. Möglicherweise hängt die Forderung nach "kostenlosem Karate-Wissen" damit zusammen, doch das weiß ich nicht ...

    Grüße,

    Henning Wittwer
    Das würde ich nicht unbedingt so sehen, denn viele sind bereit sehr hohe Summen in ihre Hobbies zu investieren. Wenn jemand bspw. "nur" Hobbyfotograf ist, sind schnell mal ein paar tausend Euro weg. Es ist schlussendlich auch eine Frage der Priorisierung. Warum ist jemand bereit, viel Geld für einen Shureido Gi auszugeben aber Training oder ein Buch darf nichts kosten?
    Geändert von FireFlea (08-04-2026 um 13:22 Uhr)

  13. #13
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    Ich würde sagen, die Diskussion ist genauso legitim (oder eben nicht) wie bei anderen Themen - kann ich z.B. erwarten, dass ein Lehrer, Uniprofessor, Arzt etc. sein Wissen kostenlos weitergibt? Wenn die Gesellschaft dessen Rechnungen zahlt würde ich sagen "grundsätzlich ja, sofern dies in der geregelten Arbeitszeit erfolgt". Ist dies aber nicht gegeben und / oder bewegt man sich ausserhalb der geregelten Arbeitszeit, dann kann m.E. jede*r die Bedingungen für die Weitergabe des eigenen Wissens nennen.

  14. #14
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    Wir gesagt, ich habe nichts dagegen, dass Menschen ihr Wissen für Geld weitergeben. Ich kann mir dies nur sehr selten leisten. Werde mich aber durchaus in absehbarer Zeit auf einem Seminar tummeln, wo der Anbieter Geld mit verdient. Insofern finde ich es OK. Ich kann es mir nur nicht dauerhaft leisten. Ist aus meiner Sicht auch nicht nur eine Frage der Prioritäten. Vielleicht haben verschiedene Menschen unterschiedlich viel Geld infolge ihrer Erwerbsarbeit und müssen infolge dessen unterschiedliche Entscheidungen treffen.

  15. #15
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    Hallo,

    ja, scheinbar auch Priorisierung. In dem jetzt konkreten Fall weiß ich, dass diese mir unbekannte Person auf jeden Fall Geld für teure Karate-Kleidung erübrigt ...

    Grüße,

    Henning Wittwer

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