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Thema: Maestro Marangoni - Ein Juwel aus dem Norden Italiens

  1. #1
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    Standard Maestro Marangoni - Ein Juwel aus dem Norden Italiens

    Die Spazierstock- und Messerschule aus der Emilia-Romagna




    Ein wahrer Meister der Fechtkunst ist der großartige Maestro Remo Marangoni (nicht zu verwechseln mit Maestro Merendoni!) aus der Gegend um Ravenna. Nach Empfehlung seitens meines Freundes, Trainingspartners und Lehrers, Gianluca Verdini, erhielt ich am Freitag, 22. Juni 2006 Audienz beim Maestro.

    Maestro Marangonis Steckenpferd ist das Spazierstockfechten. Seine Technik basiert auf der alten italienischen Schule der molinelli stretti (Deut. enge Wirbelschläge), die, nachdem speziell die Norditaliener sich von der franz. Cannes beeinflussen ließen, von den mittel- und süditalienischen und insbesondere von den neapoletanischen Schulen weitergepflegt wurde.

    Die Schule der molinelli stretti verfügt nicht über die bei der Cannes auftretenden Drehungen oder den weit ausholenden Bewegungen. Das System ist recht unscheinbar und auf das Wesentliche beschränkt.

    Unser Gespräch nahm jedoch eine andere Wendung und über das Spazierstockfechten gelangten wir zu deren Herstellung (Maestro Marangoni gilt in Italien als Kapazität in der Herstellung von Kampfstöcken und Messern) und befanden uns plötzlich inmitten eines Diskurses über die Unterschiede der verschiedenen Messerschulen Italiens.

    Während ich dem Maestro meine Eindrücke der von mir erlernten Systemen schilderte, erläuterte dieser mir seine Meinung über deren Vor- und Nachteile. Danach überreichte er mir den Schlüssel zu einer Methodik des Coltello Settentrionale oder besser, Coltello Romagnolo, einem ursprünglichen Messerkampfsystem aus dem Norden Italiens, welches aber in seiner jetzigen Form wesentlich von Marangoni beeinflußt wurde.

    Es ist bezeichnend für Norditaliener, dass ihre Systeme keinen Namen haben. Man spricht einfach vom coltello, dem Messer. Diese Methodik basiert vollends auf fechterischen Prinzipien. Sie beginnt mit dem Ziehen der Waffe. In der taktischen Vorgehensweise sind keine Schnitttechniken vorgesehen, da diese aus Sicht dieser Romagnoli stets einer Ausholbewegung bedürfen. Die freie Hand wird ähnlich einem Schilde eingesetzt. Gezielte Gegenkonter ins Tempo bilden den Wesenszug dieser Schule.

    Ein Hauptaugenmerk wird auch auf die cavazioni, den Umgehungsstößen, gelegt. Diese erfolgen in Kombination mit einer dazugehörigen Winkelschrittarbeit, auf der Innenbahn in zweiter- und erster Faustlage und auf der Außenbahn in zweiter- beziehungsweise vierter Faustlage.

    Die svincolamenti, die Befreiungen von Griffen, bilden, gepaart mit der lotta, dem Nahkampf, den Abschluß des Lehrweges. Wobei der Maestro erklärte, dass die didaktische Reihenfolge in dieser Schule nicht ausschlaggebend sei.

    Maestro Marangoni ist ein Juwel von einem Menschen und ein großartiger Didakt und Könner. Das Wenige, dass ich in der Kürze der Zeit erfahren durfte ist voller Reinheit. Mit großem Respekt überreiche ich ihm meinen Dank und widme ihm diese wenigen Zeilen.



    Roberto Laura
    Geändert von roberto (30-06-2007 um 09:11 Uhr)
    "Je vollkommener eine Sache, desto empfindlicher
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    ." Dante, »L'inferno«

  2. #2
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    Zitat Zitat von roberto Beitrag anzeigen
    Nach Empfehlung seitens meines Freundes, Trainingspartners und Lehrers, Gianluca Verdini, erhielt ich am Freitag, 22. Juni 2006 Audienz beim Maestro.
    War der 22. Juni 2006 nicht ein Donnerstag ?

    Toller Bericht

    Viele Grüße,

    Trinculo

    P.S.: Unterrichtest Du seine Methode des Coltello Settentrionale?
    But if they tell you that I've lost my mind
    Baby it's not gone just a little hard to find

  3. #3
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    Zitat Zitat von Trinculo Beitrag anzeigen
    War der 22. Juni 2006 nicht ein Donnerstag ?

    Toller Bericht

    Viele Grüße,

    Trinculo

    P.S.: Unterrichtest Du seine Methode des Coltello Settentrionale?

    Nö, war ein Freitag! Klar unterrichte ich die Methode ... es ist ja nicht viel Zeug.

    R.
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