Roman von Ralf
Hallo zusammen,
ich möchte die ganze Sache mal aus meiner Sichtweise darstellen und mal auf ein paar Dinge aufmerksam machen, die sagen wir mal mein Unbehagen erregen.
Ich denke es ist jedem, der einigermaßen bei normalem Verstand ist klar, dass man einen Fauststoß zum Kehlkopf bzw. einen Fingerstich zu den Augen nur dann einsetzt, wenn man sich einem extremen Bedrohungspotential ausgesetzt fühlt.
Diese Techniken aber generell zu verdammen bedeutet gerade körperlich unterlegenen in extremen Situation ein wichtiges Hilfsmittel zu entziehen.
Ich kenne einen realen Fall, in dem es einer Frau die keine Kampfkunstkenntnis hatte unter der Wirkung eines angebrochenen Nasenbeins noch gelang einen potentiellen Vergewaltiger mit einem Fingerstich in die Augen so lange kampfunfähig zu machen, dass sie sich aus der Gefahrenzone entfernen konnte. Mit welcher angeblich kontrollierten Technik hätte sie ähnliches unter den gegebenen Bedingungen noch erreichen können?
Ich selbst sah mich in meiner frühen Jugend einmal gezwungen einem Kontrahenten mit dem Finger in das Auge zu stechen. Wenn man sich auf dem Boden unter einer Person befindet und hört, dass seine Freunde bewaffnet hinzukommen mit Sätzen wie <<Jetzt schlagen wir ihn tot>> dann wird man eine geringe Neigung dazu verspüren, bei dem anderen einen Kipphandhebel anzusetzen. Und ja ich hatte massive Angst dabei.
derjenige der dies geschrieben hat (Julian) soll doch hier mal darstellen wie er es erreicht in einer gefährlichen Situation keine Angst zu haben. Ich habe noch nie jemanden getroffen der in einer realen Bedrohungssituation keine Angst hat und dem gleichzeitig Psychologen einen normalen Verstand zubilligen.Menschen die Angst haben erzeugen Gewalt.
Ein weiterer Punkt der mich immer wieder auf die Palme bringt ist die Geschichte mit der sagenumwobenen Kontrolle
Die angebliche Kontrolle ist doch wohl das größte Ammenmärchen das es gibt. Das Schlimme daran ist, dass sich gerade auch Juristen häufig dieses Wortes bemächtigen ohne eine Ahnung davon zu haben, welchen Schwachsinn sie von sich geben.ich habe Budoka gesehen, die eine Schnelligkeit und Kraft haben, dass sie es gar nicht nötig haben schwere Verletzungen zuzufügen. Es ist alles nur eine Frage des Levels.
Was ist den die Kontrolle im Ernstfall. Welcher Kampfsportler hat denn jemals erlernt mit welcher Kraft an welcher Stelle er in Abhängigkeit der Anatomie des Gegenübers welche Wirkung erzielt.
Tatsächlich ist es doch so, dass kein Mensch, der nicht reihenweise ohne Handschuhe andere Menschen zusammenschlägt, sagen kann, welche Auswirkung sein Schlag beim anderen hat. Es gibt Leute die stecken einen harten Schlag zum Kopf locker weg. Andere brechen bei einem leichten Schlag zum Bauch schon zusammen, weil sie z.B. gerade in der Phase des Einatmens ungünstig getroffen wurden. Wiederum andere sterben an der Folge eines Schlages in den Bauchraum, weil sie zufällig eine volle Blase hatten welche unter der Einwirkung des Schlages zu Bruch ging. Wiederum andere lachen über einen massiven Kick in den Unterleib.
Wer will hier also hinstehen und behaupten, dass er von vornherein die Wirkung eines Schlages voraussehen kann.
Die ganze Sache wird noch schlimmer, wenn man unter Adrenalin steht und die Zieloptik unter diesen Bedingungen eben nicht so gut funktioniert wie in der angenehmen Hallenatmosphäre.
Außerdem sollten die Leute, welche hier von Kontrolle reden auch mal erklären, wie man die Physik überlistet und den Gegner dazu bringt sich so zu verhalten, wie man es antizipiert hat.
Ein durchgeführter Schlag benötigt im Nahkampfbereich in welchem viele SV Situationen entstehen eine Schlagzeit von einer zehntel Sekunde oder weniger. Die optische Reaktionszeit liegt aber deutlich darüber. D.h. ein Schlag der vom Gehirn befohlen wurde kann nicht mehr Veränderungen angepasst werden.
In einer zehntel Sekunde kann sich aber der Angreifer durchaus im Bereich eines Meters bewegen. D.h. wenn der Angreifer sich nicht wie antizipiert bewegt, dann kann ein Schlag der auf dem Kinn landen sollte durchaus auf dem Kehlkopf landen oder im anderen Falle kann er auch am Ziel vorbeischießen.
Die Auswirkung dieses Faktes kann man in jedem Boxkampf sehen, wenn ein Angreifer den zweiten Schlag einer Dublette bringt, obwohl der Gegner bereits beim ersten Schlag abgetaucht ist und das eigentliche Ziel gar nicht mehr da ist.
Die sagenumwobene Kontrolle bedeutet also nichts anderes, als dass man an eine Stelle schlägt an der man VERMUTET man könnte eine Schlagwirkung erzielen, die den Gegner kampfunfähig macht, aber ihn nicht massiv verletzt. Sie bedeutet ferner dass man HOFFT, dass sich der Gegner auch so verhält wie man es erwartet und sich nicht plötzlich ganz anders dreht und wendet als antizipiert wurde. Und sie bedeutet, dass man betet, dass der Mensch über keine anatomischen Voraussetzungen verfügt, die entweder den Schlag verpuffen lassen oder (anderes Extrem) zu massiven Verletzungen führen.
D.h. die angebliche Kontrolle ist nichts als ein massives Verlassen auf Glück unter Bedingungen, bei denen der Angreifer alles Mögliche tut, dass ein kontrolliertes Vorgehen gar nicht erst eintreten kann.
Um zu sehen wie sich angebliche Kontrolle in der Realität auswirkt muss man ja nur auf eine Karatemeisterschaft im traditionellen Karate gehen. Dort wird ja bekanntlich perfekt abgestoppt. Wie viele Meisterschaften gibt es denn in denen es nicht zu Verwarnungen und Disqualifikationen wegen unerlaubtem Kontakt kommt. Wie viele Kämpfe gibt es dort ohne Verwarnungen. Und es sind eben nicht grundsätzlich die Anfänger, denen dieses wiederfährt. Pat Mc Cay mehrfacher Karate Weltmeister erzählte, dass er einmal Vizeweltmeister wurde, weil er seinem Finalgegner mit einem Mawashi Geri die Nase eingeschlagen hat. Sollte es sich bei einem Weltmeister und einem Vizeweltmeister im Karate nicht angeblich um Leute mit perfekter Kontrolle handeln? Da fällt mir auch ein ehemaliger Karatelehrer ein, der deutscher Meister im Kumite war und in einem Turnier seinem massiv unterlegenen Gegner mit einem Mai Geri das Zwerchfell irreversibel deformiert hat.
Nein die Kontrolle ist ein Märchen, welches schon an der menschlichen Reaktionszeit scheitert.
Wenn hier aber jemand ist, der behauptet kontrolliert schlagen zu können, dann soll er doch bitte erklären, wie er es gelernt hat unabhängig vom Gegenüber mit absoluter Sicherheit unter Stressbedingungen, die angeblich kontrollierte Wirkung zu erzeugen. An solch einem Training wäre ich wirklich interessiert. Aber wie bitteschön sollte dies ohne Menschenversuche funktionieren?????
Sorry aber diese Aussage ist an Arroganz wirklich nicht zu überbieten. Ich denke die Menschen die Opfer eines Tötungsdeliktes geworden sind wären zum großen Teil auf die Idee gekommen davonzulaufen, wenn sie diese Option gehabt hätten. Nur bei den meisten stand diese Option nicht zur Verfügung. Wer hier den Leuten im Falle einer Todesbedrohung auch noch die Mittel nimmt, die am ehesten Wirkung erzielen und dann noch suggeriert man könnte die Angst die ein Mensch in solch einer Situation empfindet einfach durch Training abstellen, der muss sich schon fragen lassen auf welcher Erfahrung seine Behauptungen basieren. Meines Erachtens handelt es sich hier eher um wilde Spekulation.Wenn Dich jemand töten will. Wirklich töten will. Dann nimm die Beine in die Hand und rede nicht von irgendwelchen Verstümmelungstechniken. Das zeigt nur wieder wieviel Angst Menschen haben, dass sie sich selbst nicht kontrollieren können.
Menschen die Angst haben erzeugen Gewalt.
Nun ich frage mich wer hier labert. Schläger sind Leute die eine auf sie optimierte Kampfkunst (ihre eigene), welche sich für sie schon als erfolgreich herausgestellt hat, unter den Bedingungen trainieren unter denen sie gebraucht werden, nämlich in der Realität. Sie haben ferner den Vorteil, dass sie Ort und Zeitpunkt der Handlung aussuchen und damit das potentielle Opfer häufig da erwischen, wo dieses gar nicht mit einer Konfrontation rechnet. Ferner fühlen diese Leute sich nicht an Gesetze gebunden oder gehen gar kontrolliert verhältnismäßig vor.Die meisten Schläger sind keine Gegner für einen trainierten Menschen, wenn dieser auch seinen Geist gestärkt hat. Der Schläger hat eine Heidenangst sonst würde er es nicht nötig haben sich Opfer zu suchen. Schläger sind nicht die ultimativen Kampfmaschinen es sind schwache Menschen die man mit jahrelanger Übung kontrollieren kann.
Alles andere ist gelabber.
Die angeblich kontrollierten Budoka machen dagegen zum großen Teil Hallensport in angenehmer Umgebung unter kontrollierten Bedingungen.
Dies ist der Grund weshalb Mc Young davon spricht, dass traditionelle Budoka seine Lieblingsgegner auf der Straße sind.
Der Einsatz besagter Techniken ist keine kranke Gewaltphantasie sondern ein Mittel welches zur Verfügung steht, wenn extreme Situationen auftreten. Wer z.B. einer Frau mit 50kg gegen einen 90kg schweren Mann kontrollierte Techniken verordnet, der disqualifiziert sich im Bereich der SV selbst.Wer sich nicht sicher fühlt sollte bei sich suchen und nicht kranke Gewaltphantasien entwickeln.
Die kenne ich auch. Sie sind in der Regel 2m groß wiegen 150kg und bestehen zum großen Anteil aus Muskelmasse.Ich weiß es, weil ich grundfreundliche Menschen kenne, die eine solche Energie ausstrahlen, dass der Wunsch an Angriff gleich Null ist. Wenn man das erreicht hat, dann ist alles andere nur gerede.
Dies ist doch blanke Theorie. Das Ganze geht davon aus, dass man sich die Bedrohung wie im Gerichtssaal üblich ruhig und gelassen betrachten kann und nach reichlicher Überlegung dann die geeigneten Schritte vornehmen kann.geschrieben von Bokuto:
Oder für dich nochmal frei übersetzt, Fister: Haust du über die Stränge gibts was auf die Mütze von Vater Staat. Wenn du in der Lage bist, eine Auseinandersetzung als so gefährlich zu identifizieren, dass du deinen Gegner theoretisch vorsorglich unverhältnismäßig bekämpfen müsstest, um selbst zu überleben, setzt der Gesetzgeber voraus, dass du genug Geistesgegenwart hast, um die Auseinandersetzung zu vermeiden. Wenn einer ungeübten Person so etwas aus Versehen passiert, ist das okay - bei Menschen mit Kampferfahrung wird anders verfahren. Zufrieden? Konkret genug? Okay, dann geh zurück an den Sandsack und lass deine Aggressionen da aus. Dann kann man dich wenigstens nur noch wg. Lärmbelästigung anzeigen.
Wer mal gesehen hat, wie z.B. gerade die verbalen Deeskalationsfähigkeiten von Juristen (von allen anderen Menschen übrigens auch) gegen Null gehen, wenn sie in Muggingübungen jemandem gegenüberstehen, der sie massiv verbal und körperlich bedroht, der weiß wie man das Geschwafel vom überlegten Handeln in Bedrohungssituationen zu werten hat. Vor allem wenn man bedenkt, dass dies ja eigentlich nur eine Übung ist.
Häufig entstehen starke Bedrohungen aus der Situation heraus und sind nicht von vornherein vorhersehbar. Gerade eine schleichende Eskalation der Gewalt, welche von Straftätern häufig bevorzugt verwendet wird, überfordert die meisten angeblich so kontrollierten Budoka massiv.
Zum Abschluss möchte ich noch mal betonen, dass ich es natürlich nicht für richtig halte Fingerstiche zu den Augen oder Schläge zum Kehlkopf als generelles Primärmittel der Verteidigung zu verwenden. Wer aber diese Techniken generell verurteilt und dann auch noch etwas von kontrolliertem Vorgehen redet, der erregt diplomatisch gesagt mein Missbehagen.
Gruß Ralf




