
Zitat von
SifuSeifenzwerg
Mal eine Frage an die CQC-Fraktion:
Der Chin Jab wird oft als eine Art Kronjuwel der CQCler dargestellt.
Wenn wir einmal aber die Woche sparren, ergibt sich für mich selten eine
Chin Jab Situation. Die Technik setzt ja imho voraus, dass das Gegenüber in der Mitte offen ist - wer ist das heute schon? Der Face Smash ('Tigerkralle')
passt bei mir eigentlich immer besser, damit kann ich auch die Deckung heruterreissen. Ist schon fast eine 'Universallösung' gegen halbwegs aufrecht stehende Gegner.
Hab ich da einen Denkfehler?
Edit: Wir orientieren uns in der Hauptsache an Jim Grover, kennen aber wohl natürlich so ziemlich alles, das im Netz kursiert.
Inzwischen sind wir ja einige Interessierte in der CQC-Richtung, da können wir tatsächlich bald einen Stammtisch aufmachen :-))).
Zur Frage: Ist da ein Denkfehler? Ja, in gewisser Weise schon. Deine Frage - so wie Du sie gestellt hast - impliziert, dass Du Dich fragst, wie Du den ChinJab am besten anbringen kannst.
Das ist aber nicht der Sinn der Combatives-Techniken. Es ist genau umgekehrt: welche Technik diktiert mir die Situation?
Wenn Du (im Training oder "real") nur Situationen erlebt hast, in denen der ChinJab nicht angebracht war, dann ist das halt so. Das kann z.B. mit Deiner Art, Dich im Kampf zu bewegen, zusammenhängen.
Der ChinJab ist eine Technik für den extremen Nahbereich, wenn ich präventiv angreife oder wenn ich in der Nahdistanz ihn entsprechend vorbereitet habe (das Beispiel von Fister mit der Pistolenabwehr - da hätte der gute Mann theoretisch ja auch einen Ellenbogenschlag nehmen können oder wenn ich im Clinch den Kopf mit der einen Hand nach hinten drücke und mit der anderen einen ChinJab setze).
Er wird oft auf Bildern gezeigt, das heißt aber nicht, dass er die utimative CQC-Technik ist. Ich denke mal, dass es eher die Dramatik ist. Ein Handkantenschlag ist halt auf Fotos nicht so beeindruckend wie der ChinJab.
In diesem Zusammenhang ist es ganz interessant, dass Fairbairn gegen Ende des Krieges in der waffenlosen Ausbildung nur noch den "Axe Hand" unterrichtet hat, da es sich herausgestellt hat, dass mit dieser Technik die meisten waffenlosen Situationen zufriedenstellend gelöst werden konnten 
Gruß
Stoiker
"Attack, attack, attack - come at your target from every possible direction and press until his defenses overload. Never give him time to recover his balance: never give him time to counter." (Stover)