Das ist natürlich das generelle Problem mit den Kata. Die Diskussion nimmt für mich schon teilweise Züge einer Bibelexegese an.
Diese Aussage kenne ich von meinem Sensei. Ich habe ihn mal, nachdem ich hier einen anderen Thread über Bunkai etc verfolgt hatte, in dem gesagt worden war, dass das eigentlich eine relativ neue Entwicklung sei, danach gefragt. Er hat Mitte/Ende der 60er mit Karate angefangen und bestätigt, dass der Begriff 'Bunkai' damals nicht geläufig war. Allerdings habe man Partnertraining auf Basis der Kata gemacht, auch mit Hinblick auf SV und Wettkampf. Und dies sei ziemlich effektiv gewesen.Was mich betrifft kann ich nur sagen dass vor ca. 30 Jahren als ich mit Karate begann Bunkai kein verbreitetes Mittel im Training war. Bei uns versuchte man SV und Wettkampftechniken in Partnerübungen zu verwenden.
Die Prinzipien, die Abernethy darlegt, finde ich aber nachvollziehbar und nicht steril. Gerade, wenn man sich seine Videos anschaut. Kleines Bsp (falls bekannt, bitte ignorieren):Wenn man so trainiert hat, sieht man geradezu sterile Partnerübungen aus dem Bunkai selbst die von Abernethy, unter einem anderen Licht. Dazu kommen dann noch die falschen Interpretationen der Kranich Techniken, aber allein um dies zu erläutern bräuchte ich Seiten.
PS: Um es klar zu sagen, dass ist „nur“ meine Meinung.
Die Anfangssequenz aus der Heian Nidan: Als Problem des 'Standardbunkais' (Angriff Tsuki von der Seite->Doppelblock, nochmaliger Angriff Tsuki -> Blocken und Arm 'fangen' bzw brechen und Hammerschlag) nennt er:
1) Angriff von der Seite -> Unwahrscheinlich, da im realen Szenario die Opponenten sich eher frontal gegenüberstehen
2) 1. Block: Nur ein Arm 'macht' was
3) 2. Tsuki: Man erwartet, dass Tori eine *bestimmte* weitere Aktion ausführt. Was passiert also, wenn Tori sich nicht wie erwartet verhält (er sagt es so: Bunkai is something you should do to your partner, not with your partner) ?
Seine Entgegnung darauf ist also: Es sei wahrscheinlicher, dass die erste Sequenz eine Reaktion auf den 'typischen' Schwinger (haymaker) ist. Sein Bunkai sieht also wie folgt aus:
1) Beide stehen sich gegenüber und Tori macht den Schwinger
2) Uke geht in Kokutsu-Dachi in die Distanz rein und blockt mit Age-uke. Der vordere Arm (der im Standard-Bunkai blockt) greift von außen in das Ellenbogengelenk. Das Kreuzen der Arme, das im Standard-Bunkai den 2. Tsuki abwehrt, ist hier dann ein Hebel (der Ellenbogen von Tori wird also nach innen gezogen und das Handgelenk nach außen gedrückt)
3) Der Hammerschlag hat dann nur noch die Rolle eines Plan B: Sollte der Hebel schief gehen (Ellenbogen nicht richtig erwischt, etc), dann kommt der eben zum tragen.
Ich will hier nicht diskutieren, ob Abernethy hier der Weisheit letzter Schluß ist. Er behauptet das ja auch nicht von sich. Aber steril finde ich diese Analyse nicht. Und die erfolgreiche Anwendung steht und fällt natürlich damit, dass man die im Partnertraining macht.
Gruß





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