Hallo,

(1) G. Funakoshi unterscheidet einmal den Tsuki-Banashi (突き放し loslassender Stoß), der im Augenblick des Einschlags schon wieder zurückgerissen wird, und den Tsuki-Komi (突き込み hinein drängender Stoß), der eben nicht unmittelbar zurückgezogen wird. Beide können in Verbindung mit der „Technik“ Hiki-Te, die eine Annahme des gegenerischen Angriffs beinhaltet, eingesetzt werden. Also führt z. B. meine rechte Hand Hiki-Te aus, während meine linke Hand Tsuki-Banashi oder Tsuki-Komi einsetzt. Wenn ich die erste Frage richtig verstanden habe, dann ist das meine Antwort darauf.

(2) G. Funakoshis „Hiki-Te“ bezieht sich auf eine Annahme. Um sie umsetzen zu können, ist ein echtes Verständnis für Timing, Abstand usw. erforderlich. Das ist auch der Grund, weshalb ich oben nochmal auf G. Funakoshis Handtechniken hinwies. Denn bloßes Gegreife, wie es in all den „Bunkai“-Filmchen zu sehen ist, hat nicht wirklich etwas mit seiner Beschreibung von Hiki-Te zu tun.

(3) Das Tekki-Beispiel hat nun nichts mehr mit der Handtechnik „Hiki-Te“, wie sie von G. Funakoshi beschrieben wird, zu tun. Dabei geht es um die rein gestuelle Erscheinung in den Kata: eine Faust wird zurück an eine Hüfte gezogen bzw. eine Faust (Hand) befindet sich an der Hüfte. Diese Unterscheidung bitte ich zu beachten. Wie schon geschrieben, hängt es in diesem Fall (wie meistens) von der konkreten Übertragungslinie bzw. dem spezifischen Lehrgebäude ab, w i e Tekki ausgeführt wird. Ich weiß, dass einige Leute eine Art „Hüftdrehung“ in Tekki ausführen. In meinem Fall gibt es diese Hüftdrehung nicht, weil sie nichts mit (m)einer spezifischen Art der Krafterzeugung zu tun hat. Für die Krafterzeugung (oder dem Erlernen derselben) ist in meinem Fall aber die „Hand an der Hüfte“ von Bedeutung. Wir trainieren das praktisch, daher weiß ich, dass es nichts bringt, den Sinn dieser „Hand an der Hüfte“ und der Krafterzeugung allgemein mit Worten zu beschreiben. Selbst im regelmäßigen Training dauert es lange, bis es „Klick!“ macht. Daher möchte ich bloß diesen Link anbieten, wo ich mehr zum Sinn und Zweck der Tekki-Serie schrieb (für diejenigen, die es interessiert):

Henning Wittwer und Karate-D?: Tekki – Über den Zweck und den Sinn einer Kata

(4) Ich bezweifle, dass ein Gōjū-Ryū-Lehrer (alte) Shōtōkan-Techniken kennt. Ich bezweifle nicht, dass er ähnliche oder gleiche Wort benutzt. Das heißt aber nicht, dass sie inhaltlich dasselbe beschreiben.

Grüße,

Henning Wittwer