Der Grund, warum in den meisten Aikido-Stilen keine Übungskämpfe durchgeführt werden, ist die Tatsache, dass sich die meisten Aikido-Techniken für eine unbewaffnete Auseinandersetzung nur schlecht eignen. Auch beim im Aikido vorherrschenden Training ohne Waffen bleibt die Logik diejenige eines bewaffneten Kampfes. Die im Aikido üblichen Griffe am Handgelenk ergeben in einem Box- oder Ringkampf wenig Sinn, allerdings sieht die Sache anders aus, wenn der gegriffene Arm ein Messer hält, welches unter allen Umständen kontrolliert werden muss. Ob ein sinnvoller Übungskampf möglich ist, der entsprechende Techniken forciert, ist umstritten. Es gibt aber durchaus einen weltweiten Verband (Shodokan), in dem ausgiebige Übungskämpfe eine wichtige Rolle spielen. Zugegebenermaßen gibt es bezüglich dieser Trainingmethode Vorwürfe, es komme durch die eingeschränkten Regeln im Übungskampf zu einer Verflachung und Versportlichung.
Weiters sind die Techniken im Aikido feinmotorisch anspruchsvoll und deshalb in einer Stresssituation von den meisten Menschen nicht zu gebrauchen. Einfach zu erlernende und im Notfall sofort abrufbare Techniken sind im Aikido weniger zu finden. Im Aikido sollte es eigentlich auch den Fortgeschrittenen klar sein, dass sie das Meiste nicht einfach so auf der Straße, im Ring oder wo auch immer zusammenbringen würden. Leider ist es anscheinend vielen nicht klar. Ich halte es deshalb auch für gut, wenn Aikido-Ausübende gelegentlich Übungskämpfe durchführen (insbesondere mit Personen aus anderen Kampfkünsten und Kampfsportarten), da ihnen dann klar wird, was sie alles nicht können.
Ich glaube, es gibt sehr unterschiedliche Gründe, weswegen man zum Aikido kommt. Vermutlich ist körperliche Ertüchtigung eine weitaus häufigere Motivation als die behauptete Gewaltfreiheit. Meiner Meinung nach ist es auch fraglich, ob es vereinbar ist, einen ungefährlichen Ringkampf als gewalttätig abzulehnen und gleichzeitig kein Problem damit zu haben, Techniken zu üben, mit denen diverse Gelenke gebrochen werden können, von der Anwendung mit Waffe (zB Messer) einmal abgesehen.





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