In meinem Kampfkunstlebenslauf hatte ich ebenfalls rudimentär mit dem Hanbo zu tun der aus den Takamatsuden stammt.
Und momentan übe ich auch regelmäßig mit einem Rokushakubo im Kontext der Ryûha der ich angehöre und würde gern die Videos die Rambat gepostet hat aus meiner momentanen Sicht kommentieren. Dabei möchte ich nicht Behauptungen zu ihrer Effektivität aufstellen, da ich dies nicht bewerten kann, aber zu ihren Kontext in den japanischen Kampfkünsten.
Zum ersten Video im Beitrag #156:
Hier wird der Hanbo in einer Hira-ichimonji ähnlichen Position gehalten und damit Sparring betrieben.
Dies macht im Kontext eines Sparrings Hanbo vs. Hanbo keinen Sinn. Wie will man hier Kraft übertragen wenn man mit einem so kurzen Hebel schlägt?
Die eingenommene Position ist eine reaktive "Verteidigungsposition".
Im Kontext des Hanbojutsu der Koryû macht das einnehmen dieser Position durchaus Sinn:
Man ist auf dem Schlachtfeld, die meisten Teilnehmer sind gerüstet und mit Schwertern und Lanzen gewappnet und man selber findet sich in einer Situation in der man selber nur ein kurzes Stück Holz in der Hand hält. Schläge wie man sie mit Escrima Stöcken ausführen würde machen hier keinen Sinn. Es ist das Worstcase Szenario in der man versucht der Stärkeren Waffe auszuweichen, Kontakt herzustellen und den Stock im Infight als Hebel zu benutzen um genug Zeit zu haben den Angreifer zu Boden zu bringen oder zumindest ihm die bessere Waffen entwenden zu können. Was btw natürlich alles leichter geschrieben ist als getan. Die Chancen des Erfolges sind hier ein klein bisschen besser als Tachi-dori bzw. Muto-dori Techniken.
Damit dieses Video Sinn machen würde ist es wenn man hier freies agieren gegen Schwert, Speer oder Lanze sehen würde. Gegen einen ebenfalls mit Stock bewaffneten Gegner würde man den Hanbo aber auch eher wie ein Schwert oder ein einhändiges Kurzschwert führen um den Power Output zu maximieren.
Zum Video aus Beitrag #157:
Das sieht auf den ersten Blick deutlich besser aus.(Ich beschränke mich hier auf den "Kumite" Abschnitt des Videos)
Jedoch macht das auch keinen wirklichen Sinn.
Denn Angreifer mit Rokushakubo kann man einfach nicht ernst nehmen. Problem ist auch er hält den Bo in einer relativ passiven Verteidigungsposition heraus(die im Kontext des Ryukyu Kobudo/Karate durchaus Sinn machen kann, dazu kann ich mich aber nicht äussern) und nutzt das volle Angriffpotential des Bo einfach nicht aus.
Zum Vergleich etwas Bojutsu der Yagyu Shingan Ryu:
https://www.youtube.com/watch?v=kceOkMn0MRw
Achtet darauf wie flexibel und flüssig der Bo geführt werden kann und wie sich je nach Situation die Distanz anpasst!
Nun könnte man natürlich auch argumentieren das der Bo hier nur als Ersatz für einen Speer steht, aber auch der wird im Koryu Budo deutlich anders gehandhabt:
https://www.youtube.com/watch?v=fCXJGKvdy1g
Daher Aufgrund der sinnlosen Angriffe allein erscheinen die Techniken mit dem Hanbo hier in meinen Augen keinen besonderen Wert zu haben.
Die Bewegungen erinnern mit etwas an Aikijo und das Reihô mit dem Hanbo etwas an Jodo.
Zwei Kampfkünste in der der hier vorführende Herr keine Graduierung vorzeigen kann.
Ich würde vermuten der Herr guckt gerne Videos.
Nun fairerweise muss man natürlich eingestehen das die von rambat geposteten Videos nichts mit dem Hanbojutsu des Herrn Stieblers zu tun haben müssen.
Aber vielleicht gibt mein Beitrag doch einen kleinen Anhaltspunkt bei der Einordnung.





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