Zitat Zitat von Hu Yaozhen Beitrag anzeigen

Gesamter Text: http://blogs.epb.uni-hamburg.de/kuk2.../08/Brizin.pdf

Klingt hochspannend, ist leider meines Erachtens ohne die entsprechenden physischen Voraussetzungen nicht umsetzbar.

Zur "knochigen" Bewegungsqualität: Ich hatte schon versucht, in einem anderem Forum davon zu schreiben. Zum Glück wissen es alle anderen immer besser. Nichts desto trotz, vielleicht hilft es dem einen oder anderen in diesem Forum.

Was da beschrieben ist, nennt man in den inneren Kampfkünsten Pengjing, was ich mit "Struktur und Stabilität" übersetzen würde. Im Pengjing gibt es verschiedene Entwicklungsstufen, wobei ich mich hier auf die ersten beiden beschränken werde.

Bone Level Pengjing (Struktur und Stabilität auf Muskel Ebene)
Bone Level Pengjing (Struktur und Stabilität auf Ebene der Skelettstruktur)

Die meisten bleiben auf der ersten Ebene hängen. Drückt jemand gegen den Arm, versucht er, mit Muskelkraft in Position zu halten. Das Hauptproblem ist, wenn Arm- und Schultermuskulatur angespannt sind, können sie unter Belastung nicht mehr loslassen. Es wird schwierig, die Position zu verändern und zum Beispiel eine Kraft umzuleiten. Hält man nicht dagegen und versucht rein durch die Skelettstruktur stabil zu sein, wird man merken, dass dies, wenn wirklich Druck kommt, nicht hält. Keine Chance ohne die entsprechende physische Entwicklung.

Bei korrektem Training werden die Gelenke und vor allem die Bänder und Sehnen, welche die Gelenke zusammen halten, gedehnt und gestärkt. Eine der Hauptaufgaben der Siu Lim Tau oder des Sat San Choi Trainings. Dadurch, dass die Bänder und Sehnen dermassen stark und gleichzeitig elastisch werden, werden die Gelenke quasi zu Stahlfedern, welche die Struktur zusammen halten, und die eine ankommende Kraft bis zu einem gewissen Grad aufnehmen / abfedern können, ohne dass die Kraft direkt in den Körper läuft. Jetzt können die Hauptmuskelgruppen loslassen und es ist möglich unter Druck locker zu arbeiten und die Position zu verändern. Das passiert aber nicht von heute auf morgen. Das kostet ganz viel (mühsames und anstrengendes) Training. Weich werden ist ganz viel Arbeit.

Leider möchten viele diese Arbeit überspringen. Dann merken sie, dass "weich" sein unter wirklichem Druck nicht funktioniert und beharren darauf, dass es sowas wie eine funktionierende, weiche Kampfkunst nicht gibt. Was für ihre physische Voraussetzungen durchaus stimmt.

Oder andere wiederum geben sich der Illusion hin, ihre Kampkunst funktioniere "weich" ohne die Voraussetzungen dafür erarbeitet zu haben. Zu recht werden sie dann von den anderen Stilen belächelt.
Schön geschrieben . Danke