@ Giles:
"z.B. Biologie in der 10. Klasse. Einfache Evolutionslehre soll unterrichtet werden. Aber die Eltern eines Kindes sind fundamentalistische Christen und verlangen, dass die Schöpfungsgeschichte als gleichwertige Alternative unterrichtet werden sollte. Und ein anderer Elternfreak meint, wir sind doch alle vor 183 Jahren von Aliens aus der Retorte gezüchtet werden, die Regierung weiß es auch aber verheimlicht alles, also muss (auch) diese Wahrheit im Unterricht gewürdigt werden. Willst du dann argumentieren, dass wir die Lage schließlich auch nicht ganz sicher wissen können – was ist schliesslich wahr oder nicht – also deshalb werden alle drei Theorien in der Klasse den Kids übermittelt? "
Aus meiner Sicht fängt das Problem schon viel früher an, nämlich vor dem Unterricht und bei der Frage, was Bildung ist und leisten soll. Aus MEINER Sicht sollte Bildung zum Selbstdenken befähigen, zur ständigen Reflexion und Kritik. Das geht nicht, wenn man in der Schule einem Modell den Vorzug gibt und damit implizit sagt, die anderen glauben "komisches Zeug", das "neuesten" Erkenntnissen nicht standhält.
Die Präsenz der Evolutionstheorie ist eine Form sozialer Konditionierung. Vielleicht notwendig, um eine Gesellschaft zusammenzuhalten, gewiss aber auch fraglich, wie ich finde. Nehmen wir einmal an, dass in einer Lerngruppe 30 SuS (Schülerinnen und Schüler) sitzen. Diese SuS haben völlig verschiedene Hintergründe, sind also einmalig. Oberflächlich fällt das schnell nicht mehr auf, wenn sich alle nur noch über die Evlutionstheorie unterhalten. Aber dennoch gibt es auf Unterschiede und somit kann es gar nicht mehr um die Frage gehen, wer Recht hat oder nicht. Ich würde den Unterricht also so gestalten, dass alle SuS die Möglichkeit erhalten, ihre Modelle den anderen vorzustellen. Wenn die SuS dies nicht können, würde ich als Lehrkraft sehr viele alte und neue Modelle vorstellen. Dann könnte man z. B. in Gruppenarbeit nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden suchen oder auch weiterführende Fragen stellen. Gerade in der Oberstufe würde es sich anbieten, solche Modelle mit ethischen Fragen zu kombinieren, Stichwort: "Nachhaltigkeit". Wenn jemand als Fundamentalist in dieser Lerngruppe wäre und auf seinem Standpunkt (egal ob Evolution oder altgermanischer Schöpfungsmythos) beharrt, so wäre er dennoch Teil der Gruppendynamik, die verschiedene Modelle als Modelle analysiert und interpretiert.




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