@junger Tiger
Nun denn. Ich denke ich verstehe deinen prinzipiellen Ansatz. In gewisser Weise habe ich ihm glaube selbst eine Zeitlang gefrönt. Das Problem welches ich jetzt darin sehen würde ist, dass hier zwei verschiedene Untersuchungsebenen verwechselt werden.
Die soziale und biologische Konstruktion der Wirklichkeit, die herrschenden Paradigmen, die vielen offenen Fragen bezüglich Wahrheit, Wirklichkeit, Erkenntnis, Bewusstsein usw. ist die eine Ebene. Die Argumentation innerhalb eines Bezugsystems ist die andere. Und innerhalb der Parameter, die du ja auch kontinuierlich anerkennst (du formulierst hier Gedanken einer Syntax folgend, anstatt einfach XYZ zu tippen, du tippst über eine PC oder dergleichen, anstatt es über die Kaffeemaschine zu versuchen, du reagierst auf fahrende Autos und und und) und den darin ausformulierten Thesen, Definitionen etc. ist es nachweislich falsch zu sagen, die Erde wäre ein Scheibe, oder es wäre nicht klar ob sie kugelförmig oder scheibenförmig ist. (Ich nehme an, bis hierhin stimmst du mir zu bzw. siehst das auch so?)
Von einem anderen Bezugsrahmen aus mag das nicht der Weisheit letzter Schluss sein bzw. sind auch andere Sichtweisen möglich, und auch dazu gibt es ja viele spannende und seriöse Bücher.
Was ich aber problematisch (bis hin bedenklich oder gefährlich) finde ist eben so zu tun, als ob innerhalb des alltäglichen Bezugssystems die Anschauung, die Erde sei kugelförmig, gleichberechtigt neben der Anschauung stünde, sie sei eine Scheibe. Denn worum es dir ja anscheinend geht ist, die Bedingungen und Begrenzungen eines Weltbildes aufzuzeigen (was für das moderne physikalisch-naturwissenschaftliche Weltbild ja auch schon längst geschieht!). Das "Modell" Scheibenerde hingegen ist in überhaupt keiner Weise sinnvoll ausformuliert, bzw. wurde x-mal zerlegt und demontiert. Warum es aber in manchen Narrationen trotzdem vorkommt, das wird ja in den letzten Jahren auch schon eifrig untersucht :-)




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