Rezension: Bodyweight Training. Maximale Fitness mit nur 8 hocheffizienten Übungen.

Disclaimer: Der Rezensent hat vom Autor ein kostenloses Exemplar zu Rezensionszwecken erhalten; dies soll die Objektivität der Rezension aber nicht beeinflussen.

Christoph Delp ist seit Jahren eine feste Grösse im Sportbuch- und –DVD-Geschäft, insbesondere was die Themenkreise Kampfsport (v.a. Thaiboxen und Selbstverteidigung) sowie Fitness angeht. Die Fitnesspublikationen werden einerseits konkret für Kampfsportler beworben (siehe «Fitness für Kampfsportler», «Krafttraining für Kampfsportler» und «Dehnen für Kampfsportler»), zum anderen handelt es sich um allgemeine gehaltene Veröffentlichungen. Das vorliegende Werk gehört in die letztere Kategorie.

Es handelt sich um ein 150 Seiten starkes Softcover-Buch im Format A5, das zum Kampfpreis von 14,95 € angeboten wird. Wie der Autor mir vorab per Mail mitteilte, bestand die Intention darin, ein «unkompliziertes», also massentaugliches Buch zu schreiben, das nicht alle denkbaren Übungsvarianten aufzeigt, sondern eine gangbare Progression über fünf Levels pro Übung vorstellt. Das ist Christoph Delp hier auch voll und ganz gelungen.
Das Grundkonzept des Buches besteht also darin, Progressionen für acht grundlegende Übungen oder Bewegungsrichtungen aufzuzeigen, die da wären:
1. «kniedominant beidbeinig» (= beidbeinige Kniebeuge-Varianten Progression)
2. «hüftdominant gebeugt» (= Schulterbrücke-Progression)
3. «Druck nach oben» (= Handstand-Liegestütz Progression)
4. «Zug nach unten» (= Klimmzug Progression)
5. «Kniedominant einbeinig» (= einbeinige Kniebeugen Progression)
6. «hüftdominant fast gestreckt» (= Standwaage Progression)
7. «Druck nach vorne» (= Liegestütz-Progression)
8. «Zug nach hinten» (= Körpergewichts-Rudern-Progression)
Dazu kommen noch insgesamt acht Seiten mit Zusatzübungen für den Rumpf aka Core.

Über die Geläufigkeit der Bezeichnungen für die Bewegungsrichtungen kann man sich streiten, daher habe ich jeweils noch eine der gängigeren umgangssprachlichen Bezeichnungen für die Übungsgruppe in Klammern nachgestellt. Diese Progressionen werden auf je einer Doppelseite pro Level jeder Bewegungsrichtung dargestellt, vorab gibt es noch eine generelle (Sicherheits-) Einweisung und anschliessend ein Kapitel zur Planung von Workouts.

Das Konzept der Schwierigkeitslevels ist manchen Lesern vielleicht aus Büchern wie Convict Conditioning oder auch Christoph Delps anderen Werken bekannt. Die hier vorgestellten Schwierigkeitslevels beziehen sich jeweils auf die einzelne Übung und bedeuten nicht zwingend, dass Level X von Übung 1 und das gleiche Level von Übung 5 auf dem gleichen Schwierigkeitsgrad liegen. Lobend hervorgehoben sollte noch werden, dass der Autor pro Level jeweils verschiedene Varianten vorstellt (häufig 3 oder 4), die jeweils eine Vereinfachung oder Erschwerung darstellen können; So kann das Level recht individuell abgestimmt werden. Im Falle der Übung 7 erscheint mir persönlich die Reihenfolge der Levels 4 (einarmiger Liegestütz) und 5 (Liegestütz mit Klatschen) nur begrenzt schlüssig; Ich würde dies eigentlich nur für die letzte Intensivierung des Levels 5 (Liegestütz mit Absprung von Händen und Füssen in Superman-Position, aka Aztec-Push-up) so sehen, aber gut, da mag es auch individuelle Unterschiede geben. Generell beginnen die Levels sehr breitentauglich und enden durchaus im sehr sportlichen Bereich, d.h. bei Übungen wie erschwerten Handstand-Liegestützen, Shrimp squats auf einem Balancekreisel oder unterstützten einarmigen bzw. einhändigen Klimmzügen. Ich würde mich mal aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass damit die Bedürfnisse von ca. 95% der potentiellen Leserschaft vollumfänglich erfüllt werden dürften. Die Equipment-Anforderungen sind bescheiden und beschränken sich soweit ich sehen kann in der Regel auf ein Gummiband, einen Medizinball, einen Rucksack und eine (höhenverstellbare) Klimmzugstange. Weitere Hilfsmittel wie Schlingentrainer, Stepper, Gymnastikball oder Gymnastikkreisel kommen zwar vor, aber meist nicht bei den Grundübungen sondern als Varianten bzw. können durch entsprechende Möbelstücke o.ä. ersetzt werden. Im Gegensatz zu beispielsweise «Krafttraining für Kampfsportler» werden die sekundären Hilfsmittel aber nur zum Erleichtern bzw. Erschweren von Übungen verwendet, d.h. es werden beispielsweise keine Übungen rein gegen Widerstand des Gummibandes vorgestellt.

Die Aufmachung ist ebenfalls sehr gefällig, mit professionellen Fotos (jeweils Fotoserie mit 2-4 Bildern pro Übung) und kurzen, leicht lesbaren Texten. Die Models sind so gewählt, dass sie ein recht gemischtes Publikum ansprechen dürften (Männer und Frauen, Trainingszustand durchwegs fit aber nicht «krass» - mit der möglichen Ausnahme der doch recht massiven Oberarme des Typen auf dem Coverbild ), wie mir mehrfach von meinen unvoreingenommenen TestleserInnen bestätigt wurde. Als einziges kleines Manko hierbei wurde erwähnt, dass bei Übungen wo eine Wand zum Einsatz kommt diese nicht immer gleich auf den ersten Blick erkennbar ist, da statt der eigentlichen Wand per Bildbearbeitungsprogramm eine hellblaue Fläche eingefügt ist. Aber man gewöhnt sich dran

Der breitentaugliche Anspruch stellt auch einen massgeblichen Unterschied zu den Kampfsport-lastigeren Büchern von Christoph Delp dar. Das zeigt sich nicht nur in der Aufmachung der Models, sondern auch in der Übungsauswahl: so findet man hier beispielsweise keine Spezialübungen für den Nacken, Abhärtung der Fäuste etc. Ich denke, dass dies die Breitentauglichkeit erhöhen dürfte und sich für die meisten Kampfsportler auch nur bedingt einschränkend auswirken dürfte, nachdem die einzelnen Kampfsportarten in der Regel ohnehin einen Grundstock an den erforderlichen Spezialübungen direkt in das Training integrieren.

Möchte man einen Vergleich mit anderen gängigen Körpergewichts-Trainings-Büchern ziehen, dann würden mir spontan drei einfallen: Mark Laurens «You are your own gym», Paul Wades «Convict Conditioning» und Steven Lows «Overcoming Gravity», die inzwischen auch alle in deutscher Übersetzung verfügbar sind (mit den Titeln «Fit ohne Geräte», «Trainieren wie im Knast» und «Schwerkraft überwinden»). Von diesen ist Delps «Bodyweight Training» mit Listenpreis 14,95 € das günstigste, verglichen mit 19,99 € (Lauren und Wade) oder gar 39,99 € (Low). Die englische Originalfassung ist bei Lauren etwas günstiger (12,99 €), bei Wade und Low jeweils ca. 10 € teurer als die deutsche Fassung.

Unter diesen dreien lässt sich «Bodyweight Training» meines Erachtens vor allem mit den ersten beiden vergleichen; «Overcoming Gravity» richtet sich dagegen mehr an gerätturnerisch Interessierte, somit an ein a priori anderes Publikum. Beide dieser Bücher verwenden einen Gimmick als Aufhänger, um sich breitentauglich zu verkaufen: Bei Lauren ist es seine Erfahrung als Mitglied und Trainer bei den Special Forces, bei Wade seine (nicht objektiv nachprüfbare, da Pseudonym) Zeit im Knast. «Bodyweight Training» kommt ohne derartiges aus, was ich persönlich zur Abwechslung als sehr angenehm empfinde. Ich denke, dass dieser Ansatz bei der anvisierten breiten Leserschaft auch sehr gut ankommen dürfte. Auch sonst braucht sich das Buch vor den anderen beiden nicht zu verstecken: es zielt in Hinblick auf den anvisierten Fitnessstandard zwar nicht dezidiert so hoch wie beispielsweise Convict Conditioning, dürfte aber dafür erheblich erreichbarer sein. Convict Conditioning teilt die Progressions in zehn Levels pro Übung ein und gibt zudem jeweils Wiederholungsstandards für den Übergang zum nächsthöheren Level an; Delp bleibt bei den Levels mit 5 etwas konservativer und hält sich bei den Standards allgemeiner, bietet aber ausreichend Varianten an, um ein vielseitiges und produktives Training mit gegebenenfalls erforderlichen Feinabstufungen zu ermöglichen. Die praxisnahen Tipps für die Durchführung von Übungen mit Alltagsgegenständen erinnern gelegentlich an Lauren, den Delp auch als eine der verwendeten Quellen angibt. Die Ausrichtung von «Bodyweight Training» ist auch insofern mit diesen beiden anderen Büchern vergleichbar, als dass primär kraftorientierte Übungen und Programme vermittelt werden; Themenbereiche wie Cardio-Training, Ernährung oder Dehnen werden eher nur gestreift – aber dafür gibt es ja andere einschlägige Werke.

In Summe ist mein persönliches Fazit sehr positiv: Ein breitentaugliches, logisch aufgebautes Körpergewichtstrainingsbuch für Jedermann und –Frau, das sehr tief ansetzt und ziemlich hoch führt und noch dazu frei von den klassischen Klischees des Genres ist. Die Übungsauswahl dürfte für die überwiegende Mehrheit der Trainierenden ein Leben lang ausreichen. Die Vorschläge für Trainingsprogramme sind vielleicht etwas kurz gehalten (aber das ist bei der Konkurrenz auch nicht anders) und zum Einstieg auf jeden Fall ausreichend. Wer detaillierte Angaben zu Ernährung, Cardiotraining und fortgeschrittener Trainingsprogrammerstellung will, wird um weitere Recherchen nicht herumkommen. Aber wer ein gut verständliches Trainingsprogramm für Krafttraining mit Körpergewichts-Übungen sucht, die sich problemlos mit wenig Equipment zuhause machen lassen, der sollte sich Christoph Delps «Bodyweight Training» meiner Meinung nach definitiv mal anschauen. Ich für meinen Teil werde es in Zukunft vermutlich noch häufiger empfehlen und auf meine Liste für Buchgeschenke an allgemein Fitness-interessierte Freunde und Verwandte aufnehmen

Beste Grüsse
Period.