Das hängt schon mal grundsätzlich davon ab, --wie-- du versuchst, mir in die Leiste zu schneiden, sprich kommt der Impuls deiner Messerhand von deiner linken Seite oder von rechts unten aufwärts direkt zur Leiste, weil du z.B. dein Messer aus der rechten Hosentasche ziehst...

Auf jeden Fall geht meine linke Hand zu deiner Messerhand, idealerweise mit der Handfläche zum Handgelenk, um den Bewegungsimpuls aufzunehmen und umzuleiten. Bei der beschriebenen Distanz, also gar keine, gibt es kein "Grundgerüst", keine konkrete "Technik", die im Ernstfall noch funktionieren würde, sondern bestenfalls ein funktionierendes, einprogrammiertes Bewegungsmuster, dass mir ein Überleben hoffentlich so lange ermöglicht, um mit einer Gegentechnik wieder selbst in die Offensive zu kommen.

Alles was in der beschriebenen Situation noch geht, ist das Herstellen eines Kontakts meiner linken Hand und deiner Messerhand, was realistisch betrachtet auch durchaus bedeuten kann, dass dein Messer in meiner Handfläche steckt oder in meinem Unterarm... Letztlich aber in der Situation ein Erfolg, weil der potenziell tödliche Schnitt zur Schlagader erstmal nicht getroffen hat und meine eigene nächste Bewegung vllt. schon eine finale Lösung ermöglicht.

Eine Messerattacke, die man überleben will, ist ja möglichst so schnell beendet, wie sie begonnen hat. Maximal 2 Sekunden. Dauert der Scheiß länger, ist man sehr wahrscheinlich selber der Tote. Aus der Erkenntnis folgt schon mal, dass der Reflex zur Distanzgewinnung/Flucht für uns keine Option ist, wenn ein Messer schon im Spiel ist, weil es dem Angreifer nur weitere Gelegenheiten schafft. Wir arbeiten prinzipiell mit der Verkürzung von Wegen, nicht mit dem Verlängern.

Theorie: Im Idealfall nehme ich deinen Impuls auf und leite ihn an meinem Körper vorbei und zwar so, dass du in der Bewegung gar nicht merkst, dass du mich nicht treffen wirst. (siehe eventuell auch Klebende Hände WT/WC). Wie genau die Um-Ableitung der Bewegung dann aussieht, ist nicht schematisch geregelt, weil du als Angreifer den Impuls gibst und winzige Nuancen entscheiden, ob ich mich z.B. nach links/rechts/innen/außen drehe oder die Bewegung über die Innen-oder Außenseite meines Arms ableite.

Wir glauben nicht daran, dass man ein Messer mit einstudierten "Techniken" abwehren kann, auch nicht als Grundgerüst, sondern, dass man ein Messer nur über taktische Bewegungsmuster abwehren kann, die fließend und fortlaufend ohne jedes bewusste Denken einem dynamischen Prinzip von permanentem Annehmen einer Angriffsbewegung und daraus resultierender Gegentechnik folgt.