Ich weiß nicht, worauf Deine Kenntnis beruht, ging bestimmt einige Zeit so, 2015/16 war es jedenfalls wirklich gravierend. Mittlerweile sieht das schon besser aus. "Charme" war natürlich nicht wörtlich zu nehmen, ich wollte damit ausdrücken, dass sich stetig Dinge entwickeln, verschieben. Insbesondere in den großen Städten. Ehrenfeld war früher (vor 40 Jahren) problematisch, seit vielen Jahren ist das Viertel absolut angesagt und unter den Studis und jüngeren Familien aufgrund der top Lage begehrt.
Die eigene komfortable Situation ist für mich absolut wichtig. Habe vor 4 Jahren mit meiner Frau gebaut und wohne seitdem fast ländlich, 20km vom Stadtkern entfernt. Vielleicht blende ich ja gut aus. Wie gesagt, ich suche mir nicht aus, wohin ich mich bewegen muss. Das ist ja nicht nur in Köln so. All die Städte, die Du genannt hast, besuche ich seit vielen Jahren. Und besuchen heißt, dass ich in jeder Stadt bis heute bestimmt 20 Mal war, in einigen auch 100 mal. Das reizt mich u.a. auch an meinem Beruf, ich finde es sehr interessant, weil es tatsächlich verschiedene, ganz typische Entwicklungen in den Zentren gibt, während die "Problemviertel" doch alle ganz ähnlich aussehen. Oder zumindest sehr viele. Gerade der soziale Wohnungsbau ist unter den großen Versicherern aufgeteilt. Es also schon so, dass ich auch ins Gespräch komme, kommen muss und in die Häuser reingehe, die halt eher einen suspekten Eindruck vermitteln. Manchmal gibt es Einbruchserien, Brandstiftung oder Vandalismus, der auf Fremdenhass zurückzuführen ist. Aber selten.
Ich hatte bisher nie das Gefühl, gefährdet zu sein oder bestimmte Gegenden meiden zu müssen. Ich hatte noch nie gravierende Zwischenfälle. Unwohl fühle ich mich tatsächlich am meisten in Chemnitz, das war schon vor den jüngsten Unruhen so, mir gefällt es dort einfach nicht. In Görlitz gibt es Bereiche, in denen abgeraten wird, das Auto abzustellen, da es nicht mehr da sein könnte, wenn man aus einem Termin kommt 
Was mir natürlich am meisten auffällt ist die Wohnsituation und Umgebung, in der viele viele Menschen aufwachsen müssen. Da ist man schon heilfroh, seine eigene Wohlfühloase zu haben. Und es gibt regionale Ausprägungen. In den neuen Bundesländern ist das Gesellschaftsbild einfach anders geprägt als in Hamburg. Oder in München. Oder in Köln. Das merkt man.
Es kann sein, da gebe ich Dir recht, dass ich als Stadtkind von klein auf gelernt habe, Dinge auszublenden bzw. zu akzeptieren. Ich fahre mittlerweile selten ÖPNV, würde mich aber ohne Probleme in die U-Bahn setzen. Man hat es natürlich irgendwo "drin", nicht jede Bahnstation zu jeder Uhrzeit anzufahren. Das stimmt. Aber auch da muss ich sagen, dass ich nicht festmachen kann, was sich idl 10 Jahren insgesamt so deutlich verschlimmert haben soll.
Ich denke, jeder Mensch muss sich fragen, ob er die Dinge wirklich in einem gesunden Blickwinkel betrachtet. Ich auch. Habe mich viele Jahre mit SV beschäftigt und auch u.a. mit Messer trainiert, mittlerweile hat das alles ein wenig den Reiz verloren. Klar kommt man bei sowas schnell auf den Trichter, dass man die Dinger doch braucht und tragen sollte. Und es finden sich immer Gründe. Diese Gründe waren aber immer schon da. Und wenn man sich die Leute ansieht, die nichts mit solchen Dingen am Hut haben, sehe ich nicht, dass diese in großer Gefahr leben. Bzw. in größerer Gefahr. Das ist für mich der Punkt.
Geändert von MCFly (12-09-2019 um 15:47 Uhr)
It 's not who I'm underneath but what I do that defines me. Bruce Wayne
Dabei würdest Du sogar beim Schattenboxen verlieren. Kannix