Zitat Zitat von MTrookie Beitrag anzeigen
Wie sind da so die Wahrscheinlichkeiten, wenn ein unerfahrener Straßenproll auf einen Kampfsportler los geht, dass der den k.o. schlägt? Und wie schützt man sich am besten so ohne Handschuhe davor?
Man schützt sich am besten, indem man nicht dort ist, wo der gerade hinlangt. Das erreicht primär man durch Aufmerksamkeit (Kenntnis der Standardsituationen aka "Interviews", Warnsignalen von sich anbahnender Gewalt, nach Möglichkeit Meiden von schwierigen Gegenden...) und durch Beinarbeit. Beinarbeit kann bedeuten, dass man entweder die Distanz vergrössert (wegläuft) oder verkürzt (Clinch), wobei Clinchen gelernt sein will und eine sinnvolle Kontrolle produzieren muss, sonst ist schnell Schicht im Schacht. Eine Hand am Kinn oder als "Fence" (ist ja im Prinzip auch nichts anderes als eine traditionelle Thai-Deckung) ist als Back-Up auch nicht verkehrt, zumal sie auch zeigt, dass man eine Gefahr erkannt hat. Insbesondere beim Fence sollte aber auch was dahinterstehen, sprich das Selbstvertrauen auf Erfahrung in der Anwendung beruhen, sonst kann das auch nach hinten losgehen.

Noch kurz zum "unerfahrenen Strassenproll" - per definitionem ist ein Strassenproll nur dann unerfahren, wenn er keine Erfahrungen im Abzocken hat (Anwälte wären z.B. schon grenzwertig). Wenn man nicht wie ein einfaches Ziel wirkt - das tun da, wo ich herkomme, nur wenige Kampfsportler, aber gut - kann man davon ausgehen, dass es sich eher um einen "erfahrenen Strassenproll" handelt, der sich seine Karten schon zurechtgelegt hat und davon ausgeht, dass er damit durchkommt (die Zurechnungsfähigkeit spielt da natürlich auch mit rein, aber lassen wir das mal aussen vor). Dazu möchte ich noch anmerken, dass ich es schon mehrfach erlebt habe, wie bestimmte als gewaltbereit bekannte Gruppen und spezifische durch ein z.T. umfassendes Vorstrafenregister belastete Individuen aktiv im Vollkontaktsport unterwegs waren - und viele davon auf beachtlichem Niveau. Ich fand das seinerzeit manchmal sehr lustig, nachdem mich viele davon vom Training kannten und dann auf offener Strasse auf mich zugekommen sind und mich per Handschlag begrüsst haben. Was mir auch noch aufgefallen ist - die meisten davon waren immer ausgesprochen höflich. Also kriminell z.T. erwiesenermassen, "prollig" (zumindest mir gegenüber) aber nicht unbedingt. Ich möchte da nichts romantisch verklären, aber soweit ich es verstehe, ist Höflichkeit in bestimmten Kreisen eine klassische Methode des Selbstschutzes (im Zweifelsfall natürlich immer gepaart mit dem, was man in der Hosen- oder Jackentasche hat, und der Bereitschaft, das auch einzusetzen). Sollte man sich ggf. vielleicht auch überlegen, den Teil mit der Höflichkeit.

Beste Grüsse
Period.