Zitat Zitat von marq Beitrag anzeigen
eine geniale idee, die nur schwer umsetztbar ist.
meanwhile (19.04.2020) in Taiwan:

Als der Akku von Milo Hsiehs Handy an einem Sonntagmorgen im März den Geist aufgab, stand kurz darauf die Polizei vor der Tür. Hsieh ist Student. Er war gerade aus Europa nach Taiwan zurückgekehrt, weshalb er wie alle Einreisenden präventiv in Quarantäne musste. 14 Tage musste er zu Hause bleiben, rund um die Uhr. Damit er sich daran hielt, überwachten die Behörden den Standort seines Handys, und damit er nicht ohne Handy die Wohnung verliess, riefen sie ihn jeden Tag zwei Mal an, jeweils zu einer anderen Zeit.
An jenem Sonntagmorgen war der Akku um 7 Uhr 30 leer, wie Milo Hsieh am Telefon erzählt. Um 8 Uhr 15 schaltete Hsieh sein Handy wieder an. Er hatte vier verpasste Anrufe von den Behörden. Fünf Minuten später war die Polizei da. Seine Mutter ging zur Tür und sagte den Beamten, dass ihr Sohn daheim sei; die Polizisten zogen ab. Hsieh staunt noch immer: «Für mich ist es beunruhigend zu wissen, dass die Behörden dich so sehr überwachen.
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Die Benutzeroberfläche sieht aus wie Google Maps – nur dass farbige Punkte nicht Hotels oder Restaurants anzeigen, sondern Personen in Quarantäne. Landesweit waren das bei der Präsentation 45 575 Leute. Dazu kamen 2825 Personen in ebenfalls 14-tägiger «Selbstisolierung», weil sie mit Infizierten in Kontakt gewesen waren.
Wie auf einer Internet-Karte kann man jede dieser Personen heranzoomen, bis man genau sieht, wo sie sich gerade aufhält. Die allermeisten Icons waren bei der Präsentation blau. Das heisst, dass die Handys dieser Leute sich am Quarantäne-Ort befanden, meist in ihrer Wohnung, vereinzelt in «Quarantäne-Hotels» oder einem Regierungszentrum. Aber in Neu-Taipeh war ein Icon rot umrandet – diese Person hatte sich verbotenerweise rund fünf Kilometer entfernt.
Ein Mitarbeiter von Chunghwa Telecom klickte auf das Icon. Es öffnete sich ein Fenster mit Name, Handynummer und Wohnsitz jener Person. Solche Daten müssen alle Einreisenden an den taiwanischen Flughäfen angeben, viele tun das per QR-Code und App. Der Grenzschutz gibt die Daten weiter an die Zentren für Krankheitskontrolle (CDC), welche die Virusbekämpfung mit weitreichenden Befugnissen steuern. Die CDC verifizieren die Daten, verknüpfen sie unter anderem mit der Datenbank des Nationalen Gesundheitssystems und aktualisieren die Liste mit den Leuten in Quarantäne. Der elektronische Zaun schliesst sich.


https://www.nzz.ch/technologie/wie-t...ert-ld.1551839