stellvertretend an Sie - reiner Zufall, da mir Ihr Post gerade angezeigt wurde - einmal eine Sache, die mir völlig unabhängig vom eigentlichen Inhalt mittlerweile unglaublich auf den Senkel geht (ich selbst bin übrigens eher links ausgerichtet).
Ich denke, die Nazis die Sie ansprechen gibt es kaum noch. Seit fast 76 Jahren ist der Zweite Weltkrieg vorbei und selbst wenn ich davon ausgehe, dass eine Person, die zu diesem Zeitpunkt vielleicht 8-10 Jahre alt war bereits nazistisch
indoktriniert gewesen sein könnte, müsste diese heute 84 Jahre oder älter sein. Ich bin u.a. aus diesem Grund der Ansicht, dass sich die gemeinte Masse heutzutage kaum noch aus echten Nazis zusammensetzen dürfte und dass echte Nazis
eher nicht in größeren Mengen rollatorlos durch die Straßen ziehen.
Warum kann man nicht einfach von Neonazis reden, oder vielleicht sogar mal schauen, ob diese Neonazis je nach Kontext u.U. nicht einfach nur "Rechte" sind (es sieht sich ja auch nicht jeder Linke automatisch bei den Grünen verortet).
Ich wurde seinerzeit auf recht interessante Weise als Westberliner ungewollt eingezogen und bin dann per Zwang zwecks Ableistung des Wehrdienstes im tiefsten Osten gelandet. Erst nach Monaten flog ich als verhasster "Wessi" auf bzw.
outete micht bei einer passenden Gelegenheit bewusst als solcher. Ich habe in dieser Zeit für mich die Einsicht gewonnen, dass das Problem der leichten bis hin zur extremen Rechtslastigkeit mehr als ein simples "Er/Sie hasst halt Ausländer."
umfasst.
Auch wenn ich seither bewusst grob zwischen "Rechten" und Neonazis unterscheide, verstehe ich durchaus, dass andere Personen je nach ihrem persönlichen Werdegang das nicht tun werden.
Zumindest eine bewusste Unterscheidung zwischen echten Nazis und Neonazis sollte aber jeder Person zugemutet werden können.
Tut man dies nicht, macht man m.A.n. genau das, was man "den" Rechten kontinuierlich vorwirft: man vereinfacht Dinge unstatthaft, weil einem die notwendige differenzierte Betrachtung zu kompliziert ist.
Auf diese Weise wirft man dann letztlich womöglich auch selbst mehr mit spaltenden Parolen statt zielführenden Argumenten um sich.
Mir ist bewusst dass man sehr weit links und sehr weit rechts nicht Alle wird abholen können aber ich weiß auch, dass manche Personen v.a. durch ihre gefühlte oder auch echte Brandmarkung als dieses oder jenes
ungünstige Kurse angesteuert haben. Auf lange Sicht wird eine Einigung, ein friedliches Miteinander nahezu ALLER nur durch einen Dialog erreicht werden können nicht durch weitere Spaltung.
CORONA macht uns derzeit ja deutlich, was bei uns falsch läuft. Man könnte fast den Eindruck gewinnen es gäbe nur noch willige Systemschafe und Covidioten, dazwischen aber rein gar nichts. "Wer nicht völlig meiner Meinung ist,
kann nur mein Feind sein!", scheint die Devise zu lauten. Meiner Ansicht nach kann niemals etwas Gutes daraus erwachsen, dass ein großer Teil der Menschen einer Gesellschaft aus tatsächlich oder nur gefühlt berechtigter Angst
vor Repressalien sich selbst zum Schweigen verdammt. Ich vermisse oft die gute alte Streitkultur, bei der es in Diskussionen durchaus mal hitziger zugehen konnte aber bei der am Ende auch alle Seiten das Gefühl hatten, für sich
etwas mitgenommen zu haben - egal ob man seine eigene Meinung aufgrund der jeweiligen Diskussion geändert hat oder nicht.