Das Verstehen der verschiedenartigsten Wechselwirkungen und Wandlungen von Yin und Yang, wie es im Yijing – dem Klassiker der Wandlungen – tradiert ist, bildet die Essenz im Taijiquan. Es nimmt die Idee auf, dass in jeder Veränderung ein Prinzip wirkt, das denjenigen, der es erkennt, ins Zentrum des Handelns versetzt. Diese Idee ist der Punkt, wo Geist und Realität sich zu berühren beginnen und zur Formung schöpferischer Kräfte führen. Eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte des Taijiquan sowie in die Wandlungsdynamik des Yijing legen die Basis für diese Abhandlung. Anhand ausgewählter Bewegungsbilder des Chen Stil Taijiquan und ihrem Bezug zu den Hexagrammen des Yijing mitsamt deren Symbolik, wie sie in den ”Grafischen Erläuterungen zum Taijiquan des Chen Clan“ von Chen Xin (1849-1929) beschrieben sind, wird zunächst eine psychosoziale Tiefenschau auf die Bewegungsmuster des Lebens vorgenommen. Diese werden in den Kontext körperpsychotherapeutischer Arbeit oder systemisch-konstruktivistischen Coachings eingebettet. Ressourcen stärkende sowie Blockaden abbauende Zugangswege zum Patienten bzw. Klienten werden aufgezeigt. Schließlich wird der Versuch unternommen, ein biopsychosoziales Modell des Taijiquan abzubilden, welches Gesundheit durch Ganzheit und ein starkes Zukunfts-ICH des Patienten fördert und Möglichkeitsräume für Entwicklung erschließt.