da können wir uns problemlos drauf einigen.
du wirst lachen das ist genau das, was ausgerechnet Modern Arnis (in alten Ernesto Presas zeiten) auch propagierte. schon alleine, das vorgehen aus einem eher schmalen und parallelen stand mit tendenz, das körpergewicht nach vorne zu schleudern und dann das reingehen mit orientierung zum angriff hin (bevor sich die maximale kraft des angriffs entfaltet hat, anstatt aus dem angriff raus und von dem punkt der maximalen kraftentfaltung weg) im "modern" teil des stils, zeigt zumindest den anspruch.
abgesehen davon, dass ich später feststellen konnte, dass ich mit dem entgegengesetzten vorgehen viel besser sparren, also "kampfsimulieren" auf deuellart, konnte, hab ich auch festgestellt, dass das bei übungen mit unvorhergesehenen attacken ohne duellcharakter die reingeh-methode oft nicht funktionieren wollte (häufig zu spät tief genug drin gewesen und fortgeschrittenere partner konnten deshalb oft noch rechtzeitig den schlag "kürzer ziehen" und erwischten mich dann doch zumindest gleichzeitig). die andere, die mir mehr reaktionszeit gab, klappte auch in diesen szenarien ... sagen wir mal genau so gut (und natürlich auch da keine erfolgsgarantie... wäre auch ein komisches training sonst).
ich denke, hier kennt jeder beide vorgehensweisen. mein letzter stil-oberguru war klar der ansicht, dass man sich das reinstümen (ah ne... ist das denn nicht auch oft kamikaze, sollte der andere damit rechnen, weil er erfahrung hat? ich denke an anfälligkeiten für gezieltes baiting, ein wichtiger punkt in den fma: eine falle anbieten, auf die der gegner im wahrsten sinne des wortes "anspringt") in einem WAFFENSYSTEM jeglichem menschlichen instinkt widerspricht. einer klinge geht man aus dem weg oder führt sie weg von einem, da geht man nicht "in den mann", sondern hält so abstand, dass man im largo bereich noch "arbeiten", aber selbst nur schwer erwischt werden kann, natürlich wird da von waffe gegen waffe ausgegangen. plötzliche überfälle mit waffe sind dann auch noch ein eigenes thema.
ich denke, es spielt auch ne rolle, ob man ein ausgesprochenes stock-system betreibt, oder ein stilistisch klingenorientiertes. den will ich sehen, der in einen klingenangriff cool hinein geht und nicht schräg raus oder nach hinten geht - zumindest als erstreaktion. alles andere müsste man sich mühsam anzüchten und ob das dann in der realität so klappt und die instinkte beherrscht werden (angesichts von scharfem, spitzem stahl und in ECHT), das kann ich nie wissen.
bei einem "waffenkampf" halte ich die largo distanz für die zu bevorzugende und corto wäre etwas zu suchendes, wenn rausgehen nicht mehr geht und der andere die längere waffe hat bzw. ich aus diversen möglichen gründen, gar keine mehr habe. medio wäre nur eine kurze phase des übergangs. ganz gefährlich, da rumzukämpfen und nicht sofort rein oder wieder raus zu gehen. ausgerechnet die medio distanz ist übrigens die, die ich am meisten mit Latosa verbinde. da er kaum raumgreifende beinarbeit macht, ist er entweder gerade so im largo oder eben meist im medio bereich. ich habe das jedenfalls so im gedächtnis. ist so ein "bild" vom Latosa Escrima im kopf und ist wohl vom short power begriff geprägt.
das mit sofort rein oder nicht, ist so ne sache. beides hat vor- und nachteile. die situation und die mentalität und programmierung der person werden bestimmen, was besser kommt. deshalb sollte ein FMA system beides unterrichten. die schüler werden im laufe der jahre schon mitbekommen, was für sie der bessere weg ist. so zu unterrichten ginge aber nicht, wenn wir uns an "programme" halten. hier spielt dann die unterrichtung orientiert ans "natürliche" der schüler und anhand von prinzipien mit technikbeispielen zum ausprobieren und sich später dann festlegen ne rolle.
mich hat nie interessiert, das ich ein programm schnell drauf hab. wer sich zeit lässt bekommt meines erachtens am ende viel eher, was er auch will und kann, wenn entsprechend stil-flexibel unterrichtet wird. "stile" sind voneinander künstlich abgegrenzt. worum es geht, ist m.e. eher, dass die berühmten, nicht leicht zu erklärenden "prinzipien" ihre passenden techniken finden und nicht, dass techniken in ein prinzip hineingezwängt werden, obwohl sie dem eigentlich nicht gerecht werden.
das "prinzip des zucken-und-rein-mit-power" hat seine techniken gefunden, andere prinzipien (evtl. sogar ein gegenteiliges) ebenfalls. es geht nicht darum welcher style besser ist, sondern welche wirklichkeitstauglichen "prinzipien" kann ich als person am besten und technisch adäquat umsetzen, um mein ziel zu erreichen.
rein? raus? .... ich finde beides, je nachdem. aber natürlich mit power und struktur (und power kann man "short" UND largo entfalten die methoden, wie am besten und sichersten, unterscheiden sich da in einigen punkten.)






