Guten Morgen, je älter ich werde (momentan 46 Lenze), desto weniger spielt das System oder aber der Stil auch für mich keine Rolle mehr. Die für mich zentralen Sätze, die ich teile habe ich oben markiert. Absolut treffend. Bei mir sind sind es nun ein wenig mehr als 30 Jahre und ich merke, dass ich meine drei großen Steckenpferde (Karate, Wing Chun und FMA), die mich über Jahrzehnte bisweilen sehr intensiv (auch kognitiv) begleitet haben letztlich vermische bzw. nur noch rudimentär als eigenen Stil betreibe.
Die FMA waren und sind hier ein sehr wichtiger roter Faden für mich, denn dort (so mein persönlicher Eindruck) ist wahrlich Reduktion auf das Wesentliche vorhanden und ich mag diese Formlosigkeit und die Bewegung an sich. Direkt und auf den Punkt kommend. Nach wie vor hänge ich an meinen beiden Kata (Naihanchi und Seienchin), die ich immer wieder "laufe" - vornehmlich auch weil die Biester mit Kime ausgeführt richtig reinziehen im Sinne des Cardio. Naihanchi für mich nach wie vor die Kata/Form - auch im Sinne einer Kampfkunst und mit Blick auf grundlegende Konzepte der SV, aber dazu muss ich nicht in einem weißen Gi und einem bunten Gürtel in einem Verein rumlaufen. (Das ist keine Spritze! Bitte wertneutral lesen.)
Das Wing Chun hingehen...oha...mehr und mehr verblassen die Formen, die mich über Jahre beschäftigt und auch getragen haben - alles zu seiner Zeit, wie es so schön heißt. Sie geben mir nichts mehr - das ist schwer zu erklären. An der Holzpuppe arbeite ich sehr gerne und ja, hin und wieder überkommt es mich, und ich "performe" die drei Formen am Stück, aber es fehlt dieser innere Reiz, die Gier. Sie wirken leer im Vergleich zu einer Karate Kata. Es umgibt diese drei Formen ein "zu viel", um es einmal vorsichtig zu formulieren. Zu viel Huen, zu viel Pak, zu viel an Konzepten und dann doch wieder nur ein Konzept, aber ich möchte hier keinen diesbezüglichen Grabenkrieg eröffnen. Es ist nur mein ganz persönlicher Eindruck.
Fazit: Ja, es hat sich bei mir auch über die Jahre verändert und wenn ich mich auf einen Stil festnageln lassen müsste, dann würde ich Karate sagen, allerdings nicht im Sinne der gesellschaftlichen Konvention und Sichtweise. Eher eine "leere Hand" mit Bewegungsmustern, die sich letztlich aus den 30 Jahren irgendwie in mir gefestigt haben und sich gut anfühlen.






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