Auf der anderen Seite schreibt auch eine der Hauptquelle, wenn nicht gar DIE Hauptquelle zu Liechtenauer, das Nürnberger Hausbuch (Ms 3227a):
"DEr / do wil lernen Ringen / der sal czu dem ersten / merken vnd wissen das dy principia / vor · noch · Rischeit kunheit list vnd klugheit / etc dy gehören och czu deme Ringen / Vnd wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen vnd alle fechten komen ursachlich vnd gruntlich vom ringen / Czum ersten das fechten mit dem langen messer / aus dem kumpt das fechten mit dem swerte / etc"
Das wirft die Frage auf, wie vollständig unser Kenntnisstand zu Liechtenauers Zeddln denn ist, ob diese jemals alle Lektionen umfasst haben etc. Und es gibt da ja keineswegs nur Konterringen, sondern auch Eingänge ins Ringen aus der Bindung.

Fiore ist ein weiterer interessanter Fall. Zum einen wissen wir ja nicht genau, wer Fiores schwäbischer Lehrer war. Seine Ringstücke zeigen grosse Ähnlichkeit mit der älteren Blume des Kampfes, aber nur mit den simpelsten Stücken dort - so, als hätte er die.schwierigeren vielleicht gar nicht mehr gelernt. Dafür sind sie didaktisch in Technikketten gegliedert, und zwar sehr systematisch. Und man findet viel mehr verschiedene Ringtechniken in der Dolchsektion als beim Ringen selbst, sodass der Eindruck entstehen könnte, dass ersteres nur ein Crashkurs sein sollte. Soll heissen: es ist für das frühe 15. Jh. schwer zu sagen, wer aus welcher Schule kommt, was persönliche oder didaktische Präferenzen sond etc.