Am Kontext? Vielleicht.
Ich vermute eher dass es daran liegt dass wir die Menschen mit denen wir uns in der gleichen Blase bewegen sympathischer finden.
Oder ganz konkret gesagt: den Thomas magst Du, während Du mir gegenüber eher Antipathie empfindest. Da diese Antipathie jedoch auf Gegenseitigkeit beruht, ist dies völlig okay für mich.
mir ist klar, dass das schwierig ist, da den im wissenschaftlichenb sinne "korrekten" bergriff zu finden, da man sich ja noch nicht mal einig ist, was denn diese ominöse "kultur" eigentlich ist (in der ethnologie ist es schlicht das weltbild, das "wissen" von der welt und wie die so funktioniert, insbesondere, wenn es ums gesellschaftliche miteinander und deren symboliken und dabei benutzten bedeutungszuschreibungen geht und um die "grenzen", da ja auch kuturablehnung (einzelner aspekte) in jeder kultur mit dazugehört (kulturelle gegenströmungen, subkulturen, sich gerade verändernden strukturen... am ehesten einig ist man sich da mit: "Kognitiv-emotive muster, die innerhalb einer eingrenzbaren menschlichen gruppe die werte/weltsicht bestimmen). da es nun einmal keinen besseren begriff für das phänomen gibt und da es über "soziologisches", "religiöses", ökonomisches usw. hinausgeht und all diese "teile" holistisch als interaktive gesamtheit der praktisch UMGESETZTEN kultur verstanden werden, ist einfach "Kultur" der soundso wohl das beste, was man dazu sagen kann (in dem wissen um die problematik dass "kultur" mit "gesellschaft" oder gar mit materiellen produkten verwechselt wird, in denen Kultur ihre spuren hinterlässt, die aber nicht "kultur" SIND (zb. bauwerke, bestimmte nahrungszubereitungen pipapo), obwohl es ja ein rein ideelles konstrukt ist - eben kognitiv-emotive muster, die menschliches verhalten/wissen steuern. als solches ist es ständigem wandel unterzogen. wobei einige bereiche beharrlicher sind und sich nur über sehr lange zeiträume ändern und andere sich ruck-zuck wandeln können. die in einer gruppe dominante kultur ist immer mehr oder weniger in ihren diversen aspekten umstritten - ein ständiges machtspiel von interessensgruppen. deshalb kann ich auch nicht gelten lassen, wenn jemand meint, dass jemand aus einer bevölkerungsgruppe, in der kultur x dominant ist, ihr hilflos ausgeliefert sei und zu allem nur ja und amen sagen muss, weil er gar nicht anders denken und fühlen könne. aus dem gleichen grund kann "kultur" und "volk" nicht identisch sein (auch, wenn jedes "volk" in einem gewissen kulturellen RAHMEN agiert- inklusive der grenzüberschreitungen und der freien bewegung innerhalb des ramens mit seinen intern umstrittenen grenzen, die nicht fest, sondern durchlässig sind.
statt kulturkreis also eher nur kultur oder, wenn man sehr genau sein will: die region x in der bei der bevölkerung y dieses oder jenes zum zeitpunkt z ein dominantes kulturelles phänomen ist![]()
Geändert von amasbaal (06-01-2026 um 22:26 Uhr)
Du kannst also anerkennen , daß solche Muster die man mit sich schleppt und in eigenen bis dahin gelebten Kulturbereich geprägt wurden , beharrlicher sein können , trotzdem fällt es dir schwer einzugestehen das diese kognitiv-emotive-Muster auch im der Fremde noch sehr machtvoll nachwirken können . Sie ev. sogar noch verstärkt und stabilisiert werden , weil sie eine Orientierung geben in einem Umfeld , das sich sehr unterscheidet von der vertrauten bis dahin gelebten Kultur einschliesslich ihrer kognitiv-emotiven-Muster? Das wundert mich ein wenig ^^
Die verstehen sehr wenig , die nur das verstehen , was sich erklären lässt. ( Marie v. Ebner-Eschenbach)
fällt mir nicht schwer. hab ich das gesagt? es ist, wie du sagst. mir fällt es eher schwer zu sagen, dass es im rahmen einer kultur unmöglich sei, diesen mechanismen zu entkommen. was es schwer macht, sind die erwähnten machtverhältnisse. wenn religiöse fundamentalisten die macht im kulturellen diskurs erlangen und zugleich in den politischen strukturen (evtl. durch ihren gestiegenen kulturellen einfluss) entscheidende positionen besetzen können, dann wird es schwer, etwas anderes im rahmen der entsprechenden kultur umzusetzen, als von den machtstrukturen vorgegeben. der mechanismus lässt sich sehr gut auch anhand der perfide gezielt zusammen entwickelten kulturellen und politischen macht(steigerung) der Nazis aufzeigen und deren einfluss welt- und menschenbild mit hilfe der "gleichschaltung" und ritualisierungen von alltag und politik, die die kulturellen muster zu verankern halfen. und trotzdem: jeder hätte es auch anders machen KÖNNEN (und einige haben es getan). der mensch ist ein gewohnheitstier und nicht nur, aber stark nutzenorientiert.... leider. er passt sich schnell an den kulturwandel zum negativen an, wenn er glaubt, er würde ihm nutzen undglaubt, dass das jetzt das "normale"/normgebende ist (und diesen glauben zu implementieren ist schon ein teil des gelenkten kulturwandels in diesem beispiel). die nachwehen spüren wir noch heute im alltagssprachgebrauch in unbbewußten denkmustern (von denen niemand ganz frei ist). dennoch: ein dagegen ist immer möglich und findet immer statt (wie stark von wie vielen und wie erfolgreich ist wieder eine machtfrage: wessen "erzählungen" über richtig und falsch setzt sich durch und wird zum domninanten ton/inhalt in der öffentlichkeit)
ja, es gibt einige kulturelle aspekte, die sehr beharrlich sind - v.a. wenn sie irrational verinnerlicht werden können - etwa durch rituale und anknüpfung an reine "glaubenssätze". religionen sind da so ein ding, die gewisse kulturelle aspekte sehr lange gleichbleibend ritualisiert tradieren. wenn es da "wandel" gibt, gibt es in der geschichte immer enorme und oft sehr blutige konflikte. das zu bestreiten wäre lächerlich. nur: es gibt diese (oft brutalen) wechsel von kulturellen inhalten, die über die religion transportiert werden. in der geschichte findet man solche konflikte (ich meine jetzt die internen) bei allen religionen. auch da: machtfrage. nehmen wir den Iran. kaum jemand dort, würde sich nicht als schiitischer muslim bezeichnen. die einen lehnen das tragen von kopftüchern als symbol eines erzwungenen verhaltens ab (sie lehnen sie nicht an sich ab, sondern, den zwang, sie zu tragen), in der vergangenheit gab es diesen zwang im ebenso, wie heute schiitisch geprägten Iran nicht (ich meine den Iran der 50er bis späten 70er jahre). dann ändern sich die mahctverhältnisse und die mullahs beginnen einen "kulturkampf", den sie mit brutalen mitteln erst mal gewinnen. dann regt sich widerstand, der an macht gewinnt (politisch gestärkt durch den berüchtigten todesfall und die proteste danach und deren unterstütziung durch den "westen")... umstritten also. die frauen und manche männer, die dort protestieren sind jedenfalls keine willenlose opfer der kulturellen muster, die ihre religionsfaschistischen machthaber gerne in zement gegossen hätten.
wo du auch recht hast: im exil sind viele menschen stärker "identitätspolitisch" orientiert, als zu hause. dementsprechend auch eine "gegenkultur" zu der, in der man nun "fremd" ist (oder sich auch nur so fühlt): die übersteigerte orientierung an den dominanten kulturellen mustern ihrer heimat (wie auch immer die dann gerade aufgrund der politik aussehen und vermittelt werden) - je entgegengesetzter der als dominant wahrgenommenen (und meist misverstandenen) Kultur im exil-land, desto besser.
deshalb krieg ich bei der "rechtgen" identitätspolitik ne krise. ist das gleiche in braun: festnageln auf identitäre kulturaspekte, also auf differenz nach außen und gleichförmigkeit nach innen, und dabei einen "kulturkampf" um eine "umwertung der werte" (die als "links" dominiert bezeichnet werden) zu führen, die ein welt- und menschenbilder enthalten, die mir zuwieder sind. da treffen sich dann bei mir die themen.
aber, dass ich mal gesagt hätte, dass kultur (die kognitiv-emotiven muster) an sich NICHT machtvoll wirkt, kann eigentlich nicht sein. vielleicht hab ich mich mal nicht klar genug ausgedrückt und es ist der eindruck entstanden.
beides existiert zugleich: die beharrlichkeit und die wahl, dinge anders zu machen. es bleibt immer eine verantwortung für das eigene handeln, die sich nicht mit "ist so in meiner kultur" abtun lässt. dass das leicht ist und dass das die meisten können, ist damit nicht gesagt.
ich gehe mal davon aus, dass auch der islamismus ein kulturelles (v.a. in politik und religion natürlich) phänomen ist, das durch andere abgelöst wird. nichts ist kulturell ewig. leider gibt es manches, dass allzu lange anhält (sage ich natürlich aufgrund meiner eigenen kognitiv-emotiven muster, die mir aber meist recht bewußt sind und gegenüber denen ich dann auch eine kritische meta-ebene einnehmen kann. KANN!)
da besteht aber jetzt kein widerspruch.
Geändert von amasbaal (06-01-2026 um 23:43 Uhr)
Viele Grüße
Thomas
https://www.thiele-judo.de/portal/
The reality is, you can say ANYTHING you want. You just have to be willing to face the consequences of your choice.
Ich persönlich bin bis in die späten 1990er in Schlägereien geraten. Seitdem nicht mehr nennenswert.
Tatsächlich haben die positiven Kontakte für mich zugenommen.
Gerade auch, wenn es mal kurz vorm rappeln ist.
Aber vorletzte Woche ist eine Frau an der REWE Kasse hinter mir an 6 Leuten vorbeigezogen und hat ihren einen Artikel auch vor die meinen gelegt, der ich gerade dran war.
Den Artikel habe ich dann hinter meine gelegt. Und es gab einen kurzen Wortwechsel. Die Frau hatte dunkle Haare und war der deutschen Grammatik nicht ganz mächtig.
Und ich war wegen einer anderen Sache angefressen.
Das Einzige, das sich in den letzten 40 Jahren für mich spürbar geändert hat, ist mein eigenes Verhalten.
Ach ja : Und REWE hat Edeka ausgestochen.
"We are voices in our head." - Deadpool
"man ist keine elitäre gruppe, die den richtigen weg bestreitet, und die wahrheit für sich in anspruch nehmen kann, weil man eine minderheitenmeinung vertritt." - Marq Aurel
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