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Thema: Wieso, weshalb, warum?

  1. #1
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    Standard Wieso, weshalb, warum?

    Wir hatten an anderer Stelle hier im Forum (u.a. in dem Faden über Neuheiten in der EWTO) die Diskussion darüber was Kampfkünste etc. bewirken sollen, bzw. warum man sie trainiert. Dass einige Systeme Marketing sind, andere ineffektiv etc.
    Der ganz normale KKB Wahnsinn halt...

    Heute habe ich zufällig einen Artikel über den tödlichen Angriff auf den Bahnmitarbeiter gelesen und ein Gespräch mit einem Teilnehmer unserer Deeskalations- und Schutztechniken Kurse über diese Art der Gewalteskalation gehabt (was in dem beruflichen Kontext leider oft der Fall sein kann) gehabt.

    Beide Dinge zusammen haben mich dazu bewogen noch einen Artikel für unsere Homepage zu schreiben, da ich denke dass heutzutage sehr viele Kampfkünstler und "SV-Praktiker" sich gar kein realistischer Bild mehr darüber machen wo Ihr Stil eigentlich herkommt und wie er sich verändert hat.

    Ich mache Kampfkunst

    Viel Spaß beim Lesen!
    Geändert von kanken (04-02-2026 um 21:15 Uhr)

  2. #2
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    Was genau will ich eigentlich können – und warum? Will ich mich messen, mich fordern, eine Überlieferung/Tradition bewahren, mich entwickeln, mich ausdrücken? Oder glaube ich, mich auf Situationen vorzubereiten, die ich weder kenne noch realistisch simulieren kann? Und passt das Werkzeug, das ich dafür benutze, wirklich zu diesem Ziel – oder gefällt mir nur die Geschichte, die ich mir darüber erzähle?
    Da stimme ich am meisten zu. Tue es aber auch generell zum Gedachten. Danke.

    Was ich bei mir selber beobachte :

    Als junger Mensch studierte ich bestimmte Gewalttaktiken in einer Art Gegenkultur.

    Heute benutze ich die dort benutzten Strategien und Grundmentalität in der gesellschaftlichen Form von Gewaltmonopol, also der kulturellen.

    Ich habe gegen mich geplante gesellschaftlich gekleidete Gewalt früh entdeckt, die richtigen Leute zusammengebracht und die schrittweise Eskalation - m.E. eines der Kernmerkmale von GKG ( Gesellschaftskonformer Gewalt) so weit möglich kontrolliert.
    Erst nur als mitgedachte Option, dann zentral.
    War hart und von Rückschlägen begleitet. Musste z.B. Rechtsberatungen und Anwaltssuche für mich erst mal in den Grundzügen erforschen. Bin auf diesem interessanten Gewaltweg auch noch am Anfang.

    Nach Verwaltungs- und Arbeitsgerichtsklagen kommt nun wohl auch die Strafanzeige als mein Mittel hinzu. Das über Monate in Interaktion mit den Protagonisten vorzubereiten, war interessant.
    Ich bot auch immer den Einigungsweg. Aber dahinter lag eine unvermutete Konsequenz. Die kommt innerlich glaube ich von früher.
    Schlimm war - und ist phasenweise - die körperliche Komponente der Nichtentladung. Der Dauerstress, der reduzierte Schlaf.
    Das gab es früher nicht.

    Dachte, ich würde im Alter mit Tai-Chi anfangen.

    Aber das ist viel spannender. Und auch nur die Geschichte, die ich mir lieber über mich erzähle.
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  3. #3
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    Food for thought.

    Für mich persönlich kann Gewalt bereits mit einem einzigen Blick beginnen. Aber deshalb präventiv die Initiative zu ergreifen wäre im Alltag wenig praxistauglich, und sicherlich könnte auch kaum ein Richter meinen Gedankengängen folgen.

    Da ich Kampfsportler, und kein Kampfkünstler war/bin, ist die Frage nach der Motivation auch schnell beantwortet. Mit philosophischen- oder esoterischen Gedankenspielen muss ich mich diesbezüglich daher nur selten befassen.

  4. #4
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    Sehr guter Artikel Kanken!
    Spannend finde ich auch wie sich die Gründe und die Gewichtung im Leben verschieben können. Bei mir wurde aus praktischer Notwendigkeit ein Hobby und Lebensweg (ohne echte Notwendigkeit). Irgendwann verlor es dann etwas seinen Reiz und andere Dinge nahmen den Platz der KK ein (ohne, dass ich damit völlig aufhörte). Jetzt, nach Jahrzehnten, ist es seit kurzem wieder eine Notwendigkeit.

    @Gürteltier: Wie wäre es mal etwas weniger verwirrend zu schreiben. Ich weiß nicht was du uns sagen willst (und könnte mir vorstellen, dass es durchaus interessant sein könnte)
    Geändert von ThomasL (05-02-2026 um 15:33 Uhr)
    Viele Grüße
    Thomas
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  5. #5
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    Zitat Zitat von Teetrinker Beitrag anzeigen
    Da ich Kampfsportler, und kein Kampfkünstler war/bin, ist die Frage nach der Motivation auch schnell beantwortet. Mit philosophischen- oder esoterischen Gedankenspielen muss ich mich diesbezüglich daher nur selten befassen.
    wenn man als kampfsportler dann noch disziplinen trainiert, die mit echtem kontakt betrieben werden und so einen realen wert in einer auseinandersetzung haben, weiss man genug und braucht keine gedanken spiele, sondern man bewegt sich auf dem boden der realität.
    Geändert von marq (05-02-2026 um 17:05 Uhr)

  6. #6
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    Welcher Realität?
    Viele Grüße
    Thomas
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  7. #7
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    Eben, das ist doch die entscheidenden Frage.

    Marq hat einen andere Realität als meine 17-jährige Tochter auf Parties oder auf dem Weg dorthin, bzw. zurück. Er hat auch eine andere Reaität als mein letzter Patient von der Platte, oder als die Mutter deren psychotischer Sohn ihr gerade den Hals aufgeschnitten hat, oder als der ehemaliger Fremdenlegionär aus der 1%er Szene oder als der getötete Bahnschaffner oder, oder, oder…

    Jede „Realität“ braucht und hat eine andere Brille und jeder wird in einer KK andere Dinge suchen und finden (oder reininterpretieren). Jeder wird auch einen Kampfsport anders trainieren, eben weil er andere Ziele, Erfahrungen und Motivationen hat.

    Genau deswegen ist es ja wichtig zu verstehen wo etwas herkommt und wie es sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Da spielt es dann eine wichtige Rolle wer das System in welchem Kontext warum und mit welchem Ziel betrieben hat.

    Das erklärt dann auch warum eine KK so unterschiedlich in Ihrer Interpretation sein kann. Ein Name, zig verschiedene Inhalte, da sie im Laufe der Zeit von zig verschiedenen Menschen in zig verschiedenen soziokulturellen Umfeldern mit zig verschiedenen Zielen trainiert wurde.
    Geändert von kanken (05-02-2026 um 17:25 Uhr)

  8. #8
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    Zitat Zitat von ThomasL Beitrag anzeigen

    @Gürteltier: Wie wäre es mal etwas weniger verwirrend zu schreiben. Ich weiß nicht was du uns sagen willst (und könnte mir vorstellen, dass es durchaus interessant sein könnte)
    War mehr Schreibdenken. Was ich meinte war, dass ich berufliches Mobbing auf mich zukommen sah und eine mögliche Borderlinestörung-Persönlichkeit, die sowieso über mich tratschen würde, getriggert habe, massiv zu lügen.
    Das wollte sich ein Vorgesetzter zu nutze machen.

    Als er erkannte, dass die Person log, wollte er die Sache weiter durchziehen. Das hatte ich so nicht erwartet, konnte aber bestimmte Drohungen auswarten und zugucken, wie das ganze über Jahre vor Ort etablierte Bossing-Unterstützersystem gerichtlich verwertbare Fehler akkumulierte.
    Ich hatte auch lange Insiderkenntnisse aus einer Funktionsstelle heraus sammeln dürfen.

    Sicher auch nicht viel verständlicher. Zu genau will ich aber nicht werden.

    Die Crux mit der Psychologie ist, das mensch öfter sieht, wie Leute ticken ( Diagnostik ) aber es schwer ist, sie zu ändern ( Intervention ).
    Knöpfe drücken und sie tun lassen, was sie eh tun, geht eher. Arbeitet aber nur mit Wahrscheinlichkeiten.
    Anfangs erwartete ich, die BLP würde nur zu etwa 30% so agieren, wie sie es dann glücklicherweise tat. War schon auch eine arschige Manipulation von mir.
    Obwohl ich de facto sehr korrekt und geduldig um Einigung bemüht gehandelt habe.

    Bei der ganzen Geschichte kann ich eventuell meinen Job verlieren, weil ich jetzt Forderungen gegenüber der Behörde platzieren will.

    Aber es ist das Kampffeld psychischer Mobbing-Gewalt, das in gerichtliche Staatsmonopol-Gewalt übergeht.
    Ich meinte, dass sich die Kampffelder verschoben haben und die Nutzung staatlich monopolisierter Gewalt mit ins Spiel gehört.

    Nachtrag : Und eben primär in Form von Drohungen und scheinbaren Situations-zwängen. Erinnert wirklich an bluffende Ego-Schläger.
    Es kommt auf diesem Feld in meinem Berufs-Segment sehr selten wirklich zum gerichtlichen Kampf.
    Daher trifft man da wohl öfter Spieler, die sich verschätzen und jahrelang am Erfolg gelernt haben. ( Ich bin ja auch bloss wagemutiger Anfänger.)

    Versicherungsbranche etc. wäre sicher ein ganz anderer Schnack.
    Geändert von Gürteltier (05-02-2026 um 18:07 Uhr)
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  9. #9
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    ich meine eine andere realität. nicht nur so tun als ob und dagegen etwas machen, sondern sich einem realen angriff durch den trainingsprozeß nähern und lernen damit umzugehen.

  10. #10
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    Danke Gürteltier, damit ist es etwas klarer.

    @marq: Die Realität betrifft im KS "primär" den physischen Angriff und selbst davon nur einen Teil. Die Realität auf psychischer Ebene ist dabei kaum vergleichbar. Sicher sind auch diese beiden Element im KS wertvoll und wichtig für "draußen", mit der Realität eines echten gewalttägigem Angriffs (egal ob "nur" mental oder auch körperlich) hat es aber nur wenig gemein. Genug wissen über die Realität, tut man als KSler daher leider nicht...zumindest nicht ohne weitergehende Erfahrung. Wichtig: Mir geht es um echte Gewalt, nicht um Schulhof- oder (normale) Festzeltschlägereien.
    Trotzdem würde ich natürlich eher auf jemand setzen, der zumindest in dieser Form mit körperlicher Gewalt (im VK, vor allem mit WK Erfahrung) vertraut ist, als jemand der gar nichts macht oder nur so tut als ob.
    Geändert von ThomasL (05-02-2026 um 18:07 Uhr)
    Viele Grüße
    Thomas
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  11. #11
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    die realität mit der kampfsportrealität ist natürlich nicht 1:1 vergleichbar , aber ähnlich und man ist nicht gänzlich überrascht, das es jemand ernst meint, im gegensatz zu anderen kampfkünsten und kampfsportarten , die ausschließlich irgendwelche formen, bewegungsabläufe oder drills trainieren und nur "was wäre wenn" szenarien spielen.....

  12. #12
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    Und genau das ist ja der Inhalt des Artikels. Nicht jede „KK“, die nur Formen trainiert, hat das schon immer getan…

    Diese Entwicklung hat es ja auch schon Anfang des 20. Jhd. als das u.a. von Wang Xiangzhai kritisiert wurde (dessen KK ja die gleiche Entwicklung genommen hat).
    Geändert von kanken (05-02-2026 um 19:23 Uhr)

  13. #13
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    Zitat Zitat von marq Beitrag anzeigen
    die realität mit der kampfsportrealität ist natürlich nicht 1:1 vergleichbar , aber ähnlich und man ist nicht gänzlich überrascht, das es jemand ernst meint, im gegensatz zu anderen kampfkünsten und kampfsportarten , die ausschließlich irgendwelche formen, bewegungsabläufe oder drills trainieren und nur "was wäre wenn" szenarien spielen.....
    Soweit würde ich dir zustimmen. Mit der kleinen Einschränkung, dass gute gemachte Szenarien (bei denen es auch richtig knallen kann) ebenfalls sehr wertvoll sein können und ein hervorragender Baustein um etwas mehr "realitätsnähe" zu schaffen und Elemente zu schulen, die im KS Training fehlen (mehr psychisch als physisch).
    Im Kern, denke ich aber, sehen wir das sehr ähnlich. VK Sport ist ein guter Baustein, im Gegensatz zu ausschließlich "Trockentraining"
    Geändert von ThomasL (05-02-2026 um 20:20 Uhr)
    Viele Grüße
    Thomas
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  14. #14
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    Zitat Zitat von ThomasL Beitrag anzeigen
    Soweit würde ich dir zustimmen. Mit der kleinen Einschränkung, dass gute gemachte Szenarien (bei denen es auch richtig knallen kann) ebenfalls sehr wertvoll sein können und ein hervorragender Baustein um etwas mehr "realitätsnähe" zu schaffen und Elemente zu schulen, die im KS Training fehlen (mehr psychisch als physisch).
    Im Kern, denke ich aber, sehen wir das sehr ähnlich. VK Sport ist ein guter Baustein, im Gegensatz zu ausschließlich "Trockentraining"
    In der gängigen SV und bei runtergeschnittener KK übt Mensch primär zu gewinnen, beim freien Kämpfen lernt er aber auch, oft zu verlieren.

    Solange bei KK u. SV Trainingsformen regelmäßig ernsthaft verloren wird, ist schon viel gewonnen.
    Je mehr an und über der Verletzungsgrenze, desto mehr.
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  15. #15
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    Standard Vom Wert des Trainings

    Dahingehend zu trainieren kann schon was bringen, wenn es auch jeweils nur Puzzlestücke sind:

    Kampfsport neben Fitness, Härte,sich messen, das schärfen auf gewisse Blicke, Vibes und Gerüche vorm Wettkampf,
    Kampfkunst hohe sensibilisierung auf Feinheiten in Positionieren, Vorbereiungen, Bewegungen deuten, ausnutzen von Über-committen,
    Waffen schulen extrem die Distanz, den verdeckten Zugriff erkennen, sich hinter Hindernisse bewegen, one strike can do it usw.,
    Szenarios Adrenalin Dump, Verbal Judo, die technische Reduktion unter Hochstress etc. pp.

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