"Der Schwertgeselle" Leseprobe - Teil I
von am 10-12-2025 um 09:53 (206 Hits)
Prolog
Blut und Schweiß, das ist der Geruch einer Schlacht. Ihr könnt euch sicher den Klang des Gemetzels vorstellen. Die schrilldumpfen Laute, wenn Stahl auf Stahl trifft. Das Knacken von Holz, aus dem einfache Schilde bestehen, und das helle Splittern der Spieße. Schwerer mag es euch fallen, die Kampfschreie und die gemarterten Todeslaute der Männer zu erahnen. Jenes erstickte Röcheln, wenn ein Brustkorb so durchbohrt wird, dass es seinem Besitzer nicht mehr möglich ist, auch nur den kleinsten Laut aus den Lungen entweichen zu lassen. Erschreckend für mich waren insbesondere die Klänge einer schweren, nicht unmittelbar tödlichen Verletzung. Ein Mann, dem der Arm aufgeschlitzt oder dem das halbe Bein durch einen Schwerthieb abgetrennt wurde, vermag auf eine Art zu schreien, die sich ins Gedächtnis einbrennt. Mit dem Geruch ist dies anders. Es ist so, als würde er ein Teil der Nüstern des Kämpfers. Blut und Schweiß überlagern alles. Weder riecht man noch die Bäume des Waldes oder die Ausdünstungen der Pferde. Selbst die eigenen Exkremente, welche an den Lenden hängen, scheinen jeden Gestank vermissen zu lassen. All das wird überdeckt von dem Odem, der direkt von den Pforten der Hölle auf das Schlachtfeld geweht wird.
Blut und Schweiß klebten an mir wie eine zweite Haut. Sie bedeckten Gesicht, Helm und Wams. Ich vermochte ihnen nicht zu entgehen. Der Geruch der Schlacht war ein Teil von mir geworden. Damals, an jenem Tage, im Sommer des Jahres 1221 nach der Fleischwerdung unseres Herrn. Mochte im Vergleich zu den Kriegen, in denen ich später noch zu fechten hatte, jenes Scharmützel geradezu lächerlich unbedeutend wirken, für mich war es das mitnichten. Niemals wieder sollte ich eine derartige Empfindung von Furcht, Tod und Niederlage wie an diesem vom Willen des Herrn geformten Tag verspüren. Es war die Stunde, in der mein Herr und Ritter im heldenhaften Kampf gegen eine Übermacht fiel. Es war der Augenblick, in dem ich, von Feigheit gepackt, Reißaus nahm. Jener Moment, wo ich den Schwur vergaß und das Versprechen brach.
Ich sah ihn aus sicherer Entfernung. Den Todesstoß mit der Lanze, der meinen Ritter aus dem Sattel hob, nachdem sein Hals durchbohrt worden war. Ebenso musste ich den hünenhaften Feind hämisch lachen sehen, der diesen meisterlichen Stoß ohne Helm geführt hatte. Der Schrecken erfasste die Glieder und ich wurde der eigenen Unvollkommenheit in einer Art gewahr, die mich widersinnigerweise mein baldiges Ende herbeisehnen ließ. Was nützt es schon, ein Feigling zu sein, wenn man sich den Tod wünscht?
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