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Kampfkunst Kurzgeschichten

Roman "Kickbox Mom" - Probekapitel, Teil 4

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Zwar beäugten vor allem Maxi und am Abend dann auch Horst meinen Rocky kritisch, aber insgesamt kam er bei den Kindern gut an. Die durften nämlich ebenfalls gegen ihn schlagen, wenn sie halfen den Tisch zu decken oder abzuräumen und ich ihn für sie herunter gestellt hatte. Horst blubberte irgendetwas von:
„Na, falls dir das beim Abnehmen hilft, soll es mir recht sein.“
Nach dem Spruch hatte ich gute Lust, ihn anstelle von Rocky auf den Ständer zu schnallen. Aber ich ignorierte diesen Anfall weitestgehend und reduzierte so unsere Ehekrachstatistik um eins.
Als ich den Dummy schon eine Woche stehen hatte, nutzten Marianne und Maxi die Gelegenheit, als ich mit Luca auf dem Rücken meine Runde lief, um ihn etwas zu verschönern. Ich kam ins Wohnzimmer und Rocky hatte einen braunen Vollbart und ebenso mit Permanent-Filzstiften gemalte Haare. Seine Wange zierte eine krasse Narbe und das linke Auge trug ein Veilchen. Für gewöhnlich hätte ich einfach losgeschrien, denn dass sie nicht an meine Sachen dürfen, wussten sie eigentlich ganz genau. Stattdessen musste ich herzhaft loslachen. Ich nahm die Künstler in die Arme und versprach, dass ich keine Versuche unternehmen würde, ihr Werk zu zerstören. Irgendwie glaube ich, sie haben es getan, um mich zu unterstützen. Das mag unbewusst gewesen sein, aber es war ein nettes Zeichen. Mir machte es jetzt auf alle Fälle mehr Spaß, auf Rocky einzudreschen und das verbesserte auch meinen Fortschritt wahrnehmbar.

***

Ausdauer, Technik und Beweglichkeit sind beim Kickboxen wichtig, aber eben nicht alles. Ich kam nicht umhin schnell zu erkennen, dass ich ohne Krafttraining nicht zum Ziel kommen würde. Muskeln sind Fettverbrennungsmaschinen. Hat man sie ordentlich aufgebaut, dann verbrennt man schon auf der Couch mehr, als ein untrainierter Mensch. Nach vier Kindern hatte ich zwar noch etwas Kraft in den Armen, um Babys herumzutragen, aber ansonsten war nicht viel da. Wie beim Kickbox-Training hatte ich auch hier das Problem, dass das Angebot und meine Familie Außerhaustermine nahezu ausschlossen. Ich besann mich also auf die Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, die ich mal gelernt hatte. Der Trainingsplan umfasste Liegestütze, Beinheben, Klimmzüge, Brücken, Kniebeugen und Handstandliegestütze. Wie ihr sicher erraten könnt, schaffte ich am Anfang nicht mal einen ordentlichen Liegestütz. Bei den anderen Übungen sah es ähnlich aus. Glücklicherweise hatte ich schon früher Zwischenschritte gelernt. Meine Klimmzüge machte ich daher in einer leichten Schräge mit aufgestellten Beinen an der Turnstange in Mariannes Zimmer. Ja, ich hatte sie vorher gefragt, ob das in Ordnung ist. Bei den Liegestützen stellte ich den wohlgenährten Körper schräg an die Arbeitsplatte in der Küche und ließ mich mit den Armen bis zur Brust hinunter. Das genügte mir erst einmal. Bei den Brücken hob ich mit angestellten Füßen zunächst nur das Becken vom Boden, bis der Rücken gerade war. Auf dem Rücken liegend die angestellten Knie in einen rechten Winkel anzuheben reichte mir vollkommen als Beinheben. Meine Kniebeugen unterstützte ich wieder an der Turnstange mit den Armen und ein Kopfstand an der Wand blieb das Höchste der Gefühle in Richtung der Handstandliegestütze. Ich kam mir vor wie eine Schwerverbrecherin, die im Gefängnis trainiert. Alle zwei Tage zwang ich mich dazu, mein Programm durchzuziehen. Das ging somit in erster Linie auf Kraftausdauer, aber das war ja auch die Absicht. Als es langsam einen Effekt hatte, erschwerte ich mir die Übungen, indem ich zum Beispiel die Schräge flacher wählte. Dafür nutze ich selbst heute noch ganz verschiedene Möbel und Ecken in unserem Haus. Bei so einer Gelegenheit findet man übrigens hin und wieder von Kindern verschleppte Dinge. Mein Taschenrechner zum Beispiel tauchte hinter einer Treppenstufe zum Keller auf, als ich dort Brücken üben wollte. Es hatte ihn natürlich niemand aus der Familie versehentlich hier fallen lassen ...
Als ich schon einigermaßen wieder Liegestütze und Kniebeugen hinbekam, baute ich noch Burpees nach der crossfit-Variante in mein Training ein. Dazu lässt man sich breitbeinig in den Liegestütz fallen und drückt sich einmal hoch, dann nimmt man die Füße zu den Händen und stößt sich zu einem Strecksprung ab. Jetzt gehen die Füße wieder zurück und man fällt erneut in den Liegestütz und so weiter. Ich hatte am Anfang nach einem dieser Burpees schon genug. Aber es wurden auch hier immer mehr, die ich bewältigen konnte. Das motivierte mich genauso, wie das Erreichen der Meilensteine.

Ende ... des Kapitels.

"Kickbox Mom" ist mein neuester Roman. Hier geht's zu weiteren Informationen: https://www.kampfkunst-board.info/fo...79#post3738479
Stichworte: buch, kickboxen, training
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Kommentare

  1. Benutzerbild von ivandrago666
    super cool! kannst du mal eine geschichte schreiben mit einer jungen coolen weiblichen hauptperson, die sich in coolen actionen kämpfen durchsetzt und trotzdem immer einen lustigen spruch auf den lippen hat? würde ich sofort kaufen