Hallo Bjarne,
was habe ich ignoriert?
Das Thema sind Bewegungen (natürliche/unnatürliche), Du schreibst in Post #172, darum würde es nicht gehen, es ginge um
Zitat:
sondern um instinktive reaktionen auf reize zu kultivieren und auf ihnen aufzubauen, so dass man sich diese nicht abgewöhnen muss sondern nur an ihnen anknüpfen muss.
Nein, darum geht es eben nicht, wenn das Thema natürliche Bewegungen ist. Hier wird ohnehin mit viel allgemeinsprachlichem Durcheinander argumentiert. Das geht nicht. Instinkt hat nichts mit Kultur und Kultivieren zu tun. Durch Reize ausgelöste Reaktionen sind keine Instinkte.
Es geht einzig um die Frage, ob es ein Vorteil ist, wenn eine KK natürliche Bewegungen verwendet oder nicht.
Die Frage, ob man natürliches intuitives Verhalten (das ist das, was Du wohl meinst) vorteilhaft in eine KK einbauen kann, muß zunächst klären, was natürliche Intuition sein soll. So einfach ist die ganze Sache nämlich nicht.
Im Weiteren geht es darum, ob sich ein Verhalten derart konditionieren läßt, daß es .... (jetzt kommt es....) intuitiv zustande kommt und ob hier natürliche Bewegungen eine bessere Voraussetzung liefern, als künstliche Bewegungen.
Und letzten Endes geht es darum, daß eine Kampfkunst, welche vorwiegen natürliche Bewegungen als Basis seines zu konditionierenden Verhaltens nutzt, kein natürliches Verhalten hat, sondern - eben - ein konditioniertes Verhalten.
Das ist keine Haarspalterei, wie Du in Post #172 meinst, sondern bloß Genauigkeit. Diese ist äußerst wichtig, will man nicht nach Belieben argumentieren.
Post #175
Zitat:
(jede KK ist für jeden erlernbar, sofern er nicht körperlich oder geistig beeinträchtigt ist. KM hab ich auch schon von nem rollstuhlfahrer gesehen....) eigentlich alle hybriden machen das aber genau so, dass keine highkicks oder merkwürdige verrenkungen gelehrt werden. ist also auch kein herausstellungsmerkmal von WT im SV sektor finde ich.
Nein, das stimmt nicht. Capoeira erfordert eine akktobatische Leistung, die nicht jeder aufweist. TKD und Karate beanspruchen den Spagat die Ahärtung von Handgelenkknochen, MT, MMA und Boxen erfordert eine hohe Fitness, Aikido kommt nicht ohne Dehnübungen zum Trainingsbeginn aus... Alle diese Systeme erfordern es, zunächst den Körper entsprechend aufzubereiten.
Du schreibst in Post #178
Zitat:
eigentlich alle hybriden unterrichten keine verrenkungen und bewegungen die nur nach aufwärmen verletzungsfrei möglich sind. zumindest alle hybriden die ich bisher kennen gelernt hab.
KM? MMA?
Zitat:
viele von denen nehmen meiner meinung nach auch die instinktiven abwehrreaktionen oder setzen zumindest auf einfache grobmotorik mit bewegungen die der normale mensch "so kennt" und die er schnell drauf hat.
„Instinktive Abwehrreaktion“? Bitte genauer: Instinkt vs. Reflex vs. Reaktion...
Motorik:
Du verwendest den Begriff Grobmotorik. Richtiger Weise hättest Du dort aber Alltagsmotorik verwenden müssen. Grobmotorik ist eine erste Lernstufe beim Lernen von Bewegungen. In einigen Publikationen wird als Grobmotorik auch Grundbewegung bezeichnet, wie Laufen, sich hinsetzen, Springen..., was aber nicht berücksichtigt, daß hierzu sehr viel Feinmotorik notwendig ist, um diese Bewegungen harmonisch mit dem Körper zu vereinen.
In der Grobmotorik geht es weitestgehend um Gleichgewicht, Selbstwahrnehmung und überhaupt darum Muskel an- und entspannen zu können. Was wir in jeder KK benötigen und ohne sie überhaupt nicht auskommen, ist Feinmotorik. Die erst umfaßt so Dinge wie Reaktionsfähigkeit, differenzierte Gleichgewichtsfähigkeiten, Rythmusfähigkeit, Koppungsfähigkeit etc..
Und genau hier kommen dann die Auswirkungen zu Tragen, die von der Nutzung natürlicher Bewegungen ausgehen, nämlich den Bewegungsprozess nicht motorisch zu belasten.
Zitat:
da aber jede kk/ks die sich irgendwie mit sv befasst, das auch erkannt hat, ist das kein herausstellungsmerkmal. natürlich sind dann alle bewegungen "natürlich".
Eben nicht in allen KK, nicht mit allen Bewegungen. Selbst im Wing Tsun gibt es Bewegungen, die ich zwar noch als natürlich ansehe, weil sie ihm Rahmen des natürlichen Gelenkradius stattfinden, aber doch zugleich keine Alltagsbewegungen darstellen. Ich denke da speziell an Tritte aus der CK und der HP.
Zitat:
aber das ändert nichts dran, dass mMn es sinnvoller ist, auf instinktiven verhaltensmustern aufzubauen und aus diesen ein kampfsystem aufzubauen. zumindest, wenn es um schnelle erlernbarkeit und stressresistenz geht.
Auch hier: Ich glaube nicht, daß Du von Instinkten sprichst, sondern von der Nutzung einer Alltagsmotorik. Instinktives Handeln ist wirklich nicht dazu geeignet, eine KK zu gestalten, weil jeder Mensch anders instinktiv reagiert und das kein systematisches Handeln darstellt, im Sinne eines Systems.
Ich denke schon, daß es einfacher ist, sich innerhalb einer Alltagsmotorik aufzuhalten, als in einer nicht gewohnten - aber genau damit schaffen wir doch den Sprung zum Sinn eines Trainings eines bestimmten Kamfpverhaltens. Alltagsmotorik beinhaltet keinen Kampf. Um Kampfverhalten zum Teil meiner Alltagsmotorik zu machen, konditioniere ich deren Bewegungen und Bewegungsaläufe so weit, daß sie in diese Kategorie gewohnten Verhaltens gelangen. Dort angekommen, verhält man sich dann „gewohnt“ (was wir alltagssprachlich gern als natürlich bezeichnen).
Gruß, WT-Herb