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carstenm
Inwiefern denn "Chaos"?
Diese Aussagen wurden ja nicht synchron getätigt, sondern diachron. Sie folgen doch schlicht dem Lernprozess anhand der Entwicklung des Pnademieveraufs?
Nun ja, die formale bzw. formaljuristische Begründung war immer die Verhinderung einer Überlastung des Gesundheitssystems. „Infektionsgeschehen eindämmen“ hätte, so schwammig wie das ist, wohl kaum einer Überprüfung durch die Gerichte standgehalten. Im Grunde bestätigst Du ungewollt genau das, was ich meine. „Hinter den Kulissen“ hat man die Zielvorgaben an das, was man in der jeweiligen Situation (immer wieder wechselnd) erreichen wollte angepasst. Sauber kommuniziert hat man das aber nie. A) um gerichtsfest zu bleiben und B) um den Wähler nicht zu verunsichern. DAs haben die Leute aber durchaus gemerkt. und sowas erzeugt dann eben kognitive Dissonanzen.
Du kannst Dir ja gerne einreden, die Kommunikation seien immer vollkommen klar und transparent gewesen. Und ferner, dass die Bevölkerung geschlossen wie selten zuvor zu dem alles überragenden Ziel gestanden sei. Nun, selbst wenn Ersteres der Fall gewesen sein mag, war Letzteres nie der Fall. Du erklärst das dann mit der fortschreitenden Egoisierung der Menschheit und dem Verfall der Sitten. O tempora, o mores. Ich gehe da nicht mit. Da habe ich ein anderes Menschenbild (und wundere mich ehrlich gesagt, wie das eines Seelsorgers so jämmerlich zynisch sein kann). Ich hingegen halte Fehler in der Kommunikation für deutlich wahrscheinlicher und as stimmt letzten Endes auch mit meiner Wahrnehmung überein.
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Leider kann ich das hier nicht verlinken oder posten.
Das brauchst Du gar nicht, denn Du redest erneut von der Kommunikation von „erforderlichen“ Maßnahmen. Ja, das habe ich auch so erlebt. Was „zu tun ist“, damit wurde ich auch aus allen Kanälen einheitlich befeuert (Landratsamt, Sportvereine, Arbeitgeber, Regierungen auf allen Ebenen und what have you). Nur an der sinnvollen und stringenten Begründung, da hat es massiv gehapert. Aber ich warte gerne auf Deine Gegenbeispiele.
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Wenn man diese ganzen Aussagen synchron nebeneinander legt, dann sind die natürlich widersprüchlich. Aber wenn man sie in ihrem zeitlichen Verlauf anschaut - und das konnte/mußte ich qua Job - dann bilden sie schlicht und einfach den Erkenntnisgewinn im Verlauf der Entwicklung ab.
Und wo bitte ist dieser Erkenntnisgewinn in die erforderlichen Maßnahmen eingeflossen? Wann wurde gesagt, wir müssen unsere Ziele anpassen? Wann wurden die Maßnahmen offiziell (!) neu begründet?
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Oder eben auch das Bewußtwerden von Unsicherheiten, bzw. Unkenntnis.
Wem ist das bewußt geworden? Ich (und einige andere auch) habe hier von Anfang auf die Unsicherheiten statistisch empirischer Erkenntnisse hingewiesen und mir wurde erzählt, ich hätte keine Ahnung und das sei doch alles glasklar. Wie denn nun?
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Zum einen verändern sich Zielvorgaben, wenn sich Erkenntnisse verändern oder auch wenn Entwicklung geschieht. In der Medizin spricht man in Bezug auf einen individuellen Patienten von der "Anpassung der Therapie" oder ggf. auch von der "Anpassung des Therapieziels".
Ja genau. Und wo war die Aussage „wir müssen unsere Ziele anpassen“, „ es geht mittlerweile um etwas anderes“, o.ä.? Bei Euch hinter den Kulissen? Schön! Offiziell war da nix (wie gesagt, ich warte gerne auch länger auf entsprechende Links. Solange aber das hinter den Kulissen stattfindet aber nicht sauber öffentlich kommuniziert wird, sind wir ja genau bei dem, was ich kritisiere.
Und nochmal, wo wir es ja gerade mit Staats- und Demokratieverständnis hatten: ich finde es schon ein ziemlich merkwürdiges derartiges Verständnis, zu behaupten, es sei grundsätzlich immer das unvernünftige dumme Volk schuld. Genau das ist der Ansatz, der von der Demokratie wegführt.
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Ich habe es inzwischen drölfmal erlebt, dass wir uns unter großem Aufwand auf eine bestimmte Zielvorgabe geeinigt hatten ... ein oder zwei Tage ... Zielvorgabe erscheint ... und bämmmmmm ... alles schon wieder ganz anders ...
nun ja, derlei sprich meist für eine zu kleinteilige Steuerung. Corona ist ja nicht das einzige sich schnell wandelnde Phänomen, auf das es zu reagieren gilt. In meiner Welt ist sowas jedenfalls normal und da versucht man dann eben stabile Lösungen zu finden, die vielleicht nicht jedes Detail perfekt berücksichtigen aber auch nicht andauernd angepasst werden müssen. Und warum? Genau! Damit man gegenüber den Kunden und/oder dem Management eine gewisse Konsistenz aufzeigen kann, die Vertrauen schafft. Also genau das, was ich bei Corona vermisst habe und was Du ja hier auch bestätigst.
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Du bist ganz sicher in der Lage, bestimmte Fehler zu erkennen. Natürlich.
Das ist doch aber eine grundlegend andere Kompetenz, als die aktiv sinnvolle Handlungsstrategien zu entwickeln?
Das ist vermutlich richtig (wobei der Spahn ja Bankkaufmann ist und ich somit eher qualifiziert). Aber in meinem Bereich wird das von mir auch erwartet. Wenn der Klempner bei Dir war und der Wasserhahn immer noch tropft, dann darfst Du auch gerne behaupten, der habe Mist gebaut, ohne dass Du eine entsprechende Ausbildung gemacht hast.
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Zumal ja auch schon die Gewichtung und Einordnung der festgestellten Fehler eine Fachkompetenz erfordert, von der ich der Ansicht bin, dass sie dir fehlt.
Das ist vermutlich richtig (wobei der Spahn ja Bankkaufmann ist und ich somit eher qualifiziert). Aber in meinem Bereich wird das von mir auch erwartet. Wenn der Klempner bei Dir war und der Wasserhahn immer noch tropft, dann darfst Du auch gerne behaupten, der habe Mist gebaut, ohne dass Du eine entsprechende Ausbildung gemacht hast.
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Zum einen bin ich aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen seit längerem der Ansicht, dass die wirkliche "Panik" dann entstehen würde, wenn den Menschen das Potential dieses Virus - also seine langfristige systemische Wirkung auf unseren Organismus - tatsächlich umfänglich bewußt wäre. Klingt in deinen Ohren wahrscheinlich paranoid, Chief Brody mässig ... wäre gut, wäre sehr gut, wenn du Recht hättest ...
Ja, tut es. Das ist in etwa so, wie wenn ich mit meinem Bekannten, dem Polizeichef im Zentrum einer südeuropäischen Metropole, über Ausländer rede. Für den sind alle Verbrecher. Der sieht halt den ganzen Tag nix anderes. Cognitive bias.
Also tröste Dich. Würde ich Dir uneingeschränkt glauben, würde ich auch alle Ausländer für Verbrecher halten. ;)
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Den Strand schließen ... oder alle fröhlich rausschwimmen lassen
Nun ja, ein wenig Ratio darf man schon walten lassen. Wenn etwas über Aerosole und Tröpfchen übertragen wird, muss ich klein Epidemiologe sein, um zu verstehen, dass man den Strand bei 5 Beaufort auch schon mal offen lassen kann. (Selbst an den vollsten Stränden habe ich außer meine Familie niemanden unter 1,5m in meiner Nähe.) Da wäre es natürlich hilfreich, wenn man logisch in der Lage wäre, zwischen Superspreading-Events und gelegentlichen Ansteckungen im Einzelfall zu trennen (übrigens ein Argument was Streeck mal im Zusammenhang mit Stadionbesuchen gebracht hat. Aber der ist ja auch Coronaleugner, weil er nicht für Dauer-Lockdown war).
Im übrigen ist das ja wohl das Grundproblem eines jeden Politikers zu jeder Zeit. Da gibt es eben welche, die bekommen das besser hin und eben die anderen.
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Ich hoffe, ihr könnt euren Urlaub geniesen!
Jenseits von Corona-Diskussionen schon. ;) :biglaugh: