Klar, in deutschen Schulen lernt man, daß es nun mal einige Jahre dauert, bis man Taiji halbwegs kann, bis auch innerlich eine Entwicklung stattgefunden hat und vor allem, bis irgendwelche Prüfungen abgelegt werden können. Durchschnittlich 2 Jahre zum Assistenten, 4 Jahre zum Kursleiter und Lehrer 6-8 Jahre, jedenfalls in den "seriösen" Ausbildungen.
Das erschien mir bisher auch irgendwie nachvollziehbar, denn wenn man so sieht, wer sich alles in Taiji-Schulen tummelt, dann findet man doch relativ viele Leute, die keine besonders sportlichen Typen sind, auch keine Bewegungskünstler, sondern eher "sanft" orientiert.
Man könnte auch sagen, Taiji ist ein bißchen Sammelstelle für viele, die in anderen Kampfkünsten nicht Fuß fassen konnten, natürlich neben jenen, die sich aus echtem Interesse dafür entschieden haben- und neben der spirituellen "Wolkenhände-Fraktion".
Also logisch, daß es erst mal viele, viele Monate dauert, bis man mal die Bewegungen einer einzigen Form gelernt hat und damit rechnen darf, daß sich bei Seidenfaden und Zhan Zhuang tatsächlich auch innen etwas tut.
OK.
Manchmal hätte ich mir schon gewünscht, etwas schneller vorangehen zu können, da mir die Bewegungen dank früherer Kampfsporterfahrung vergleichsweise leicht fallen und da auch energetisch schnell viel Energie da war, vermutlich wegen langjähriger Meditations- und Energiearbeit...
Aber man begreift natürlich, daß es beim Taiji eben länger dauert und respektiert das.
Kommentare, daß man mit Schwert und Säbel deshalb eigentlich noch gar nicht arbeiten dürfte und daß der chin. Lehrer, der das zuließ ja wohl nicht so ganz seriös sein kann, schluckt man dann mit zwiespältigen Gefühlen- "schuldbewußt" oder "jetzt erst recht"?
Und dann habe ich mir die Homepage von Chen Xiao Xing genauer angeschaut.
Das ist übrigens der "Chef" von Chenjiagou, Großmeister und CXWs jüngerer Bruder. Seine Schule in Chenjiagou ist wohl die Namhafteste weltweit und dementsprechend "ernstzunehmen".
Und da habe ich die Lehrerprofile durchgeschaut, da stand dann z.B.:
"Er/Sie kam vor drei Jahren nach Chenjiagou, lernte seitdem alle Faust, sowie sämtliche Waffenformen und ist nun spezialisiert auf Doppelwaffe soundso, sowie Faustformen ... "
Und nicht nir das, wird bei uns im Unterricht allgemein eine höhere Psoition der Stände gelehrt, geht es dort sobald die Kraft da ist, durchaus sehr tief runter...
WAS??? Wenn es doch so viele Jahre dauert, bis man beim Taiji überhaupteine Waffe in die Hand nehmen darf, wieso werden diese jungen Leute dann in nur drei Jahren nicht nur zum Trainer, sondern auch zum Spezialisten???
Und wieso erzählt man uns oft, wie sollen nicht so tief, wenn es dort offenbar anders gehandhabt wird?
Nachdem ich mehrere Trainerprofile ähnlichen Inhalts durchgelesen hatte, war mir klar, daß es in Chenjiagou offenbar nicht auf ein starres Zewitraster ankommt, sondern auf die individuellen Fortschriffe der verschiedenen Schüler und daß es durchaus möglich ist, in drei Jahren soviel zu lernen, wie andere vielleicht in 10 Jahren (oder überhaupt nie).
Nun frage ich mich natürlich, was unser starres deutsches Zeitraster dann soll?
Ist es der Versuch, aus einer gewissen Ordnun gswut heraus für etwas einen Rahmen zu finden, das eigentlich in keinen Rahmen paßt?
Ist es der Versuch, einen "Schuh" für alle passend zu machen?
Ist es Geschäftstüchtigkeit, um auf diese Weise zu sichern, daß eine langjährige Kundenbindung und -abhängigkeit zum Lehrinstitut entsteht?
Oder ist es einfach die Unfähigkeit oder der Unwille, zu erkennen, daß ein sportlicher Mensch mit guten energetischen oder kampfsportlerischen Voraussetzungen ganz einfach schneller vorwärtskommt, als jemand, der diese Voraussetzungen nicht mitbringt?
Abgesehen davon spielt ja auch das Trainingspensum eine Rolle, wer täglich einige Stunden trainiert, nimmt nun mal auch mehr mit, als jemand, der nur ein- oder zweimal pro Woche einen Kurs besucht.
Wie seht Ihr das?
Wie weit ist unser starres Zeitraster sinnvoll und wo übertreiben wir dahingehend, daß Leute mit gutem Potenzial vielleicht unnötig gebremst werden?
Versuchen wir außerdem, durch sehr viel Theorie (die in China vielleicht erst mal weniger beachtet wird) zuviel Verstand und rationales Vorgehen einzubringen, statt der Entfaltung von Fähigkeiten einfach nur freien Lauf zu lassen oder sind die Chinesen in diesem Punkt einfach zu nachlässig?
Welches sind Anhaltspunkte, um zwischen Selbstüber- und unterschätzung diffenenzieren zu können?
(Übrigens: das ist ein Querschnitt durch meine bisherige Schul- und Verbandserfahrung, sowie die von Freunden, ich meine niemanden persönlich!)



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Man kann natürlich immer daran feilen, aber irgendwann flacht die Steigerung ab, und es gibt schließlich noch andere wichtige Attribute
), natürlich nur, wenn Du es auch in der Struktur und durchgesunken schaffst
