Also, aus sicht eines medizinisch halbwegs bewanderten, und was Alternativmedizin angeht hobbymäßig gebildeten:
Homöopathie wirkt (nicht!)!
Beliebte "Argumente":
1) "nur weil man nicht weiß WIE es wirkt, heißt das nicht DASS es nicht wirkt"
2) "Wer heilt, hat recht!"
3) "Bei Tieren und Kindern hilft es auch!"
4) "Ist doch super wenn der Placeboeffekt heilt, das kann die Schulmedizin nicht!"
5) "homöopathie ist ganz sanft und natürlich, nicht so wie die chemische Schulmedizin!"
6) "Schulmedizin behandelt nur Symptome, Homöopathie die Ursache!"
7) "Auch mein Arzt ist homöopathisch tätig, so wie viele andere Schulmediziner!"
8) unterscheidliche Studien, etwa die jüngste aus einer vorarlberger Unfallabteilung.
9) "Das wissenschaftliche studiendesign ist ungeeignet für die gefühlsbetonte Homöopathie!"
10) "Die schwägerin meines Nachbars schwört drauf! Und meiner Oma hats auch geholfen!"
Debunk:
1) Falsche Wahrnehmung. Alle bislang sauber und nachvollziehbar durchgeführten Untersuchungen zeigten: Homöopathika mögen im Einzelfall zeitlich mit einer subjektiven Besserung einhergehen, sieht man sich jedoch eine große Anzahl von vergleichbaren patienten an, gibt es keinen sichtbaren Effekt, der größer als der eines nicht-homöpathischen, wirkstofffreien placebos (=zuckerkugerl) wäre. Ist einfach so, keine Diskussion hier möglich.
2) Nein, wer heilt hat nicht recht. Erstens nciht, wenn es um die Frage der allgemeinen Wirksamkeit geht, und zweitens hat nur der recht, der wiederholt und relativ zuverlässig heilen kann.
3) Stimmt. Allerdings ist der Placeboeffekt auch bei Tieren und Kindern belegt. Außerdem fühlt man sich soweiso besser, wenn man entsprechend gehegt und gepflegt wird. hier lassen die Homöopathen erne die ihnen doch so wichtige Psychologische Komponente außer Acht.
4) Der Placebooeffekt ist kein Wirkprinzip, sondern eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch eine Erwartungshaltung. Und er tritt bei jedder Behandlung ein, selbst wenn man nicht dran glaubt (so sehr kann man sich gar nicht überzeugen). Er ist nicht immer und bei jeden gleich stark ausgeprägt, und kann auch in den Nocebo-effekt (verschlechterung) umschlagen. daher ist er kein brauchbares Heilungskonzept.
5) Was ist daran "natürlich", wenn man einen stoff unzählige male verdünnt, in "3 dimenseionen gen erdkern schüttelt" und dann auf milchzuckerkugeln sprüht? Ad chemie: ALLES ist chemie. Alles in diesem universum besteht aus chemischen elementen, die chemisch reagieren. Chemie ist das natürlichste überhaupt.
6) Mein Liebling.ein Antibiotikum greit den Keim, der für Symptome verantwortlich ist, an und vernichtet ihn im optimalfall 8oder erlaubt dem körper selbst dafür zu sorgen).
Hingegen die Homöopathie nach hahnemann verlässt sich AUSSCHLIESSLICH auf die vom unterseucehr wahrgenommen beschwerden. Kommt jemand mit Fieber und hochrotem Kopf in die Praxis, schläägt der Homöopath in seiner Kartei nach, welcher stoff in hoher Konzentration genau das verursacht. Daraufhin verabreicht er GENAU DIESEN Stoff (ungeachtet der tatsache, dass untershciedliche auslöser ähnlich symptome verursachen können) in einer irrwitzig niedrigen Konzentration (für die visualisierungsbegabten rehcner unter uns: stellt euch mal vor, wie groß das volumen einer "besonders starken" tinktur wäre, verdünne man einen liter wirkstoff auf 100 hoch 300 liter lösungsmittel. Tipp: das beobachtbare universum ist kleiner)
und erwartet eine besserung. das prinzip nennt er "gleiches mit gleichem behandeln".
7) das lässt sich leicht erklären: einerseits kann man das medizinstudium auch ohne den blassesten schimmer von chemie, biochemie und physik abschließen (gott sei dank ist das eher die midnerheit), andererseits verdient man als niedergelassener arzt allein mit kassenverträgen bei weitem nicht mehr so gut wie früher. und die patienten freuen sich halt über ihre globuli (die sie am besten gleich vor ort nach der kostenpflichtigen beratung privat kaufen können). eine verabscheuungswürde praktik, finde ich.
8) Ich habe in knapp 5 jahren beschäftigung und Diskussion mit dem Thema noch keine einzige Studie gesehen, die nicht so schlecht und intransparent durchgeführt wurde, dass man an mutwilliges vorgehen glauben müsste. Aber ich lasse mich gerne korrigieren.
9) wenn man 2 große gruppen mit halsweh hinstellt, die einen bekommen individuelle beratung plus Globuli, die andere individuelle beratung plus etwas das so ausschaut wie globuli aber eigentlich keine sind, und es gibt absolut keinen messbaren vorteil (beide gruppen geben dieselbe besserung der symptome und dauer der krankheit an) der glbuli gegenüber dem placebo, dann muss man doch die aussage treffen können dass es nicht hilft. wo soll man da die wirksamkeit herfabulieren?
10) Anekdoten bringen nichts. Die meisten krankheiten verschwinden von selbst, da ist das zeitliche zusammenfallen mit der Kugerleinnahme wahrscheinlich nur zufall. Am ende hat man das zeug zusammen mit der shculmedizinischen behandlung eingenommen. dann die genesung der Alternativmedizin zuzusprechen ist schon grobe schönfärberei.
und zu guter letzt nch die berühmte unerklärliche spontanheilung. gibt es, gar nicht so selten wie man glaubt. auch hier kann man wieder wunderbare fehlschlüsse bezüglich korrelation und causalität ziehen.
zusammengefasst: Homöopathie ist im besten fall gewerbsmäßiger betrug, im schlimmsten fall fahrlässige Körperverletzung mit todesfolge.
das ist jetzt viel länger geworden als ich wollte.




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