vielleicht sollte man sich das hier mal aufmerksam durchlesen ....
Gefühllose Schaben und Typhus: Homöopathie zwischen Komödie und Tragödie @ gwup | die skeptiker
Spätestens seit durch die stürmische Entwicklung der wissenschaftlichen Medizin im ausgehenden 19. Jahrhundert klar wurde, dass im Organon und in den drögen Schwarten von Bönninghausen, Hering, Nash, Clarke, Allen oder Boericke nichts als Nonsens steht, weil diese alten Herren dem Placebo-Effekt und den vielfältigen Möglichkeiten der Selbsttäuschung begegneten, ihm und ihnen unterlagen und deswegen nicht begriffen haben, dass sie in einer Sackgasse gelandet waren, spätestens da musste der Irrsinn her.
Und der kam auch prompt mit J. T. Kent, der gerade den Mystiker Swedenborg samt Theosophie entdeckt hatte, und fortan beschloss, den sogenannten „Geistes- und Gemütssymptomen“ der homöopathischer Mittel oberste Priorität einzuräumen – denn laut Swedenborg hat jede Krankheit zuerst und immer eine seelische Ursache.Dass der eine oder andere Zeitgenosse – trotz emotionaler Ausgeglichenheit und einem gerüttelten Maß an Lebensfreude – krank wurde, hat man einfach ignoriert oder auf zu wenig Anamnese zurückgeführt. Außerdem befand man sich gerade in der Spätromantik, da war eine erkrankte Seele geradezu Bürgerpflicht und gehörte quasi zum guten Ton…
Jedenfalls: Durch diese „Umorientierung“ war der Acker für die Homöopathie neu bestellt und zugleich der Weg bereitet, vom fehlerhaften zum lächerlichen Verfahren avancieren.Was dann nämlich nicht nur in den nächsten Jahrzehnten folgte, sondern bis heute unvermindert anhält, dafür finden selbst Homöopathen deutliche Worte: Dario Spinedi beispielweise, schreibt 1996 in einem Vorwort zu einer neuen Kent-Übersetzung ganz und gar unmissverständlich: „Es hat ein gewisse Überlagerung der reinen Lehre Hahnemanns durch die Swedenborg-Philosophie stattgefunden, und dies hat dazu geführt, dass viele Homöopathen, sich auf Kent berufend – eben diesen Kent der Swedenborg-Periode -, den Geistes- und Gemütssymptomen eine übermäßige Bedeutung beimessen. Ein Trend, der heutzutage erschreckende Ausmaße angenommen hat und sicher nicht der Homöopathie Hahnemanns förderlich ist.“
Und auch der bedeutende Schweizer Homöopath Künzli von Fimmelsberg vertrat die Auffassung: ”Bezüglich der Wertigkeit der Geistes- und Gemütssymptome ist eine Irrmeinung verbreitet. Viele halten die Gemütssymptome für die wichtigsten, dabei bezeichnet Hahnemann ausdrücklich die auffallenden Symptome als die wichtigsten.“
Da aber Homöopathen mit Kritik, selbst wenn sie aus den eigenen Reihen stammt, nicht das Geringste anfangen können, wurde auch nach Kent fröhlich weiter gemacht.




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