Immerhin ist dieser Blödsinn der Hauptgrund, warum ich seit 2 Jahren (wieder) Aikido übe.
Wenn wir Ikkyo, Nikkyo, Sankyo oder Kotegaeshi statisch oder langsam üben, dann schließen wir das häufig mit einer Schultergymnastik ab, was deutlich macht, dass diese Formen kein reines Kampf-Training sind.
Es wirkt oder fühlt sich an wie ein Schmerz, wie man ihn bei Dehn- oder Yoga-Übungen hat. Das in diesem Sinne intensivste Schmerz-Erlebnis hatte ich vor fast 30 Jahren bei einem Lehrgang mit Asai, als die Teilnehmer am Anfang einer Trainingseinheit Partnergymnastik machen sollten. Eine Übung war der Yoga-Schmetterling. Ich hatte keinen Partner gefunden und so übernahm Asai höchstpersönlich die Aufgabe, mich beim Schmetterling zu unterstützen: es war wohl das einzige Mal im Leben, wo ich bei dieser Übung die Knie bis zum Boden brachte.
In dem Aikido, das ich kenne, leisten wir weder als Uke noch als Tori Widerstand, halten Kontakt und bleiben dabei entspannt (ohne zu erschlaffen). Bei Kotegaeshi könnte das wie folgt aussehen (0:00-0:45):
Eine Sicht dieser Übung, die Lenny Sly im Video The TRUTH about Aikido Ukemi PART #1 - The reason's why we fall the way we do! (ab 9:35) vertritt ist: Uke entzieht sich dem Hebel durch Abrollen oder Fallen und macht es damit möglich, den Hebel in schneller Folge wiederholt zu üben.
Meine Erfahrung dazu ist: wenn mein Partner kräftigere Hände hat, dann schaffe ich es nie, Kotegaeshi gegen seinen Widerstand durchzusetzen. Habe ich kräftigere Hände, dann würde ich es schaffen, dabei aber Verletzungen meines Partners bzw. Partnerin riskieren. Im Rahmen des Aikido-Trainings ist beides nicht erstrebenswert. Mein Fazit in diesem Kontext: Widerstand ist zwecklos.
Es ist ja keineswegs selbstverständlich, dass man sich als Uke wie in dem Video gezeigt darauf einlässt, über die gehebelte Hand als Angelpunkt zu rollen oder zu fallen. Bei mir hat das 2 Jahre gedauert. Als Uke muss ich mich im gehebelten Arm und damit im Rest meines Körpers vollkommen entspannen*, was wiederum Voraussetzung ist weich zu fallen. Im Handgelenk ist der Hebel dann nicht mehr schmerzhaft zu spüren. Wenn das so gelingt, ist das ein schönes Gefühl, in dem man vollkommen aufgehen kann: also eine Übung für ein Flow-Erlebnis.
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*) wieder ohne zu erschlaffen







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