Ich denke, dass es sowohl beide Extreme als auch eine riesige Grauzone gibt. Also Menschen die sich ganz gezielt einen Stil oder eine Ausprägung des Karate suchen und dafür auch relativ weit fahren und die, die einfach das machen, was am nächsten zu ihrer Arbeits- oder Wohnstätte liegt, egal was es ist.

Ich hatte erst letzte Woche die Diskussion mit einer guten Bekannten, die nach eigener Aussage, früher auch "Karate" gemacht hat und nun bei verschiedenen "Karate-Vereinen" (!) im Probetraining war, weil sie wieder einsteigen wolle. Ich war interessiert und fragte nach, welche Stil sie denn betrieben hat und welchen Stil sie nun ins Auge fasst. Antwort: Karate, habe ich doch gesagt...

Bei genauerer Erkundigung kam dann raus, dass sie in einem Verein war der Kyokushinkai betreibt, einer Kampfsportschule die "Allstyle Karate" anbietet und beim Weng Chun Kungfu... - aber Hauptsache Karate.

Auch bei Lehrgängen und FoBi stelle ich immer wieder fest, dass es sogar Dan-Träger gibt, die außer ihrem Shotokan keinen einzigen weiteren Stil benennen können oder gar nicht wissen, dass es noch andere gibt. Es gibt einfach Leute, die beschäftigen sich Null mit der Materie, außer wann habe ich Training.

Als ich für mich beschlossen habe, mich wieder verstärkt mit Karate zu beschäftigen, habe ich verschiedene Vereine ausprobiert und bin dann bei dem Verein geblieben, in dem mir die Leute am sympathischsten waren und der nach meinem Ermessen den Schwerpunkt bei "Kampfkunst" eher auf Kampf als auf Kunst legt. Aber ich finde es gut, dass es für jeden was gibt. Den Budoromantiker, den Wannabe-Samurai, den Bahnenschrubber, den Vollkontaktliebhaber, etc. Das Spektrum ist ja weit.