Hallo,
bei meinem Punkt (2) geht es mir nicht darum, was jemand „darf“ oder nicht „darf“. Ganz offen geschrieben ist es mir z. B. ziemlich egal, was andere Menschen und Karate-Gruppierungen für Bewegründe für ihr Training haben. Mir geht es darum, dass als erstes verstanden werden müsste, auf welcher Art (oder aufgrund von Überlappungen welchen Arten) von Kampfkunst das eigene Training beruht, um als zweites den Sinn oder Unsinn bestimmter Inhalte verstehen und so Konsequenzen ziehen zu können (falls gewünscht). Und im Karate ist diese Herkunftsbestimmung alles andere als simpel, was an unterschiedlichen Übertragungslinien usw. liegt. Für die Beantwortung der Frage nach den „Zwischenbewegungen“ ist die Kenntnis dieser Problematik eine Voraussetzung.
Zur Nachfrage bei Punkt (3): Vereinfacht gibt es erstens Kata, die aus irgendeiner chinesischen Kampfkunst stammen, mehr oder minder vom Grobablauf übernommen und dann je nach Person in sein Karate eingepasst/abgeändert worden sind. Das trifft vor allem für ein paar Kata aus dem Raum Naha zu. In der Shōtōkan-Strömung lässt sich das für fünf Kata anhand Aussagen aus frühen Dokumenten belegen.
Zweitens gibt es all die Kata, die überhaupt erst in Ryūkyū oder später in der Präfektur Okinawa oder auf den japanischen Hauptinseln von okinawanischen Karate-Anhängern zusammengestellt worden sind. D. h. in dem Fall stammen sie nicht aus einer chinesischen Kampfkunst, bestehen aber je nachdem aus ein paar abgekupferten Bewegungen aus real gelernter, gesehener oder von Bildern bzw. Texten nachgeahmten Gesten der chinesischen Kampfkünste. Hinzu kommen eigene („neue“) Techniken/Bewegungen, ältere Vorbilder aus der okinawanischen Kampfkunst (zu der auch Tänze gehören) usw. usf. D. h. in dem Fall handelt es also sich nicht um „unverändert aus einer chinesischen Kampfkunst übernommene“ Kata, es sind neue Zusammenstellungen bzw. Neuschöpfungen.
Bei besagtem Lehrgang erwähnte K. Mabuni laut meinem niedergeschriebenen Gedächtnisprotokoll, dass „Te“ nicht bloß „Hand“, sondern auch „Fertigkeit“ u. Ä. bedeute. Ich habe aber versucht, nicht auf die Übersetzung zu hören, sondern seine japanische Aussage „abzuspeichern“. Jedenfalls ist das Wort „Te“ Hochjapanisch, nicht Okinawanisch. In okinawanischer Mundart lautet es „Tī“ (mit langem ‚i‘), und kann u. a. ganz einfach als „Kampfkunst“ übersetzt werden. Dazu habe ich bereits einiges mithilfe alter Quellen erklärt, das bei Interesse in Band II, Anhang A, und in Hoplo, S. 47 ff., nachgelesenen werden kann ...
Grüße,
Henning Wittwer





Mit Zitat antworten