Puuhh....... das ist ein komplexes Thema. Ja und Nein. Kata kann zu sowas genutzt werden. Kata ist aber auch mehr als das.
In der Ursprungsform können Kata durchaus einmal reine Anwendungen ohne Partner gewesen sein. Das wäre eine "Schicht" sozusagen. Dann gibt es aber gleichfalls noch die Intention bestimmte Prinzipien zu trainieren, Bewegungen quasi abstrahiert zu trainieren, mit einem bestimmten Fokus. Dadurch wird die Bewegung dann nicht mehr direkt umsetzbar, trainiert allerdings die Basics, ohne die das System nicht mehr funktioniert.
MEn ist es meist eine Kombination aus beidem. Die Schwierigkeit besteht darin zu unterscheiden, was was ist. Wenn ich ein Kata laufe und dabei auf die Bewegungsprinzipien achte (die auch zwischen den Stilen verschieden sind) mache ich deshalb keine schlechtere Kata, als wenn ich mir imaginär einen Gegner vorstelle. Ich trainiere nur eben in dem Moment etwas anderes. Demzufolge sieht da Kata dann aber auch anders aus.
Und Bunkai ist auch wieder schwierig. Prinzipiell würde ich Bunkai eher als Analyse denn als Anwendung verstehen. Wobei es dann auch wieder Unterschiede in der Kata gibt. Reines Bunkai zum Ablauf lernen. Wie eben der Fusstritt ("Mich tritt jemand von links, das blocke ich und dann haue ich ihm mit der anderen Hand auf den Solar Plexus. Danach tritt mich jemand von hinten, das blocke ich auch. Dann greift er meine Hand und ich reiße sie nach hinten und haue ihm auf die Murmel."). Das ist auch Bunkai, aber garantiert keine Anwendung. Der Tritt kommt mWn übrigens aus Funakoshis Buch. Der schreibt aber "treten Sie ein mit dem Gefühl als ob Sie einen Fusstritt oder einen Angriff zum mittleren Level stark blocken". Hier geht es also nicht um eine tatsächliche Anwendung, sondern um die Art und Weise der Ausführung der Bewegung. Das funktioniert mit der Bewegung so allerdings nicht. Die Aussage ist deshalb aber nicht falsch. Sondern wiederum: Anderer Fokus. Hier wird schlicht etwas anderes trainiert.
Jetzt kann man natürlich die Kata-Bewegung verändern um sie der erwähnten "Anwendung" anzupassen. Das ist nicht falsch. Bunkai kann sehr frei ausgelegt werden. Wie eben die 45° Bewegung oder der Switch-Step oder, oder, oder.
Das Problem dabei ist für mich: Wenn ich den Karatelehrern vergangener Zeiten nicht einfach Dummheit unterstellen will (aka "die hatten halt keine Ahnung was geht und was nicht"), dann sollte man sich schon fragen, warum die Bewegung dann so ausgeführt wird, wie sie eben ausgeführt wird und nicht mit einem Switch-Step. Das müssen wie gesagt keine praktischen Gründe sein. Kann sein, in der Kata soll halt das rollen über das vordere Knie trainiert werden.
Und klar muss die Kata der realen Situation angepasst werden. Trotzdem ist mEn ein Bunkai, das eng an der Kata liegt "besser" oder vllt. auch "authentischer" als ein Bunkai, dass komplett andere Bewegungen nutzt.
Trotz dessen gibt es ja noch die verschiedenen Level der Kata-Durchdringung wie Omote oder Ura, bei denen dann komplett andere Anwendungen entstehen können. Ersteres ist meist relativ nah an den Bewegungen der Kata, letzteres bezieht sich meist auf die Anwendung der Prinzipien der spezifischen Bewegung in anderem Kontext. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Beispiel wäre eben kankens Anwendung mit dem Stock. Selbe Bewegungsprinzipien aber komplett anderer Kontext.
Die eigentliche Anwendung kenne ich unter dem Begriff Oyo. Allerdings ist das meiste, was man so findet Schrott. Tut mir leid, ist aber so.





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