In einem vernünftigen Sparring macht man nicht "1 greift mit A an, 2 reagiert mit B!". Ich würde in einer SV-Übung auch mit situativem Kontext arbeiten, also "1 versucht 2 irgendwie zu Boden zu bringen, und wenn er selbst am Boden landet wieder aufstehen und weiter versuchen". Oder halt wilder Schlagangriff. Person 2 darf dann auch versuchen sich in dem Kontext zu finden, also auszuprobieren was geht, was sie kann, was nicht. Der Trainer sollte in dem Fall coachen, wenn Person 2 nichts findet, oder böse Fehler macht ohne die beim 2. und 3. Mal zu ändern.
Es geht darum, solche Angriffe mal zu sehen, und sich zu probieren wie man in seine Aktionen kommt. Nicht was anderes probieren als im eigenen Repertoire vorkommt. Wobei es vorkommen kann dass man keine Antwort findet, oder mit dem was man tun soll nicht zufrieden ist. Da muss man dann seine eigene Idee entwickeln. Es gibt nicht so viele Möglichkeiten, wie man echten, wilden Angriffsaktionen von Leuten die ein bischen was können entgeht und in Kontrolle kommt. Meiden, Blocken, Rausgehen, präemptive Gegenaktion. Es ist nicht verkehrt, mehrere Möglichkeiten kennenzulernen, was man tun kann, und womit man sich erfolgreich wehrt. Aus dem Meiden sollte man als "Grappler" natürlich *direkt* ins Grappling kommen, nicht stehen bleiben, oder warten ob noch mehr kommt. Die Blöcke / Paraden verwendet man, wenn derjenige "reinrutscht", um ins Greifen oder Ringen zu kommen, dafür hat man ja im ILC diese Mittel. Es geht darum, nicht - das können auch viele Taijiler nicht - aus einer "Nullposition" anzufangen, und zwar immer der gleichen. Sondern aus einer Bewegung heraus die man in freier Wildbahn sieht.
Wenn man eine gewisse Sicherheit bekommen hat, lernt man, völlig spontan zu agieren. Also in einen Zustand zu kommen, den man gerne Wuji nennen kann, in dem man völlig spontan mit "irgendwas" reagiert das von innen kommt. Ich habe an dem Punkt, in realen Kämpfen mit kompetenten und bösmeinenden Angreifern, "komische Aktionen" improvisiert, die ich nicht hätte wiederholen können. Das ist durchaus ein Ziel, aber das kann nicht der Anfang sein. Am Anfang wurde mit Overwhelming gearbeitet, d.h. man geht an dem Punkt wo das möglich ist rein und schlägt denjenigen zu Klump. Dabei wird man was abbekommen, und lernt langsam wie man eine Mischung aus Kloppen und Ringen bekommt. Die "höherwertigen" Ansätze kommen mit der Zeit, weil der innere Geist diese Improvisation entwickelt. Das kann relativ früh passieren, und ist durchaus ein Ziel. Der Geist improvisiert aber meistens besser, wenn er zumindest die Elemente mal gesehen hat die kommen, und die man selbst kann.
"Man kann Leuten nicht verbieten, ein ***** zu sein." (Descartes)