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Thema: EINMAL zeigen: Didaktik in traditionellen chin. und jap. Kampfkünsten

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  1. #19
    carstenm Gast

    Standard

    Ich möchte die aussage von Inryoku noch verstärken:
    Zitat Zitat von Aiki5O+ Beitrag anzeigen
    Das erinnert mich an die Morihei Ueshiba nachgesagte Unterrichtsmethodik, der jede Technik auch nur einmal ohne Erklärungen vorgeführt haben soll.
    Nachdem er die Technik vorgeführt hat, ist Ueshiba dann aber üblicherweise herumgegangen und hat jeden Schüler geworfen. So jedenfalls habe ich es von Menschen erzählt bekommen, die bei ihm geübt haben.
    Und nach Aussage meines Lehrers war genau das auch in den Jahren, in denen er in Japan gelebt hat, im hombu die bevorzugte Unterrichtsform der meisten Lehrer. Und ist offenbar bis heute nicht untypisch.

    Es ging - und geht - ja nicht so sehr um die äußeren Formen der Techniken, denn die sind ja als kata einigermaßen klar definiert und sind ja z.B. schon in "budô renshu" von 1933 abgebildet und dann in "budô" von 1938 auch ausführlich beschrieben.
    Sondern zu lernen war die Art und Weise der Ausführung. Und die lernt man nicht durch Anschauen, sondern durch Spüren. Das ist übrigens auch das, worauf sich die Aussagen von Roy Goldberg beziehen: Stehlen mußte er Aspekte wie die Organistation des eigenen Körpers, die Gestaltung des Kontaktes und dergleichen Dinge.

    Stehlen muß man nicht die kata. Die sind evident. Und gerade deswegen müssen sie auch nicht mehr als einmal gezeigt werden. Stehlen muß man die inneren Aspekte. ... "It has to be felt ...".

    Gozo Shioda und Kisshomaru Ueshiba (mit Hilfe von Osawa und Tohei?) entwickelten in den 50er ja ein Curriculum für Yoshinkan bzw. Aikikai, das aber offenbar nicht dazu geeignet ist, dass jeder, der es durchläuft, die Essenz von Ueshibas Kampfkunst erfasst.
    Das Interesse von Shioda sensei und nidai dôshu war es, aikidô für große Gruppen von Schülern unterrichtbar zu machen. Und es für Außenstehende übbar zu machen. Bis Mitte der 50er Jahre geschah das Üben hinter verschlossenen Türen. Beide wollten aber ihre dôjô für die Bevölkerung öffnen um mehr Schüler anziehen zu können. Viele Entwicklungen der damaligen Zeit sind der Bemühung um Attraktivität geschuldet. So ist im aikikai z.B. die Form des tanto dori, ds wir heute kennen, ganz ausdrücklich mit diesem Ziel in den 50er Jahren "erfunden" worden.

    Mindestens im aikikai gab - und gibt - es ausdrücklich das Konzept der Trennung des öffentlichen Unterrichts von den Klassen, an denen man lediglich auf Einladung teilnehmen konnte - und kann. Und außerdem dem Unterricht der Lehrer des hombu in ihren privaten dôjô.

    Schließlich sei noch angemerkt:
    Die Erläuterung von Ueshiba zu seinen Techniken liegen immerhin mehrbändig in gedruckter Form vor: In "takemusu aikidô" finden sich seine transkribierten - und übesetzten - Erläuterungen zu seinem aikidô. Und zwar äußerst detailliert. Aber sie beschäftigen sich eben nicht mit der äueren Form, kata, sondern damit, wie diese Formen auszufüllen sind.
    Und auch die kata selbst findet man eben in budô von 1938 oder auch in budô renshu von 1936.
    Geändert von carstenm (20-04-2019 um 11:24 Uhr)

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