Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
Das setzt allerdings beim Lehrer tiefere Erkenntnis voraus und ist schwierig standardisierbar.
Und es besteht die Gefahr, dass das Leute nachahmen, die diese Erkenntnis nicht haben. Die lassen dann vielleicht Menschen im Regen stehen, lassen die auf Berge steigen oder äußern sich geheimnisvoll..
Aber nicht, weil die erkannt haben, dass die damit beim konkreten Menschen in der konkreten Situation was verändert können, sondern weil das irgendmal ein anderer getan hat und eventuell auch weil die sich in der Rollte des geheimnisvollen Lehrers gefallen.
Dabei sind die nicht geheimnissvoll, sondern ahnungslos und betreiben einen didaktischen Cargokult.

Siehe auch den Kommentar von Mike Sigman unter dem Artikel:

Ich erinnere mich immer an das angebliche Sprichwort von Albert Einstein: "Wenn du ein Thema wirklich verstehst, kannst du es deiner Großmutter erklären".
Wenn du bemerkst, sind die meisten Kampfkunstartikel fast bemüht, nichts zu erklären.... und ich glaube nicht, dass das daran liegt, dass sie die Antworten kennen, aber sie verstecken sie. Ich denke, es liegt daran, dass normalerweise zu viele Menschen in den Kampfkünsten die Antworten nicht wirklich kennen.

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(1) wenn man Güte in einer KK danach misst, was jemand mit einem anderen machen kann (hier "mit Leichtigkeit werfen")
Danke für den Hinweis auf das Milton-Sprachmodell.

Was ich mich frage ist, ob nicht die vermeintlich pädagogisch ausgearbeiteten Curricula im Vergleich zur "konfuzianischen Lehrmethode" oder der Ansatz den Schüler das Wissen und Können des Lehrer "stehlen zu lassen" auf Dauer nicht wirkungsvoller ist, um das Können und Wissen einer Schule an die nächste Generation weiterzugeben.
Es ist halt die Frage, was man erreichen will, eine Lehre für eine kleine Elite oder eine Schule für die breite Masse.

Vielleicht ist also in den Linien des Daito-Ryu Aikijujutsu Wissen und Können erhalten geblieben, was im Aikido verloren geht.
Als Außenstehender kann ich allerdings das Können eines Roy Goldbergs nicht beurteilen. Bemerkenswert fand ich aber den Kommentar von Guillaume Erard (ein bekannter in Japan lebender französischer Aikidoka mit einem immer wieder zitierten YouTube-Channel), der schrieb, dass er sich noch nie beim Üben von Daito-Ryu verletzt habe, wohl aber beim Aikido:
Zitat Zitat von Kommentar von Guillaume Erard im Goldberg-Interview
Ich denke jedoch, dass es allgemein bekannt ist, dass Takedas Techniken sehr schmerzhaft sein konnten. Die Sache ist die, dass selbst diese schmerzhaften Techniken nicht dasselbe sind wie "grob". Die Schmerzen, die ich bei Daito-ryu verspüre, verschwinden in der Regel kurz nach Abschluss der Technik. Einige schmerzende Handgelenke nach einem Wochenende Trainings vielleicht, aber nicht mehr. Es hat nichts mit den folgenschweren Verletzungen (very damaging things) zu tun, die Aikidoka-Übende sich selbst und anderen antun können. Was die Hebel betrifft, so denke ich, dass "extreme Unannehmlichkeiten" eine angemessenere Beschreibung der Hebel für Daito-ryu ist.
Alles in allem bin ich in Daito-ryu nie verletzt worden, obwohl ich im Aikido schon früh oft verletzt wurde.
Da ich mich in den letzten 3 Jahren beim Aikido Üben nie verletzt habe und es ganz im Gegenteil als wichtigen Teil betrachte, mich gesund zu halten, ist das für mich auch ein wichtiges Güte-Merkmal einer Linie oder eines Lehrers.

Zitat Zitat von Arkil Beitrag anzeigen
Ein Beispiel aus der Praxis:Ein älterer Schüler zeigt mir eine Technik.Er wiederholt wortwörtlich,was Sifu gesagt hat.Als ich nachfrage,was ich damit erreichen will,und warum kann er mir keine Antwort geben.Ich muss also Sifu fragen.Der konnte mir das dann erklären.
Meiner Meinung nach bedeutet dies,dass der ältere Schüler garnichts begriffen hat,sondern nur nachplappert was der Lehrer erzählt hat.
Das Phänomen, das ein Schüler etwas verbal erklärt oder anmeckert mit den Worten des Lehrers, es aber selbst nicht richtig versteht, zeigen oder (wenn es ein Fehler oder Fehlhaltung des Partners ist) ausnutzen kann, kenne ich auch und finde es ziemlich ärgerlich. Mein Lehrer hält es übrigens für eine "Katastrophe", wenn Schüler, insbesondere Anfänger, sich gegenseitig mit Worten irgendwelche Techniken oder Formen auf der Matte erklären wollen. Ich selber musste mir diese Unart auch abgewöhnen. Wenn ein Schüler einem Anfänger was zeigen will, dann durch vorbildliche Ausführung der Technik/Form. Wenn ich das nicht schaffe, dann weiß ich, dass ich das zu Übende selber noch nicht ausreichend verstanden oder verinnerlicht habe.

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@Offtopic @Pansapiens: wie hast du die englischen Zitate übersetzt, per Hand, oder mit einem Tool wie DeepL?