Ich bin kein Fechter (auch wenn ich des Öfteren welche trainiert habe), aber ich denke, es gibt diverse Indizien dafür, dass in Europa tatsächlich mit der "Schneide"/Schmalseite geblockt bzw. gebunden wurde. Das beginnt bei der Konstruktion des Schwertes bzw. der Parierstange, die zu einem Blocken mit der Breitseite absolut ungeeignet ist und dann überhaupt keine Funktion als Handschutz mehr erfüllen würde (wobei das Thema Fechten ohne Handschuhe mit dem Langen Schwert nochmals ne andere Baustelle ist). Einen seitlichen Schutz gibt's dann in erster Linie ab dem 15. Jh. bei einigen Klingenwaffen wie dem Langen Messer und dem Montante, aber auch hier als Zusatz zur klassischen Parierstange, interessanterweise auch beim Hirschfänger (wo es primär eine Stütze bzw. Auflage als ein Parierelement sein dürfte) ggf. noch beim Dussack in Kombination mit dem Bügel. Dazu kommt, dass die Bindung im europäischen Fechten absolut zentral zu sein scheint, die meisten Techniken in den Fechtbüchern scheinen die Bindung als Kernelement für fast alle komplexeren Handlungen zu verwenden. Durch das Aufzwingen der Bindung bekommen Konterhandlungen auch ein stärkeres Gewicht bzw. Erfolgswahrscheinlichkeit gegenüber einem Szenario mit unkontrolliert "wegspringenden" gegnerischer Klinge.
Schliesslich würde ich noch anführen, dass mit den Fechtfedern - die v.a. ab Ende 15. bzw. im 16. Jh. als "Simulatoren" auftauchen - ein Parieren mit der Breitseite aufgrund des starken Flex ziemlich problematisch sein dürfte, in Hinblick auf den Klingenquerschnitt würde ich auch annehmen, dass v.a. ab der Entwicklung der diamantförmigen Klingenquerschnitte ein Blocken mit der Breitseite strukturell unbedenklicher wäre... wobei vorher wahrscheinlich ohnehin primär der Schild die Parierfunktion übernehmen soll.
Daher würde ich bis auf weiteres davon ausgehen, dass im Europäischen Fechten tatsächlich primär mit der Schmalseite pariert wurde - überzeugt mich vom Gegenteil
Beste Grüsse
Period.







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