Ne, hätte man nicht. Also grundsätzlich natürlich schon, aber so ist unser System halt nicht ausgelegt. Früher Bettenkapazitäten schaffen? Ja, wie denn? Das Problem ist doch grundsätzlich mal nicht, dass da keiner wäre, der die Betten zusammenschraubt.
Die Kapazitäten entstehen sehr wesentlich dadurch, dass schiebbare Eingriffe geschoben werden. Die Erbsenzähler in der Verwaltung jammern schon... außer die, deren Sorge Beatmungszeiten sind.
Früher schon schiebbare Eingriffe zu schieben hätte nicht wesentlich mehr verbessert, im Sinne von Schaffung von Betten.
Und man darf auch nicht ganz außer acht lassen, dass schiebbare Eingriffe häufig nicht unnotwendig sind, auch wenn immer gerne und wenig differenziert über zu viele Eingriffe gejammert wird.
Über Ostern haben unsere Herzchirurgen so nen armen Typen operiert, der paar neue Klappen bekommen sollte, der aber, dar kein Notfall und auch nicht wirklich dringlich nach hause geschickt wurde. Die Leistung seines Herzens war im Echo völlig ausrechend gut. Es war aus der damaligen Sicht völlig vertretbar zu verschieben. Über Ostern kam er dann als Notfall mit ner hochgradig eingeschräkten Pumpfunktion von geeyeballten vllt 15%. Das ist also schon ein sehr zweischneidiges Schwert. Der ist ja auch kein Einzellfall.
Und was Schutzausrüstung angeht - ebenfalls ne. Klar hätte man das machen können - also theoretisch. Praktisch hätte man damit laaaaange Jahre lang - also von Anfang 2012 bis eben 2020 paar Cent mehr für jedes Stück Schutzkleidung zahlen müssen und das wollen wir doch alle nicht. Nein nein nein, es soll bitte schön billig sein, auch wenn es billig ist, weil man in den produzierenden Ländern auf Umweltschäden durch die Produktion und menschenwürdige Arbeitsbedingungen einfach mal scheixxt.
Aber so lange es gut geht, geht es eben gut und wir sparen 2 Cent pro Pille Paracetamol (das sind wirklich die Größenordnungen) 2 Cent pro Schutzmaske usw.
So war es in vielen Krisen. Nicht nur in dieser, auch in der Finanzkrise etc. Man wusste es, aber so lange es irgendwie gut geht, geht es halt gut. So ist es auch mit dem Klimaschutz... geht ja noch.
Wir haben immernoch nicht genug Schutzausrüstung. Vor 2-3 Wochen habe ich angesprochen, dass wir jeden Patienten, der als Notfall kommt (und auch jeden anderen, der nicht nachweislich negativ getestet ist, so behandeln müssten, als sei er positiv, bis das Gegenteil bewiesen ist. Allgemeine Zustimmung, aber für sowas eben nicht genug Material.
Und dann lese ich hier die Leute, die unsere Maßnahmen angreifen, weil irgendwelche Länder, in denen es mehr Rentiere pro qKM gibt, wie Menschen, anders vorgehen als wir und übrigens umschwenken, was aber außer Acht gelassen wird.
Andere greifen unsere schlechte Datenbasis mit verweis auf die ebenfalls schlechte und auch noch weniger glaubwürdige Datenbasis der Chinesen an.
Das sind in meinem Kopf doch die selben Leute... oder Art von Leuten, die den Internisten bei uns die Ohren volljammern, dass auf deren ITS die Zahl der Beatmungen zu gering sei, weil DRG und so.
Und all der Käse, weil man sich Sorgen um die Wirtschaft macht Eine Wirtschaft die längst künstliches Wachstum über geplante Adoleszenzen und frühzeitige Überalterung des Krams generiert, den sie verkaufen. Mal damit auseinandergesetzt, wie Qualitätskontrollen bei der Smartphoneproduktion funktionieren... oder in Zukunft bei Elektroautos etc?
Sorry, wenn ich gerade bisschen wie Klaus klinge, was nicht per se schlecht ist (im Gegenteil), sondern nur nicht meine Art, aber hier wurde in den letzten Tagen so viel Mist geschrieben, dass ich fast nicht anders kann, wie verbal in diesen Thread zu koxxen.
Da schreibt einer ernsthaft, es sei, statt in den Maßnahmen begründet, reine Glückssache, dass es bei uns bisher glimpflich gelaufen ist. Solche Leute müsste man wachintubieren.
Der nächste jammert über die angebliche Beschneidung der Bürgerrechte. Lieber lasse ich ein agressives Virus die Gasaustauschfläche meiner Lunge zerstören, als darauf zu verzichten shoppen zu gehen, oder mit 20 meiner besten Kumpels in den Park, auch wenn man das eh kaum tut. Aber es geht ums Prinzip.
Bisschen wie der Ami, der vor 2 Wochen noch glaubte, es würde schon alles gut gehen, weil ihre Nation ja Gottes eigene Schöpfung sei.
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