Was man vielleicht auch noch anmerken sollte - generell ists halt meistens so, dass sich in Zeiten des internationalen Austausches recht schnell eine mehr oder weniger "genormte" Herangehensweise findet - Technikrepertoire und Regelwerk -, wie man in einem Sport mit ziemlich einheitlichem Regelwerk erfolgreich ist. Ich möchte den chinesischen KS ihren Wert nicht absprechen, aber was ich z.B. im Shuai Jiao gesehen habe, ist das Technikrepertoire eben auf Standringen mit der Jacke ausgerichtet. Bodenkampf gibts meines Wissens praktisch nicht, und wenn ich z.B. die Standtechniken für No-Gi und Weiterführung der Kontrolle am Weg zum Boden modifizieren, dann kommt unterm Strich etwas raus, was es im Ringen praktisch ausnahmslos schon als Variante gibt - vielleicht nicht als eine der gängigsten Varianten, aber ich würde dennoch wetten, dass ich die entsprechende Variante (ggf. mit wenigen kleinen Abweichungen, die sich aber aus der Ausführung durch unterschiedliche Sportler von alleine ergeben können) auch in einem Ringerlehrbuch finden kann. Ähnlich siehts aus, wenn ich z.B. Judotechniken ins No-Gi übertragen will. Das Rad neu erfinden zu wollen kann durchaus spannend sein und im Einzelfall tatsächlich auch etwas bringen - und sei es z.B. nur einen anderen Blickwinkel auf das gleiche Problem, was dann z.B. andere technische Schwerpunkte im aktiven Arsenal eines Sportlers bedingen kann. Nur ist der Weg dahin im Allgemeinen länger und komplizierter, als wenn ich mir gleich einen Trainer hole, der Ringen für MMA unterrichtet. Das mag eintöniger sein, aber es funktioniert halt... Bei den Trainingstechniken kann man sich vermutlich eher bedienen, wobei ich anfügen würde, dass die Trainingstechniken im Ringen sich auch nur deswegen etabliert haben, weil sie im Rahmen des Regelwerks funktioniernen und die Attribute fördern, die man haben will. Sprich, es läuft sich auf ein Experiment hinaus.

Was man z.B. im Chin Na findet, was es im Ringen so tatsächlich nicht in den Lehrbüchern gibt - was nicht heisst, dass es nicht unter der Hand teilweise vermittelt wird (üblicherweise mit Anweisungen, wie man es anstellen soll damit es der Schiedsrichter nicht sieht) - sind z.B. sehr ausgefeilte Finger- und Handgelenkshebel und z.T. auch Krallengriffe. Aber die sind im MMA auch mehrheitlich verboten, sogar wenn sie mit den verwendeten Handschuhen usw. im selben Masse anwendbar sein sollten (small joint manipulation etc.).

Beste Grüsse
Period.