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Thema: Diplomarbeit Yiquan/ZhanZhuang

Baum-Darstellung

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  1. #11
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    Zitat Zitat von oxcart Beitrag anzeigen
    Wenn Zhuangzi liest scheint ein Großteil der angeführten Vorbilder selber gar nichts vom Daoismus zu wissen. Zum Beispiel wenn da die Rede von einem besonders guten Lehrer ist, der nichts besonderes macht und nichts sagt was man speziell zitieren könnte und trotzdem einen positiven Einfluss hat. Der ist einfach nur ein Mensch, wobei ein weniger gutes Vorbild mal Recht und mal Unrecht hat bzw. hier und da was sinnvolles sagt und sich als Lehrer gibt. Finde ich interessant, weil es so ausschaut als ob die Heiligen/Seeligen des Daoismus bis auf die Beschreibung durch die Daoisten nichts mit dem Daoismus zu tun hätten. Damit meine ich nicht die Unsterblichen oder sowas, sondern die Protagonisten dieser kleinen Moralgeschichten.
    Der barmherzige Sameriter war auch kein Jude oder Christ.
    Dennoch hatte er insofern mit dem Christentum zu tun, dass er in der Geschichte so handelte, wie Jesus meinte, dass man handeln solle.

    Zitat Zitat von oxcart Beitrag anzeigen
    Was ich mich frage und worauf gewöhnlich nicht eingegangen zu werden scheint ist die Frage nach dem Sündenfall, aus der Sicht der Daoisten. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen der Vergangenheit oft idealisiert werden und inwiefern früher natürliche Harmonie geherrscht hat, aber irgendwas muss dann ja schiefgegangen sein.

    2. Stufen des Verfalls

    [174] Die Männer des höchsten Altertums lebten inmitten des Unbewußten. Sie waren eins mit ihrem Geschlecht und erreichten Ruhe und Vergessenheit. Zu jener Zeit war Licht und Dunkel in stillem Einklang; Geister und Götter störten nicht; die Jahreszeiten hatten ihre Ordnung; alle Wesen blieben ohne Verletzung, und die Schar der Lebenden kannte keinen vorzeitigen Tod; die Menschen hatten wohl Erkenntnis, aber sie gebrauchten sie nicht: das war die höchste Einheit.

    Zu jener Zeit handelte man nicht, sondern ließ stets der Freiheit ihren Lauf. Als dann das LEBEN verfiel, kamen Feuerspender (Sui Jen) und Brütender Atem (Fu Hi) zur Herrschaft über die Welt. Darum ging wohl alles seinen Gang, aber die Einheit war nicht mehr vorhanden.

    Als dann das LEBEN noch weiter verfiel, da kamen der göttliche Landmann (Schen Nung) und der Herr der gelben Erde (Huang Di) zur Herrschaft über die Welt. Darum herrschte wohl Friede, aber die Dinge gingen nicht mehr ihren Lauf.[174]

    Als dann das LEBEN noch weiter verfiel, da kamen Yau und Schun zur Herrschaft über die Welt. Sie brachten die Strömung des Ordnens und Besserns in Lauf, befleckten die Reinheit, zerstreuten die Einheit, verließen den SINN und stellten statt seiner das Gute auf, gefährdeten das LEBEN und stellten statt seiner die Tugenden auf. Von da ab ging die Natur verloren, und man folgte dem Verstand. Verstand tauschte mit Verstand die Kenntnisse aus, und doch war man nicht mehr fähig, der Welt eine feste Ordnung vorzuschreiben. Darauf fügte man Formenschönheit hinzu und häufte die Kenntnisse. Aber die Formenschönheit zerstörte den Inhalt, und Kenntnisse ertränkten den Verstand. Da wurden die Leute vollends betört und verwirrt, und kein Weg führte mehr zurück zur wahren Natur und zum Urzustand.


    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Zh...n+des+Verfalls

    oder aus dem Daodejing (nach Richard Wilhelm, vielleicht hat hier jemand ja eine bessere Übersetzung?)


    Geht der große SINN zugrunde,
    so gibt es Sittlichkeit und Pflicht.
    Kommen Klugheit und Wissen auf,
    so gibt es die großen Lügen.
    Werden die Verwandten uneins,
    so gibt es Kindespflicht und Liebe.
    Geraten die Staaten in Verwirrung,
    so gibt es die treuen Beamten.

    Tut ab die Heiligkeit, werft weg das Wissen,
    so wird das Volk hundertfach gewinnen.
    Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht,
    so wird das Volk zurückkehren zu Kindespflicht und Liebe.
    Tut ab die Geschicklichkeit, werft weg den Gewinn,
    so wird es Diebe und Räuber nicht mehr geben.
    In diesen drei Stücken ist der schöne Schein nicht ausreichend.
    Darum sorgt, daß die Menschen sich an etwas halten können.
    Zeigt Einfachheit, haltet fest die Lauterkeit!
    Mindert Selbstsucht, verringert die Begierden!
    Gebt auf die Gelehrsamkeit!
    So werdet ihr frei von Sorgen.


    https://www.iging.com/laotse/LaotseD.htm#18


    Erinnert mich durchaus an den biblischen Sündenfall, der ja auch im Erkennen (Unterscheiden) von Gut und Böse bestand:

    .Der jüdische Thora-Gelehrte Friedrich Weinreb erklärt: „Sobald der Mensch vom Baum der Erkenntnis nimmt, ist der Weg zum Baum des Lebens, der Weg zum Tempel, verschlossen.“ Dieses Verschließen des Zugangs zu Tempel und Lebensbaum geschieht automatisch, wo der Mensch anfängt, nach dem Sichtbaren bzw. der bloßen „Wahrnehmung, nach dem Beweisbaren zu urteilen“ und die unsichtbare Welt des Himmels vergisst.[13] Mit dem ‚Baum des ewigen Lebens‘ ist hier das ewige Wort Gottes oder die Thora im geistigen oder mystischen Verständnis gemeint; durch dieses innere Verständnis hat sie erst eine innere Einheit – Einheit bedeutet hier zugleich Geist und ewiges Leben. Demgegenüber lässt das Essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aus der kontemplativen Einsicht herausfallen in eine an der Oberfläche bleibende Wahrnehmung der Welt, ein Vielwissen ohne Einheit, was gleichbedeutend ist mit ‚Staub‘ (Materie) und Tod (vgl. Gen 3,19 EU).

    https://de.wikipedia.org/wiki/Baum_d...d_Eschatologie


    ================================================== =========

    Selig sind die geistig Armen,
    denn sie stecken nie die Nase
    in den Brunnenschacht des Lebens
    voll gefährlich gift'ger Gase.

    Trinken oben aus dem Becken
    fromm mit Ochs und Schaf zugleich.
    Und dereinst, wenn sie sich strecken,
    erben sie das Himmelreich.

    Christian Morgenstern
    Geändert von Pansapiens (04-07-2020 um 15:47 Uhr)

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